Sanierungsarbeiten der Hohenzollerngruft im Berliner Dom



Eine der bedeutendsten europäischen Grablegen wird derzeit umfassend saniert und neugestaltet. Über einen mit Spanplatten und Schutzfolien bedeckten Boden führt der Blick durch die Stäbe der bauzeitlichen Bronzegitter am Eingang der Hohenzollerngruft unter dem Berliner Dom. Zu sehen sind hier derzeit jedoch keine prunkvollen Sarkophage, sondern – gut ausgeleuchtet – Leitern, Abluftschläuche, Stützbalken und ein Radlader. In der ehemals Königlichen Gruft im Sockelgeschoss des Berliner Doms werden seit über einem Jahr umfangreiche Bau- und Sanierungsmaßnahmen vorgenommen, die eine Neukonzeption bei der musealen Vermittlung, neuer Klimatechnik sowie einen barrierefreien Zugang vorsehen. Dabei gilt es, die Würde des Ortes als Grablege zu bewahren und durch die Neukonzeption heutigen Besuchern die Möglichkeit der Einführung in die Thematik als Ruhestätte einer der wichtigsten europäischen Dynastien zu geben.

Bei einer Begehung der Baustelle ist davon bisher noch nicht viel zu erkennen, da die Gruft für die andauernden Arbeiten beräumt werden musste. Nur zahlreiche temporäre Öffnungen in den Decken, durch welche die Kanäle der neuen Klimatechnik in den Hohlraum zwischen Predigtkirche und der Grablege eingeführt werden, fallen sofort auf. Für die Sarkophage, die in Teilen seit 1994 und ab 1999 in Gänze durch Besucherinnen und Besucher besichtigt werden konnten, war es nicht der erste Umzug. Die Grablege der Hohenzollern befand sich seit 1535 in der zur Oberhof- und Domkirche umgestalteten Dominikanerklosterkirche auf der Schlossfreiheit, anschließend wurden sie in den durch König Friedrich II. nach Entwürfen von Knobelsdorf und Boumann d. Ä. zwischen 1747-1750 errichteten Vorgängerbau des heutigen Doms überführt. Noch vor dem Abriss der alten Domkirche wurden die Sarkophage 1892 in die Interimskirche am Monbijoupark überführt, wo so sie bis zur Fertigstellung des Neuen Doms am Lustgarten, der bis 1905 nach den Plänen von Julius Raschdorff errichtet wurde, verblieben.

Bis in die späten 1950er Jahre hinein wurde die Gruft von der Generalverwaltung des vormals regierenden Preußischen Königshauses verwaltet, Besucher konnten nach vorheriger Anmeldung die Begräbnisstätte besichtigen. Durch mehrmalige einschneidende Bombenschäden während des Zweiten Weltkriegs wurden auch einige der Sarkophage sehr stark beschädigt und teilweise geplündert. Die Pfarrgemeinde bemühte sich während der DDR-Zeit um die Restaurierung und Sicherung der Sarkophage, u. a. mit Geldern und Spenden aus dem damaligen Westdeutschland, teilweise mit Unterstützung des Hauses Hohenzollern. Eine Restaurierung der Sarkophage wurde in der Nachwendezeit mit finanzieller Unterstützung des Landesdenkmalamtes begonnen. Einige Bestattungen können aufgrund von Kriegseinwirkungen noch nicht abschließend zugeordnet werden. Es ist mit Hilfe des Hauses Hohenzollern geplant, durch Untersuchungen auch diese Wissenslücke zu schließen.

Voraussichtlich Ende 2023 soll es den Besucherinnen und Besuchern wieder möglich sein, die Hohenzollerngruft zu besichtigen, die unter finanziellem Einsatz des Berliner Doms und mit Fördermitteln des Landes Berlin und des Bundes saniert wird.