60 Jahre Neubau der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche



„Ohne den Turm könnte diese Kirche überall stehen, in Caracas oder Brasilia, mit dem alten Turm nur in Berlin“

Sie ist heute nicht nur ein Denkmal des zerstörten und wiederaufgebauten Berlins, sondern auch ein Symbol der Versöhnung mit der eigenen Geschichte – die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin. Am 19. Dezember wurde im Rahmen eines Festgottesdienstes der Neuweihe einer der symbolträchtigsten Kirchen Deutschlands vor sechzig Jahren gedacht.

Der pompöse Vorgängerbau, die im romanischen „Reichsstil“ zwischen 1891-1895 auf Veranlassung Kaiser Wilhelms II. für seinen Großvater Wilhelm I. errichtete Gedächtnisskirche war 1943 schwer beschädigt und 1956 teilweise abgerissen worden. Der ein Jahr später ausgelobte und von Egon Eiermann gewonnene Architektenwettbewerb sah zunächst auch den Abriss der alten Turmruine vor, was jedoch von Berliner Bürgern verhindert wurde. Der abgeänderte Entwurf sah schließlich den Erhalt des Turmes mit der Vorhalle, eine Art Ruhmestempel des Hauses Hohenzollern, einem neuen Kirchenbau in Form eines Oktogons, dem Turm sowie einem Gemeindezentrum vor. Eiermann platzierte alle baulichen Elemente auf einem erhöhten, mehrstufigen Plateau. Das Innere der Kirche lebt von dem intensiven blauen Licht, welches der französische Glaskünstler Gabriel Loire durch mehrheitlich blaue, zerschlagene Glassteine schuf, die er in Betongitter einfügte.

Das neue Glockenspiel wurde von dem zuvor in das Kuratorium der Stiftung Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche berufenen Dr. Louis Ferdinand Prinz von Preußen komponiert, der als Enkel des Stifters Wilhelms II. am Wiederaufbau der Kirche lebhaften Anteil genommen hatte. Nicht zuletzt in Erinnerung an dieses starke Engagement des Prinzen für den Wiederaufbau dieses auch unter familiengeschichtlichen Aspekten so wichtigen evangelischen Kirchenbaus, befindet sich seitdem in einem der Fenster das Monogramm von Prinzessin Kira Kirillowna, der Frau Prinz Louis Ferdinands.

Das die Kirche nicht nur Ort des friedlichen Gedenkens und des Gebets ist, hat die Terrortat vom 19. Dezember 2016 gezeigt, bei der 13 Menschen auf dem Weihnachtsmarkt vor der Kirche starben und weitere 67 Personen zum Teil schwer verletzt wurden. Trotz oder gerade wegen dieses Ereignisses in ihrer unmittelbaren Nähe, ist die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche heute nicht nur ein aktueller, sondern auch national bedeutsamer Gedenkort von großer Symbolkraft geworden.