Elektromobilität im Hause Hohenzollern



Mit dem Boot, per Fahrrad oder zu Fuß ist es möglich, die Plöner Prinzeninsel in der Holsteinischen Schweiz zu erkunden – und das seit kurzem auch mit einem elektrisch betriebenen Schuttle. Zur Beförderung von Gästen aber auch für den Transport von Waren für Restaurant und Café fährt ein Bringo LPM-8 lautlos und emissionsfrei über die idyllische Insel. Mittels der elektrischen Unterstützung lässt sich der Weg entlang der zwei Kilometer langen Insel somit auch bewältigen, wenn Sie nicht mehr so gut zu Fuß unterwegs sein sollten.

„Ich glaube an das Pferd, das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung“

ist ein angebliches Zitat, das Kaiser Wilhelm II. zugeschrieben wird. Tatsächlich gibt es hierfür keinen Beleg und es widerspricht auch der nachweislichen Technikbegeisterung des letzten Deutschen Kaisers. So hat gerade das Thema Elektromobilität eine lange Tradition im Hause Hohenzollern:

Bereits im Jahr 1906 verfügte Kaiser Wilhelm II. über ein Mercedes-Elektro-Automobil, welches mit zwei 8 PS-Motoren ausgestattet war und bis zu 40 km/h Höchstgeschwindigkeit erreichte. Auf der Internationalen Automobilausstellung im gleichen Jahr wurde es der Öffentlichkeit präsentiert und war eines von drei elektrisch betriebenen Fahrzeugen im Fuhrpark des Kaisers.

Der Kaiser erwarb nicht nur Fahrzeuge unterschiedlicher Antriebsarten, er zeigte zugleich offen seine Wertschätzung für die Automobilbranche bei Messebesuchen, im Rahmen einer Werksbesichtigung der Automobilfabrik NAG in Berlin Oberschöneweide 1905 und durch seine Unterstützung für organisierte Rennen, wie beispielsweise durch die Auslobung des Preises für die Fernfahrt Berlin-Paris im Jahr 1901. Dieses Rennen wurde erstmals in Kooperation zwischen dem Automobile Club de France und dem Deutschen Automobilclub (DAC) veranstaltet.

Am 22. August 1900 ist die erste Fahrt des Kaisers mit einem Auto während eines Besuchs des britischen Botschafters in Wilhelmshöhe überliefert und mit der Bestellung des ersten Automobils für den Königlichen Marstall 1903 war die Grundlage für einen stetig wachsenden Fuhrpark gelegt. Am 1. Juli 1904 wurde der Kaiser schließlich auch Ehrenmitglied des DAC, für den Wilhelm II. nur ein Jahr später das Protektorat übernahm, was schließlich zur Umbenennung in Kaiserlichen Automobilclub (KAC) führte.

Bis 1914, innerhalb von acht Jahren, wuchs der Automobilpark im Königlichen Marstall auf 30 Fahrzeuge an, darunter auch zwei Feldküchen. Auf die frühen Anschaffungen von Elektro-Automobilen folgten jedoch sehr bald ausschließlich Benziner, da diese eine größere Reichweite hatten, im Unterhalt günstiger waren und bei Verbrennungsmotoren größere Fortschritte in der Entwicklung erreicht wurden.

Bereits bei den elektrisch betriebenen Automobilen des Kaisers wurde darauf geachtet, dass diese den vermeintlichen ‚Originalen‘ mit Verbrennungsmotor ähnlich sahen – ein bis heute gängiges Muster im Design für E-Autos. Ebenso wurde Anfang des 20. Jahrhunderts öffentlich diskutiert, welche Antriebsart die bessere Alternative darstellen könnte. Dabei ging es, wie auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts, unter anderem um Reichweiten- und Kostenvorteile der unterschiedlichen Antriebsarten.