„Einer soll eine Laterne vorantragen…“ – 30 Jahre Überführung der Königssarkophage



Es handelte sich wohl um eine der umstrittensten geschichtspolitische Aktionen kurz nach der deutschen Wiedervereinigung. Die Särge König Friedrich Wilhelms I. und seines Sohnes Königs Friedrich II. wurden aus Baden-Württemberg nach Potsdam überführt. 80.000 Schaulustige und 300 Journalisten säumten am 17. August 1991 den letzten Weg der beiden Preußenkönige.

Eine hitzige Debatte vor allem unter Historikern um das Für und Wider war dem Staatsakt in Potsdam vorangegangen. Sebastian Haffner warnte sogar vor einer Inszenierung eines „neuen Tages von Potsdam“. Von der Teilnahme Bundeskanzler Helmuth Kohls an dem Ereignis sollte schließlich ein Zeichen der Versöhnung der Deutschen mit ihrer eigenen Geschichte ausgehen. Bereits zuvor hatte sich die DDR-Führung unter Erich Honecker um eine – letztendlich erfolglose – Überführung der Särge bemüht. Die Anwesenheit aller Waffengattungen der Bundeswehr stieß in Teilen der Bevölkerung auf Kritik, Gegendemonstranten bezeichneten die Aufbahrung und anschließende Beisetzung gar als „einen Mummenschanz“.

Mit der Beisetzung Friedrichs II. und seines Vaters endete auch eine fast vierzigjährige Odyssee ihrer sterblichen Überreste. Sie begann 1943 mit der Überführung der Särge aus der Gruft der Potsdamer Garnisonkirche in das Luftwaffenhauptquartier in Potsdam-Eiche, später wurden sie zusammen mit den Särgen Hindenburgs und seiner Frau in ein Salzbergwerk nach Bernterode verbracht. Nach der Besetzung Thüringens durch amerikanische Truppen wurden die Sarkophage geborgen, zunächst in das Staatsarchiv Marburg gebracht und schließlich in der dortigen Elisabethkirche beigesetzt.

Nachdem Prinz Louis Ferdinand 1951 Chef des Hauses Hohenzollern wurde, bemühte er sich letztendlich erfolgreich um die Überführung seiner Vorfahren auf die Burg Hohenzollern, nicht ohne auch auf dieses Provisorium aufmerksam zu machen. Verbunden mit dem Versprechen nach einer Wiedervereinigung Deutschlands die Leichname der Könige wieder in Potsdam beisetzen zu wollen, wurden die beiden Sarkophage hier seit dem 28. August 1952 zusammen mit den Fahnen Potsdamer Garderegimenter präsentiert.

Heute ruht der Soldatenkönig im Kaiser-Friedrich-Mausoleum nahe der Friedenskirche, während mit der Beisetzung Friedrichs II. auf der oberen Terrasse des Weinberges vor Schloss Sanssouci zusammen mit seinen Hunden, auch sein letzter Wunsch posthum erfüllt wurde.

Als Gruß an den Herrscher legen heute Besucher Kartoffeln auf seinem Grabstein nieder, um an eine wichtige Tat des Königs, die Kultivierung der Erdfrucht in Preußen zu erinnern.