Das Silber der Preußischen Städte und Provinzen von 1881 auf der Burg Hohenzollern



Das feuervergoldete Tafelsilber mit einem zugehörigen Glasservice war das Hochzeitsgeschenk der preußischen Städte („Städtesilber“) und Provinzen an den preußischen Prinzen Wilhelm, dem späteren Deutschen Kaiser und König von Preußen Wilhelm II. (1859-1941) und an seine Frau Prinzessin Auguste Viktoria zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg (1858-1921), am 27. Februar 1881. Zum Zeitpunkt der Hochzeit war das Service noch nicht fertiggestellt, vielmehr wurden dem jung vermählten Paar nur die vergoldeten Modelle präsentiert.

Das Service wurde bis zum Ende der Monarchie 1918 nur außerordentlich selten, bei Hochzeiten der Kinder des Kaiserpaares, Taufen, wichtigen Staatsbesuchen oder zu besonderen Anlässen, wie dem 200. Jahrestag der Gründung des preußischen Königreiches verwendet.

Die Gestaltung nach Entwürfen Adolf Heydens lehnt sich formal an die barocke Formensprache des frühen 18. Jahrhunderts an, lässt jedoch bereits den nur wenige Jahre später aufkommenden Jugendstil erahnen. Das gesamte Service war zunächst für 50 Personen bestimmt und umfasste ursprünglich über 800 Einzelteile. Die in Silber getriebenen, gegossenen, ziselierten und feuervergoldeten Teile wurden von den Firmen Daniel Vollgold & Sohn und Sy & Wagner zwischen 1881 und 1883 in Berlin gefertigt sowie in zwei großformatigen Prachtbänden publiziert. Die größten und prunkvollsten Tafelaufsätze, die Wilhelm II. nach seiner Abdankung nicht mit in sein holländisches Exil folgten, wurden in Folge des zweiten Weltkriegs zerstört.

Wir danken dem Museum Haus Doorn, der Exilresidenz Wilhelms II., für die großzügige Unterstützung und die Möglichkeit, den größten Teil der verbliebenen Stücke des Städtesilbers für fast ein Jahr im Grafensaal auf der Burg Hohenzollern zu präsentieren.