„… das Opfer, das Eure Majestät wieder der Kunst zuliebe bringen musste!“ (Müller-Ury an Wilhelm II.)



Das Geschenk eines Ehepaares aus der Nähe von New York an Georg Friedrich Prinz von Preußen stellt eine kleine Sensation dar.

Das Porträt Kaiser Wilhelms II. von der Hand des amerikanisch-schweizerischen Künstlers Adolfo Müller-Ury aus dem Jahr 1909 galt nämlich lange Zeit als verschollen.

Erhalten ist auch die im Potsdamer Neuen Palais während einiger Sitzungen angefertigte Vorstudie, welche sich heute im Besitz der Max-Planck-Gesellschaft (ehemals Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft) in Berlin befindet.

Das Bildnis zeigt den Kaiser in der Uniform des 1. Leib-Husaren-Regiments Nr. 1, dass seinerzeit in Danzig-Langfuhr (heute Polen) stationiert war. Seit 1911 diente auch der vormalige Deutsche und Preußische Kronprinz Wilhelm (1882-1951) in diesem Regiment. Es wurde von König Friedrich dem Großen errichtet. Auf Grund des markanten Mützenemblems gingen die Mitglieder des Regiments als „Totenkopfhusaren“ in die Geschichte ein. Die Uniform gehörte sicherlich zu den fantasievollsten ihrer Art innerhalb der preußischen Armee. Teile der Uniform Wilhelms II. haben sich in den Sammlungen des Hauses Hohenzollern und in Haus Doorn, dem Exilsitz des Kaisers, erhalten.

Der gebürtige Schweizer Müller-Ury erhielt seine Ausbildung in Stans, München, Rom und Paris, bevor er 1884 nach Amerika ging und schließlich zu einem Porträtisten der New Yorker High Society avancierte. Neben dem Bildnis Kaiser Wilhelms II. gehören zahlreiche Porträts amerikanischer Präsidenten zu seinen Hauptwerken.

Das Porträt erinnert auch an die deutsch-amerikanischen Beziehungen und vor allem an die große Deutsche Community in New York zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Im Stadtteil Manhattan befand sich „Little Germany“, der deutschsprachige Bezirk von New York. Unweit davon lag die Universität von Columbia, welcher 1911 der Eigentümer der deutschsprachigen Zeitung in New York, Herman Ridder, das Gemälde für die Ausstattung des „Deutschen Hauses“ stiftete.

Nach dem Eintritt der USA in den ersten Weltkrieg 1917 wurde das Porträt – Deutschland war nun Kriegsgegner – abgenommen und in das Depot der Universität verbannt, ein paar Jahre später sogar aus den Sammlungen ausgeschieden. 1962 befand es sich im Besitz des Restaurators und Sammlers Carlo Wilson Reffi, der es zuvor bei einem New Yorker Trödelhändler erworben hatte. Danach verlor sich seine Spur, bis vor einem Jahr die heutigen Eigentümer des Gemäldes an die Generalverwaltung herantraten, um es dem Prinzen von Preußen als Geschenk anzubieten. Das Ehepaar hatte das Porträt in den 1970er Jahren im Handel erworben. Nach seiner Restaurierung soll das Gemälde künftig auf der Burg Hohenzollern präsentiert werden.