Der SPIEGEL (Ausgabe 5/2020) u.a.

Verbindungen zur Sapt AG



Im Rahmen der öffentlichen Diskussion erreichten das Haus auch Anfragen bezüglich der Rolle der Familie bei Arisierungen im Dritten Reich. Zu diesen wurden folgende Informationen zusammengestellt.

Aus Akten des Hausarchivs der Hohenzollern geht hervor, dass eine Beteiligungsgesellschaft des letzten Deutschen Kaisers zwischenzeitlich Anteile an einem ehemals jüdischen Unternehmen gehalten hat.

Wilhelm II. war 1918 in das niederländische Exil gegangen. Aus seinen privaten Vermögenswerten entstand 1919 die sog. Iduna AG, die der Sicherung seines Unterhalts dienen sollte. Schatullverwalter für das Auslandsvermögen war zu dieser Zeit von Ulrich von Sell geleitet, der später auch zum Testamentsvollstrecker des Ex-Monarchen ernannt wurde.

Am 6. August 1940 – weniger als neun Monate vor dem Tod von Kaiser Wilhelm II. – erwarb die Iduna AG von der Schweizerischen Handelsgesellschaft ein Aktienpaket der Sapt AG im Wert von 2,65 Millionen Reichsmark.

Mehrheitseigner der Sapt AG war vor dem Verkauf an die Schweizerische Handelsgesellschaft die Firma W. Wolf & Söhne. Sie hatte ihren Firmensitz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in die Schweiz verlegt, um den Repressalien des NS-Regimes zu entgehen. Von Zürich aus wurde der Versuch unternommen, die sog. „Arisierung“ vor zu unterlaufen und das Vermögen in Form von Firmenneugründungen in Süddeutschland zu streuen. Das NS-Regime behinderte im Gegenzug Firmen mit jüdischen Eigentümern oder Geschäftsführern unter anderem dadurch, dass die Aufsichtsräte mit “Ariern“ besetzt wurden. Damit sollten strategische wichtige Entscheidungen verhindert und die Mehrheitseigner unter Druck gesetzt werden. Die wirtschaftlichen Repressalien minderten nicht nur den Umsatz und Gewinn der Firmen in erheblichem Maße, sondern sie führten auch zu einer deutlichen Wertminderung ihrer Aktien. So bestand am Ende häufig keine andere Wahl, als die Anteile der eigenen Firma unter ihrem tatsächlichen Wert zu verkaufen.

Die Iduna AG erwarb die ihr angebotenen 30 % der Aktien von der Schweizerischen Handelsgesellschaft zum Wert von umgerechnet 1,65 Millionen Schweizer Franken. Letztere hatte zuvor diesen Aktienanteil für 1,59 Millionen Schweizer Franken von der Verkäuferin, der Firma W. Wolf & Söhne, erworben. Es ist davon auszugehen, dass der Wert des Aktienpakets bedingt durch Sperrmarkkurse einen tatsächlich höheren Wert besaß. Wie der “Spiegel“ in seiner Ausgabe 5/2020 schreibt, hat der Kaiser wohl keine Kenntnis von den Hintergründen gehabt.

Erbe des Kaisers und damit der Iduna AG wurde dessen ältester Sohn, der ehemalige Kronprinz Wilhelm. Nach einer zwischenzeitlichen Aufstockung des Aktienpakets wurde 1943 ein Teil des Pakets wiederverkauft.

Durch das Militärregierungsgesetz Nr. 59 von 1947, dem sogenannten „Rückerstattungsgesetz“, wurde die zwischenzeitlich nach Amerika emigrierte Familie Wolf in die Lage versetzt, ihr unter dem Druck des NS-Regimes „arisiertes“ Vermögen zurückzuerlangen. Gegen die Berliner Handelsgesellschaft und in Folge gegen das Haus Hohenzollern wurde ein entsprechendes Verfahren in Hechingen und in Fürth eingeleitet.

Im Jahr 1954 kam es zu einem Vergleich, der die Rückabwicklung des Geschäfts vorsah. Neben der Berliner Handelsgesellschaft gab Prinz Louis Ferdinand von Preußen als Erbeserbe Kaiser Wilhelms II. das betroffene und von ihm verwaltete Aktienpaket mit einem nominellen Wert von 3,2 Millionen DM zurück. Im Gegenzug wurde dem Haus Hohenzollern 1 Million Schweizer Franken erstattet. Das entsprach dem Gegenwert des ursprünglichen Kaufpreises.

„Familie Wolf ist damals großes Unrecht widerfahren. Das bedaure ich zutiefst“, so Georg Friedrich Prinz von Preußen zu den historischen Erkenntnissen. „Dieses Beispiel ist für mich ein weiterer Anlass mich mit allen Facetten der Familiengeschichte auseinanderzusetzen.“