Georg Friedrich Prinz von Preußen zum Stand der zu regelnden Themenkomplexe

Private Kunstsammlung des Hauses Hohenzollern



Im vergangenen Jahr hatte der Chef des Hauses Hohenzollern, Georg Friedrich Prinz von Preußen, angekündigt, transparent über seine Gespräche mit staatlichen Stellen zur Zuordnung von Tausenden von Kunstwerken zu informieren.

Seit über 30 Jahren befindet sich das Haus Hohenzollern in Gesprächen mit Vertreterinnen und Vertretern der Bundesregierung, der Länder Berlin und Brandenburg sowie der staatlichen Kulturstiftungen, wie eine Vielzahl von Fragen abschließend geklärt werden kann. Dabei geht es um drei Themenkomplexe:

  • Komplex 1 – Private Dauerleihgaben: Kunstgegenstände aus der privaten Kunstsammlung von Dr. Louis Ferdinand Prinz von Preußen, dem Großvater von Prinz Georg Friedrich, und des früheren Hohenzollernmuseums die sich 1945 auf dem Gebiet der späteren Bundesrepublik und West-Berlins befunden hatten und nie enteignet wurden. Seit den 1950er Jahren hatte Prinz Louis Ferdinand wesentliche Teile dieser Sammlung staatlichen Museen im damaligen West-Berlin als Dauerleihgaben unentgeltlich überlassen. 1994 hatte Prinz Georg Friedrich nach dem Tod seines Großvaters dessen private Kunstsammlung übernommen und gehört heute selbst zu den großen privaten Leihgebern der staatlichen Schlösser und Museen in Berlin und Potsdam. Allerdings sind die Leihverträge inzwischen ausgelaufen und müssten dringend erneuert werden, falls die staatlichen Schlösser und Museen diese Leihgaben weiter ausstellen möchten. Prinz Georg Friedrich ist für eine Erneuerung der Leihverträge offen.
  • Komplex 2 – „Beutekunst“: Kunstwerke aus der privaten Sammlung des ExKronprinzen Wilhelm von Preußen (1882-1951), und aus den Sammlungen des früheren Hohenzollernmuseums, die bei bzw. nach Kriegsende ohne Enteignung als so genannte „Beutekunst“ in die Sowjetunion gebracht und erst später –hauptsächlich 1958 – an Kulturinstitutionen der DDR übergeben wurden. Ein Großteil dieser Gegenstände befindet sich heute in staatlichen Schlössern und Museen in Berlin und Brandenburg bzw. deren Depots. Für diese Gegenstände gilt nach Einschätzung von mit der Thematik befassten Juristinnen und Juristen das Entschädigungs- und Ausgleichsleistungsgesetz nicht. Das bedeutet: Für diesen Themenkomplex ist das Handeln des 1951 verstorbenen Ex-Kronprinzen rechtlich nicht relevant. Damit gehören diese Gegenstände aus rechtlicher Sicht bereits heute zur privaten Kunstsammlung von Prinz Georg Friedrich bzw. müssten nach dem Vermögensgesetz an diese zurück übertragen werden.
  • Komplex 3 – Entschädigungs- und Ausgleichsleistungsgesetz: Kunstgegenstände aus der der privaten Sammlung des Ex-Kronprinzen und aus den Sammlungendes früheren Hohenzollernmuseums, die überwiegend zwischen 1945 und 1948 in der damaligen Sowjetischen Besatzungszone ohne Gerichtsverfahren entschädigungslos enteignet wurden. Diese Gegenstände müssten laut Entschädigungs- und Ausgleichsleistungsgesetz an Prinz Georg Friedrich zurückgegeben werden, sofern seinem 1951 verstorbenen Urgroßvater Wilhelm Prinz von Preußen nicht nachgewiesen werden kann, dass er zu den wesentlichen Wegbereitern der NS-Herrschaft gehört hat.

Im Jahr 2014 hatte die damalige Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) vorgeschlagen, alle drei Themenkomplexe in außergerichtlichen Gesprächen gemeinsam zu regeln. Prinz Georg Friedrich hatte diesem Vorgehen zugestimmt und dazu eine Zwischenvereinbarung mit der staatlichen Seite abgeschlossen. Diese Zwischenvereinbarung bildet seitdem die Grundlage für alle Gespräche. Seit 2019 wurden keine wesentlichen Fortschritte mehr erzielt, da sich die staatliche Seite nicht auf eine gemeinsame Position zum Themenkomplex 3 (Entschädigungs- und Ausgleichsleistungsgesetz) verständigen konnte. Im April 2022 gelang es der neuen Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) eine Verständigung herbeizuführen. Demnach wird der Themenkomplex 3 ab sofort durch das Verwaltungsgericht Potsdam geklärt. Dazu Georg Friedrich Prinz von Preußen: „Ich bin Kulturstaatsministerin Claudia Roth sehr dankbar, dass es ihr gelungen ist, die Vielstimmigkeit der staatlichen Seite zu überwinden und Klarheit zu schaffen. Selbstverständlich respektiere ich die Entscheidung der staatlichen Seite, einen Teil der offenen Themen durch Gerichte klären zu lassen. Unabhängig davon, wie die Gerichte das politische Handeln meines 1951 verstorbenen Urgroßvaters bewerten werden, werde ich auch weiterhin die Erforschung und den Aufarbeitungsprozess unserer Familiengeschichte aktiv unterstützen – wie ich es übrigens auch in den vergangenen Jahren bereits getan habe.“

Zu klären ist nun, wie es mit den Themenkomplexen 1 (Private Dauerleihgaben) und 2 („Beutekunst“) weitergeht. Prinz Georg Friedrich hat Kulturstaatsministerin Roth gebeten, sich auch zu diesen Themenkomplexen für eine Klärung der Position der staatlichen Seite einzusetzen. „Mir geht es darum, die Kunstwerke aus den früheren königlichen Sammlungen dauerhaft für die Öffentlichkeit zu erhalten. Ich bin überzeugt, dass auf dem Gesprächsweg die beste Lösung für die staatlichen Schlösser und Museen und damit auch für alle kunstinteressierten Bürgerinnen und Bürger erzielt werden kann“, so der Chef des Hauses Hohenzollern.