Schreiben an den Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands e.V. vom 21. Dezember 2019

Historiker und Historikerinnen Deutschlands e.V.



Zu den öffentlich geäußerten Vorwürfen, das Haus Hohenzollern würde versuchen, wissenschaftliches Arbeiten zu verhindern, nimmt Rechtsanwalt Markus Hennig in einem Brief an den Verein „Historiker und Historikerinnen Deutschlands e.V.“ wie folgt Stellung:

 

Berlin, den 21. Dezember 2019

Sehr geehrte Damen und Herren,

durch eine Pressemeldung vom 14.12.2019 bin ich darauf aufmerksam geworden, der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands e.V. verurteile “nachdrücklich, dass die Hohenzollern mit rechtlichen Mitteln gegen Historiker vorgehen“.

Ich erlaube mir dazu die nachfolgenden Klarstellungen.

Die von Ihnen im Zusammenhang mit Ihrem Vorwurf genannten Historiker sind nicht in ihrer Eigenschaft als Historiker oder als Verfasser wissenschaftlicher Arbeiten in Anspruch genommen worden, sondern presserechtlich als Autoren von Presseartikeln. Dies erfolgte wiederum nicht etwa, weil sich ihre Artikel bzw. Interviews teilweise kritisch mit der historischen Rolle der Familie Hohenzollern im sogenannten Dritten Reich auseinandergesetzt haben, was juristisch auch nicht möglich ist, sondern weil mit falschen Tatsachenbehauptungen gearbeitet wurde, für die der Begriff „Desinformation“ zulässig erscheint.

So behauptete etwa Frau Dr. Urbach grundlagenlos im Rahmen eines Presseinterviews, dass “das Hausarchiv der Hohenzollern der Forschung nicht offen“ stehe und der “Nachlass des Kronprinzen überhaupt nicht einsehbar sei“. Die Familie Hohenzollern wolle “das Geschichtsbild kontrollieren und entscheiden … wer welche Dokumente sehen darf, was veröffentlicht wird und was nicht.“ Von diesen unwahren Behauptungen ausgehend verstieg sich Frau Dr. Urbach zu dem Urteil, das sei “klare Manipulation“ und mutmaßte, “Da wird ein Staatswesen – Preußen – noch über den Tod hinaus als Privatbesitz einer Familie betrachtet“. Das Ganze sei, so Frau Dr. Urbach, ein “Skandal“. Tatsächlich konnte Frau Dr. Urbach weder eine eigene Anfrage auf Zugang zum Hohenzollern-Archiv nachweisen noch entsprechende Beispiele anderer Historiker. Nach anwaltlicher Beratung hat Frau Dr. Urbach schriftlich bestätigt, diese Falschbehauptungen nicht zu wiederholen.

Ähnlich verhielt es sich im Fall von Herrn Dr. Malinowski, der sich – ebenfalls außerhalb einer wissenschaftlichen Argumentation – über Inhalt und Bedeutung der von meinen Mandanten geführten Verhandlungen mit Bund und Ländern äußerte. Offensichtlich konnte er sich nicht auf konkrete Fakten stützen, was er aber suggerierte. Über grobe Fehler seiner Behauptungen aufgeklärt, zeigte Herr Dr. Malinowski leider keine Bereitschaft, sich zu korrigieren.

Und soweit die eingangs meines Schreibens angesprochene Pressemeldung vom 14.12.2019 wörtlich „pikanterweise“ auch erwähnt, dass Herr Dr. Malinowski als Gutachter in der Sache fungiert, so darf ich es als „pikant“ bezeichnen, dass Dr. Malinowski für das von ihm erstellte Gutachten die Archive meiner Mandantschaft nicht bemüht hat. Frau Dr. Urbach jedenfalls hält sie für wesentlich und hat die angebliche Zugangsverweigerung zum Politikum erhoben.

Nach den Grundsätzen, die zumindest an gerichtlich bestellte Gutachter gelegt werden, hält sich ein Gutachter in einem laufenden Verwaltungsverfahren im Hinblick auf seine Ergebnisse gegenüber der Öffentlichkeit zurück, um eine rechtsstaatliche Entscheidung nicht vorverurteilend zu belasten. Andere hier tätige Gutachter haben diese Selbstverständlichkeit beachtet. Sie haben auch darauf verzichtet, diesen Fall für eigene publizistische Tätigkeiten auszunutzen.

Eine „Nutzung des Rechts bei der Abwehr historischer Erkenntnisbildung und -Verbreitung“ liegt nicht vor.

Dieser Vorwurf des VHD zielt ins Leere. Er ist abwegig, und, Sie erlauben mir dieses persönliche Urteil, intellektuell unredlich.

Es kann doch nicht ernsthaft zugelassen werden, dass unter angeblicher Inanspruchnahme der Wissenschaftsfreiheit objektiv falsche Tatsachen behauptet und verbreitet werden, die darüber hinaus geeignet sind, die legitimen Interessen und die Integrität anderer zu beschädigen.

Dazu liegen mir eine große Zahl eindeutiger rechtskräftiger gerichtlicher Entscheidungen vor, die der VHD sicherlich nicht in ihrer rechtsstaatlichen Begründung in Frage stellen möchte.

Ich bedaure sehr, dass diese Hintergründe der Öffentlichkeit offenbar noch nicht genügend bekannt sind. Unabhängig davon hätte mein Mandant es begrüßt, wenn der VHD im Sinne des wohl auf Seneca zurückgehenden Grundsatzes “audiatur et altera pars“ gehandelt hätte, um die nun im Raum stehenden Vorwürfe vorab auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen.

Gerne biete ich Ihnen an, sich zumindest künftig bei Unklarheiten zum Restitutionsverfahren oder sonstigen Fragen, die das Haus Hohenzollern betreffen, an mich zu wenden. Selbstverständlich stehe ich auch für ein persönliches Gespräch zur Verfügung.

Sollte das Thema auf dem Historikertag 2020 tatsächlich auf der Tagesordnung stehen, so würde ich mich freuen, so Sie mir als Gast ein Rederecht einräumten.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

 

Markus Hennig