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Die Kaiser-Friedrich-Kirche zu Golm

 
  Grosses Interesse brachten Kronprinz Friedrich Wilhelm (der spätere Kaiser Friedrich III.) und seine Gemahlin Victoria den Kirchen auf ihren Gütern und in der Umgebung von Potsdam entgegen. So erfolgte auf ihre Initiative die Umgestaltung der Kirchen zu Bornstedt und Eiche.

Von dem Vorhaben des Neubaus einer Kirche in der Gemeinde Golm hatte Kronprinz Friedrich Wilhelm Anfang der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts erfahren. Eine Anekdote berichtet von einer Trauung, die unter einem aufgespannten Regenschirm hatte stattfinden müssen, weil das Dach der ursprünglichen Golmer Kirche undicht war. Wahrscheinlicher ist, dass er durch verschiedene Besuche in Golm auf den schlechten Zustand der Kirche aufmerksam wurde. Aus Anlass der Silberhochzeit des Kronprinzenpaares im Jahr 1883 stellte der Vater des Kronprinzen, Kaiser Wilhelm I., erhebliche Mittel zum Bau einer neuen Kirche zur Verfügung.

Von Anfang an nahm das Kronprinzenpaar reges persönliches Interesse am Entstehen der Kirche. Der Bauplatz war von Kronprinzessin Victoria selbst bestimmt worden, die auch die ersten Bauskizzen des königlichen Bauinspektors Max Spitta maßgeblich beeinflusste. Die Bauleitung vor Ort wurde von Regierungsbaumeister Carl Scherler übernommen.

Mit den Erdarbeiten konnte am 18. August 1883 begonnen werden – am 9. September 1883 fand die feierliche Grundsteinlegung statt. Zu diesem Anlass war das Kronprinzenpaar mit seinen Töchtern Victoria, Sophie und Margarete anwesend sowie der Bruder der Kronprinzessin und Sohn Queen Victorias, Arthur Duke of Connaught mit seiner Frau, der preussischen Prinzessin Louise Margarete.

Bereits am 24. Juli 1886 (dem Geburtstag der ältesten Tochter des Kronprinzenpaares) konnte die neue Kirche, ein neugothischer Backsteinbau, ihrer Bestimmung übergeben werden. Das Mittelschiff setzt sich aus vier Kreuzgewölben zusammen, die Strebepfeiler sind nach innen gezogen, wobei die inneren Pfeiler eine an drei Seiten umlaufende Empore tragen. Im Altarraum befindet sich auf der westlichen Seite die „Kaiserloge“ („Herrschaftlicher Kirchenstuhl“), gegenüber die Sakristei. Das die Hochzeit von Kanaa darstellende Wandgemälde im Altarraum wurde von Professor Otto Knille entworfen und von seinen Schülern Otto Dannenberg und Georg Meyn ausgeführt. Manche glauben im Brautpaar eine Ähnlichkeit mit dem Kronprinzenpaar zu erkennen. Die meist buntfarbigen, leider verlorengegangenen Fenster zeigten Wappen alter Adelsgeschlechter aus dem Havelland. Bei der Innenausstattung der Kirche ist auch heute noch der Einfluß von Kronprinz Friedrich Wilhelm und seiner Gemahlin spürbar, so wurden beispielsweise die an den Wänden angebrachten Bibelsprüche von ihnen persönlich ausgewählt.

Die Kirche zu Golm war beliebtes Ziel zahlreicher Ausflüge der kaiserlichen Familie. Nach nur 99 Tagen Regierungszeit starb Kaiser Friedrich III. am 15. Juni 1888. Nur wenig später stiftete sein Sohn und Nachfolger Kaiser Wilhelm II. einen Kronleuchter aus Schmiedeeisen zu seinem Gedenken. Die Witwe, Kaiserin Friedrich, bat um die Anbringung einer Gedenktafel an ihren verstorbenen Mann. Von diesem Zeitpunkt an hat sich die Bezeichnung „Kaiser-Friedrich-Kirche“ bei der Golmer Dorfbevölkerung eingebürgert.

Im Jahr 1945 entstanden schwere Kriegsschäden an der Kirche, unter denen sie heute noch zu leiden hat. Besonders Turm und Turmreiter der Kirche wurden so in Mitleidenschaft gezogen, dass man in den Folgejahren die Spitze abnehmen musste. Mittlerweile sind die Schäden so gravierend, dass dringend Sanierungsarbeiten von Nöten sind.

Im Jahr 2002 wurde der Kirchbauverein Golm e.V. gegründet, der sich den Erhalt und die Sanierung der Kaiser-Friedrich-Kirche zum Ziel gesetzt hat. Zu den dringlichsten Aufgaben gehören die Instandsetzung des Kirchturms und die Wiedererrichtung des historischen Dachreiters. Um eine öffentliche Unterstützung durch das Land Brandenburg zu erfahren, ist die Kirchengemeinde gehalten, ein Drittel der Kosten selbst zu übernehmen. So ist der  Kirchbauverein Golm e.V. für jede Spende dankbar, die zum Erhalt einer der schönsten Dorfkirchen der Mark Brandenburg beiträgt.

Michaela Blankart

 
 
 
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Historische Ansicht der Kirche