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Die Grabungen am Grottenberg von Paretz - Fortsetzung

 
 
Der Tempel für Teure Verstorbene mit Blick nach Norden (1910); Foto Archiv des Vereins Historisches Paretz e. V.
Die Funde im Bereich der Grotte

In den Füllschichten der Grotte fanden sich sowohl Reste, die der Zeitschicht der Verfüllung zugesprochen werden können (Feinkeramik, Metallschrott und Glas) sowie abgebrochene Teile der Grotte selbst, allerdings auch Objekte, die früheren Bauphasen der Gesamtanlage am Grottenberg zugeordnet werden können.

Des Weiteren kamen Reste des Fußbodenbelags des Japanischen Pavillons zu Tage. Dieser war zu einem unbekannten Zeitpunkt, vermutlich Ende das 19. Jahrhunderts, erneuert und durch Villeroy & Boch-Fliesen ersetzt worden. Eine Fotoaufnahme um 1900 zeigt diesen Bodenbelag. Er setzte sich aus fünf verschiedenen Fliesenelementen in weiß, rot, schwarz und braun zusammen. Von allen konnten Fragmente geborgen werden. Zudem haben sich Teile des zugehörigen Fugenbetts erhalten. So kann das ursprüngliche Muster einwandfrei nachgewiesen werden. Das Fugenbett wurde wahrscheinlich direkt auf die Vorgängerfliesen gegossen. Von diesem haben sich einige Teile in Form von quadratischen roten Ziegelplatten von sehr weicher Qualität erhalten.

In der Verfüllung wurden ebenfalls gestempelte Ziegel der Königlichen Ziegelei Joachimsthal gefunden. Es handelt sich um hochwertige Hartbrandziegel sowie Formsteine. Die ursprüngliche Verwendung der Formsteine ist bislang ungeklärt. Die quadratischen Hartbrandziegel konnten zum Teil noch im Verband geborgen werden. Demnach handelte es sich um einen Fußbodenbelag. Sehr wahrscheinlich wurden die hochwertigen Ziegel aufgrund ihrer guten Eigenschaften und ihrer Beständigkeit im Außenbereich verbaut. Vielleicht war der Umgang um den Japanischen Pavillon mit dieser Art Bodenbelag ausgestattet.

Da die Königliche Ziegelei Joachimsthal erst ab 1817 schrittweise aufgebaut wurde, handelt es sich bei den Steinen, angenommen sie gehörten wirklich zu dem Gebäudetrio (Grotte, Pavillon und Tempel) am Grottenberg, in jedem Fall um eine spätere Zutat bzw. eine spätere Reparaturmaßnahme.

Es wäre denkbar, dass die zuvor erwähnten relativ weichen quadratischen Platten unter dem Villeroy & Boch-Fliesenspiegel in der ersten Bauphase sowohl im Innenraum des Pavillons als auch im Außenbereich verlegt waren und aufgrund ihrer minderen Qualität in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch geeigneteres Material ersetzt werden mussten.

 
Die Arbeiten am Tempel

Im Bereich des Tempels orientierte sich die Grabungsfläche nicht an den geophysikalischen Daten, sondern an sichtbaren Ziegelsteinen, die offenbar in einer Flucht ausgerichtet waren. Entlang von dieser wurde die Grasnarbe abgetragen. Schnell zeigte sich, dass die durch Frost beschädigten Ziegel zwar relativ lose, doch noch im ursprünglichen Mauerwerksverband lagen. Anhand von erhaltenen Fotografien aus dem 20. Jahrhundert konnte rasch geklärt werden, dass es sich wohl um die Rückwand der Fassade des Tempels handelte, die aus Ziegelmauerwerk bestand.

Nachdem die Grotte freigelegt worden war, wurden auch die Erdarbeiten am Tempel fortgesetzt. Als der Schnitt in Richtung Süden erweitert wurde, zeigte sich schnell, dass sich von der Steinarchitektur doch mehr erhalten hatte als zunächst gedacht. Beim sorgfältigen Abtrag des hier fundleeren Fllmaterials konnten die beiden Säulen gefunden werden. Die Fundsituation verriet, dass sich diese noch am ursprünglichen Aufstellungsort vor der Ziegelfassade befanden. Vor dieser fanden sich kurz darauf verstürzt, auf der ursprünglichen Schauseite liegend, die drei Teile des Dreiecksgiebels und die beiden Teile des Architravs. Anhand der Lage der Bauteile konnte der Ablauf des Abbruchs recht gut nachvollzogen werden. Demnach war zunchst vor der Tempelfassade, zwischen den einfassenden Natursteinwangen, Sand aufgeschüttet worden und im Anschluss die schweren Sandsteinarchitekturteile von der Hügelkuppe aus hinabgestürzt worden. Durch die weiche Bettung in Sand waren die Teile beim Abbruch offenbar kaum beschädigt worden.

Die Gestaltung der Wangen im Westen und Osten der Fassade erinnerte ursprünglich an eine scheinbar natürliche Felsenlandschaft und sollte wohl den Eindruck einer versunkenen, alten Tempelruine verstärken. Die dort verbauten Sandsteine waren dementsprechend unregelmäßig behauen und die Oberflächen durch eine grobe Pickung oder tiefe Furchen strukturiert. Ob die Erbauer ein bestimmtes Vorbild aus der Antike im Sinn hatten als sie den Felsentempel schufen, muss bei einer noch ausstehenden, vertiefenden Betrachtung noch geklärt werden. Die Treppe in der südlichen Wange, die ursprünglich auf den Hügel führte, konnte aufgrund eines wild aufgewachsenen Baums und der starken Beschädigung bislang nicht freigelegt werden.

Einige Charakteristika an den Architekturteilen, besonders an den beiden Architravblöcken, lassen vermuten, dass zumindest einige Teile hier in einer Dritt- oder sogar Viertverwendung verbaut waren. Sicher ist, dass sie nicht eigens für den Tempel für Teure Verstorbene hergestellt wurden, da schon auf historischen Aufnahmen deutlich zu erkennen ist, dass die Steine nicht auf Stoß aufeinander sitzen und die dadurch entstandenen Fehlstellen mit Ergänzungen überbrückt werden mussten. Miteinander bzw. mit den Ergänzungen verbunden waren die Blöcke durch Bleistege, die zum Teil noch geborgen werden konnten. Bislang unklar ist, ob die Giebelteile und der Architrav ursprünglich für denselben Bau hergestellt wurden und auch die Herkunft des Steins bleibt noch zu klären.


Der Tempel für Teure Verstorbene mit Blick nach Norden nach Beendigung der Ausgrabung (Oktober 2013); Foto: Daniela Sigl, SPSG
Die Funde am Tempel und das Plastikzeitalter

Das Füllmaterial aus Sand sowohl oberhalb als auch unterhalb der Architekturelemente war annähernd fundleer und unterschied sich stark von dem Material, das in die Grotte eingebracht worden war. Demnach war auch aufgrund von fehlenden Augenzeugenberichten zunächst nicht eindeutig geklärt, ob Grotte und Tempel zur selben Zeit zugeschüttet worden waren. Es wurde die Vermutung geäußert, dass der Tempel schon deutlich früher, kurz nach 1945, abgebrochen worden sei.

Ein reichlich ungewöhnliches Fundstück im Bereich der Tempelsohle lieferte den entscheidenden Hinweis. Ein brauner Messlöffel aus Hartplastik mit der Aufschrift ’Kälpan’ wurde im Sand unter den Architekturteilen gefunden. Nachforschungen ergaben, dass ’Kälpan’ ein eiweißreicher Futtermittelzusatz für die Kälberzucht war, der vor allem zwischen 1958 und 1965 eingesetzt wurde. Das Fundstück lieferte damit einen wertvollen terminus post quem und steht zeitgleich für den Beginn einer neuen Phase der Archäologie, denn in Zukunft werden Archäologen Befunde nicht mehr alleine durch Münzen, Inschriftensteine, Keramik und dergleichen datieren, sondern auch durch erhaltene Plastikgegenstände.

Sehr wahrscheinlich wurde der Tempel zusammen mit der Grotte 1962 zugeschüttet.

Besonders überraschend war der Fund von Teilen einer Tafel aus schwarzem Marmor. Diese wurden unmittelbar vor der Ziegelfassade, im Bereich des ursprünglichen Fubodenniveaus, gefunden. Neben einigen kleineren Fragmenten haben sich vor allem Randstücke der mit Spiegel versehenen Platte erhalten. Spuren auf den Resten geben Anlass zur Vermutung, dass das Zentrum der Steintafel mutwillig beschlagen bzw. zerstört wurde. Wahrscheinlich hing die Tafel ursprünglich im Zentrum des Giebels und trug eine wohl in Goldschrift aufgemalte Inschrift. Von dieser konnten bislang keine Spuren nachgewiesen werden.

Ähnlich starke Beschädigungen finden sich auch an der Ziegelmauer der Fassade und dem obersten Stück des Dreiecksgiebels, letzterer ist stark beschlagen. Vermutlich kann dies nicht auf die Abbruchmaßnahme, sondern auf Vandalismus in den Jahrzehnten vor der Zuschüttung zurückgeführt werden.

Die Ziegelmauer weist ein großes Loch auf, woher dieses stammt ist unklar. Bislang gibt es drei Erklärungsversuche. Zum ersten könnte die Fehlstelle während dem Abbruch herbeigeführt worden sein, zum zweiten könnte Ziegeldiebstal in den Folgejahren des Krieges eine Erklärung liefern und zum dritten könnte es gezielter Vandalismus sein. Beim Versunken Tempel handelt es sich um ein reines Epitaph. Vielleicht wurde aber in den Zeiten der Unruhe, z.B. nach 1945, die Mauer aufgebrochen, um nach in der Regel reich ausgestatteten Adelsbestattungen oder anderen verborgenen Schätzen zu suchen. Das Aufbrechen von Adelsbestattungen war in dieser Zeit üblich. Die Leute hofften dabei auf reiche Grabbeigaben (Schmuck, Waffen etc.) zu stoßen. Da es sich bei der Tempelruine aber um kein Grab handelt, sondern lediglich einen Gedächtnisort, gaben die vermeintlichen Grabräuber vermutlich auf, als sie das Mauerwerk an einer Stelle durchstoßen hatten und auf keine Kammer, sondern die Erde des Hügels gestoßen waren, der nach der Errichtung der Gebäude künstlich aufgeschüttet worden war.


Schlussbetrachtung 

Die Menge und vor allem die Qualität der Funde und Befunde war für alle Beteiligten eine große Überraschung und stellt für Paretz einen großen Glücksfall dar. Gartenarchitekturen des 18. und 19. Jahrhunderts waren nicht immer für die Ewigkeit gemacht und wurden schon in den folgenden Generationen nach ihrer Errichtung wieder abgetragen oder umgestaltet. Die Bauten am Grottenberg haben sich wahrscheinlich nicht zuletzt wegen ihrer Bedeutung für das Haus Hohenzollern und dem Kult um Königin Luise, der Abgeschiedenheit von Paretz, aber auch der gewissenhaften Zuschüttung in den 1960er Jahren so gut erhalten. Verborgen im Hügel haben sie den Unbillen der Zeit und Natur getrotzt.

Es hat sich damit ein wahrer Schatz, ein Kleinod der Gartenkunst, in großen Teilen erhalten - ein wichtiges Zeugnis der Zeit um 1800 bis in die Gegenwart.

 

Abbildung 3:
Der Tempel für Teure Verstorbene mit Blick nach Norden (1910).
Fotograf unbekannt; Archiv des Vereins Historisches Paretz e. V.

Abbildung 4:
Der Tempel für Teure Verstorbenemit Blick nach Norden nach Beendigung der Ausgrabungen (Oktober 2013);
Foto von Daniela Sigl, SPSG
 
 
 
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