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Königin Luise und Elisabeth Vigée-Le Brun – Geschichte eines Porträts

 
 
Elisabeth Vigée-Le Brun: Porträt der Königin Luise, 1802 (Burg Hohenzollern)
Unter den zahlreichen Bildnissen der Königin Luise von Preussen (1776-1810) nimmt das 1802 von der Französin Elisabeth Vigée-Le Brun (1755-1842) geschaffene Porträt eine Sonderstellung ein. In ihren Memoiren erinnert sich die Künstlerin an ihre erste Begegnung mit der Monarchin, die sie nach Jahren des in Folge der französischen Revolution in Italien, Österreich und Russland verbrachten Exils auf der Rückreise nach Paris im Juli 1801 persönlich kennen lernte:

„Drei Tage der Ruhe genügten mir, um mich von meinen Reisestrapazen zu erholen, ich fühlte mich schon sehr viel wohler, als die Königin von Preußen, die damals nicht in Berlin weilte, die Güte hatte, mir sagen zu lassen, ich möchte sie in Potsdam aufsuchen, da sie wünsche, von mir gemalt zu werden. Ich reiste dahin; aber nun fühle ich, dass meine Feder nicht imstande ist, den Eindruck zu schildern, den diese Fürstin auf mich machte, als ich sie das erste Mal sah. Der Zauber ihres himmlischen Gesichts, das Wohlwollen und Güte ausdrückte, die so zarten und regelmäßigen Züge, die Schönheit ihrer Gestalt, ihres Halses, ihrer Arme, die blendende Frischer ihrer Hautfarbe, mit einem Wort, alles an ihr übertrifft noch das Zauberhafteste, was man sich denken kann“.


Elisabeth Vigée-Le Brun: Selbstporträt mit Strohhut, Öl/Lwd., nach 1782 (The National Gallery, London)
Die vor allem als Porträtistin der internationalen Damenwelt gefeierte Malerin fertigte bei dieser Gelegenheit zwei Pastellskizzen an, die sie im folgenden Jahr zu einer Fassung in Öl ausarbeitete. Auf ihr erscheint die damals 25jährige Königin beinahe noch jugendlich-mädchenhafter. Sie trägt ein der damaligen Mode entsprechend hochgeschnürtes Kleid mit roter Tunika und goldenen Borten. Um ihr lockiges Haar ist ein langer Schleier gebunden, darauf sitzt ein antikisierendes Diadem, in dessen Mitte ein Porträt ihres Gemahls König Friedrich Wilhelm III. (1770-1840) erscheint. Um ihren Hals trägt sie eine Kette mit den so genannten „Oranischen Perlen“ aus dem hohenzollerischen Hausschatz, die zu ihrem Lieblingsschmuck gehörte. Mit großen Augen blickt sie dem Betrachter in einer Linkswendung des Kopfes anmutig und lächelnd entgegen.

In seiner Natürlichkeit und Frische zählt das Porträt zu den künstlerisch bemerkenswertesten  Darstellungen der populären Monarchin. Entgegen einer verschiedentlich geäußerten Annahme befand es sich stets im Besitz des Hauses Hohenzollern und wurde u.a. im Schreibzimmer der Kaiserin Auguste Viktoria im Berliner Stadtschloss, später im Wohnzimmer Kaiser Wilhelms II. in Huis Doorn sowie in verschiedenen privaten Wohnsitzen der Familie aufbewahrt. Seit 1997 wird es auf der Burg Hohenzollern öffentlich präsentiert. Von April 2005 bis Januar 2006 ist es in einer Ausstellung über Meisterwerke französischer Malerei in deutschen Sammlungen zunächst in Paris und danach in München zu sehen.



Ulrich Feldhahn
 
 
 
© 2005 Haus Hohenzollern
 
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