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Königin Elisabeth (Fortsetzung)

 
  Elisabeth sollte von Anbeginn die Rolle der ersten Dame am preussischen Hof übernehmen. Ihr Schwiegervater Friedrich Wilhelm III. hatte nach dem frühen Tod der unvergessenen Königin Luise zwar 1824 wieder geheiratet: Seine zweite Gemahlin, Auguste Fürstin von Liegnitz, war ihm jedoch nur morganatisch, d. h. als nicht ebenbürtig, verbunden worden und hatte nie die Stellung einer Königin inne.

Elisabeth erfüllte die Aufgaben im Familienkreis gewissenhaft und mit äußerstem Takt, ihr ruhiges und verbindliches Wesen wirkte ausgleichend auf die unterschiedlichen Temperamente der einzelnen Verwandten. Ihre all zu große Zurückhaltung in der Öffentlichkeit führte  jedoch dazu, dass sie weder besonders beliebt noch populär war. Ihr labiler Gesundheitszustand - immer wieder wurde sie von schweren Erkältungen geplagt - zwang sie zu häufigen Kuren in Bad Ems oder Bad Ischl. Oft  besuchte  sie ihre Familie in Tegernsee oder weilte bei der geliebten Schwester in Dresden. Eine leichte Gehbehinderung - ein angeborener Hüftfehler - wusste sie geschickt zu verbergen; trotzdem wirkte sie neben dem kontaktfreudigen Kronprinzen eher stolz und unnahbar.

Den Sommer pflegte das Kronprinzenpaar in Potsdam zu verbringen, 1825 schenkte ihnen der König den von Schinkel entworfenen “Charlottenhof”, der zum Lieblingsaufenthalt Elises wurde.  Um ihre Sehnsucht nach der bayerischen Heimat zu mildern, überraschte sie ihr Gemahl 1847 mit einer Berghütte im alpenländischen Landhausstil, die er im nahegelegenen Wildpark errichten ließ. Trost und Hilfe in schwierigen Lebenslagen fand sie weiterhin in der Religion. Auch nachdem sie am 5. Mai 1830 zur Freude des Königs ihre Konversion vollzogen hatte, wurde ihr immer wieder nachgesagt, sie sei heimlich Katholikin geblieben und beeinflusse ihren Gemahl in dieser Richtung. Gerüchte, die der Wahrheit völlig entbehrten.  Großen Kummer bereitete ihr sicher ihre Kinderlosigkeit. Ersatz schien sie im sozialen Engagement und in der Fürsorge um Waisen- und Armenkinder zu finden, einer Aufgabe, der sie sich besonders seit 1840 als Königin widmete. Politisch setzte sie sich für die Erhaltung der engen Freundschaft zwischen Preußen und Österreich ein. Während der Revolution von 1848/1849 begann sie, auf den König im Sinne der konservativen Gruppierung um die Brüder Gerlach einzuwirken, da sie jede Minderung der königlichen Autorität ablehnte.  Dies führte auch dazu, daß sie ab 1856 während der schweren Krankheit Friedrich Wilhelms, in der sie ihm beistand und mit Liebe und Geduld pflegte, ihren Einfluss geltend machte, um den Fortbestand des Königtums durch die Regentschaft ihres Schwagers Wilhelm, des Prinzen von Preußen und späteren ersten deutschen Kaisers, zu sichern.

Nach dessen Regierungsübernahme 1858 reiste sie mit ihrem todkranken Gemahl nach Italien, seinen Wunsch erfüllend, Silvester und Neujahr in Rom zu erleben und den Papst zu sprechen. Seit dem Sommer 1859 lebten sie in Potsdam, am 2. Januar 1861 starb der König. Nach seinem Tod wohnte sie zurückgezogen im Schloss Sanssouci; die Wintermonate hielt sie sich regelmäßig in Charlottenburg auf, das sich während der Revolution von 1848 im Gegensatz zu Berlin als königstreu erwiesen hatte.  Auch  das geliebte Schloss Stolzenfels bei Koblenz wurde von ihr noch einige Male aufgesucht. Vor allem widmete sie sich jedoch der Wohlfahrtspflege und sorgte sich um ihr Gardegrenadier-Regiment Nr. 3, dessen Chef sie war. Während des Besuchs bei ihrer kürzlich verwitweten Schwester Amalie starb sie in Dresden am 14. Dezember 1873.  Beigesetzt wurde sie neben ihrem Gemahl in der Gruft der Potsdamer Friedenskirche in Sanssouci.

Rudolf G. Scharmann
 
 
 
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Joseph Stieler, Königin Elisabeth von Preussen, nach 1843