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Prinz Louis Ferdinand von Preussen

 
 
* 18.10.1772 Schloss Friedrichsfelde bei Berlin
† 10.10.1806 Schlacht bei Saalfeld
Begräbnisstätte: Dom zu Berlin

„Er war ein Herr, wie wohl, seit die Welt sich so ganz ins Flache gewandt hat, keiner wieder geboren wird. Er war groß, schön wie Apollo, geschickt in allen Leibesübungen, ein gewandter Reiter, einer der gefürchtetsten Schläger im Fechten, dabei so außerordentlich stark, dass ich gesehen habe, wie er drei Finger in die Läufe von drei Infanteriemusketen steckte und sie so mit einem Male aufhob. Wenn er erschien in der sehr schönen und prächtigen Uniform seines Regimentes, sei es zu Fuß, sei es zu Pferde – und nie auf einem anderen als dem allerschönsten –, so war es nicht anders, als wenn der vornehmste Herr in der Welt, der schönste und der Kriegsgott selbst sich sehen ließ. Bei allen diesen Eigenschaften war es kein Wunder, dass er der Liebling aller Frauen war, was er gehörig zu benutzen verstand“.

Mit diesen Worten schwärmte der General Friedrich August Ludwig von der Marwitz von Prinz Louis Ferdinand von Preussen. Er war mit diesem überschwänglichen Lob nicht allein. Ludwig van Beethoven lobte die menschlichen und musikalischen Qualitäten des Prinzen, in den Berliner Salons seiner Zeit war er der strahlende Mittelpunkt. „Blauäugig, blond verwegen, und in der jungen Hand den alten Preussendegen“ – so dichtete Theodor Fontane.

Geboren wurde Prinz Louis Ferdinand am 18. November 1772 als Sohn des Prinzen Ferdinand von Preussen, des jüngsten Bruders Friedrichs des Großen, und dessen Gemahlin Markgräfin Anna Elisabeth Luise von Brandenburg-Schwedt. Zu seinen Eltern konnte der Prinz nie ein herzliches Verhältnis entwickeln, um so enger schloss er sich an seine Schwester Luise an, die später den Fürsten Anton Radziwill geheiratet hat. Schon über den jungen Louis Ferdinand wurden zahlreiche Anekdoten erzählt. Stimmt auch nur die Hälfte davon, so muss dieser seiner Umgebung wie ein wahrer Sonnenschein vorgekommen sein. Wild und übermütig, aber gesegnet mit einem guten Herzen. Armen Soldatenfrauen steckte er Geld zu, die Wachen versorgte er mit einem warmen Essen aus der Schlossküche. Die Eltern standen dieser Wesensart Louis Ferdinands verständnislos gegenüber und versuchten dem entgegenzuwirken, in dem sie ihn finanziell äußerst knapp hielten. Dies führte dazu, dass schon der Jugendliche damit begann, Schulden zu machen.

Von 1792 an nahm Louis Ferdinand als Oberst am Ersten Koalitionskrieg gegen das revolutionäre Frankreich teil. Wie es seinem Wesen entsprach, stürmte er meist voran, in der Hoffnung möglichst bald militärische Lorbeeren zu ernten. Als Sohn eines nachgeborenen Prinzen bot ihm einzig die Armee die Chance, die Anerkennung zu bekommen, die ihm auch seiner eigenen Meinung nach zustand. Früh kritisierte er die hinhaltende und zögerliche Kriegführung der Alliierten und befürwortete ein offensiveres und mutigeres Vorgehen.

Heftig bekämpfte der Prinz den Basler Frieden von 1795, mit dem Preussen aus der Koalition gegen Frankreich ausscherte. Preussen hatte damit, so sah es Louis Ferdinand, nicht nur seine Bündnispartner im Stich gelassen, sondern die nationale Sache verraten: „Dieser unglückselige Friede, der die Prinzipien allen Unglücks enthält, das uns bevorsteht, verursacht im Reich eine nur allzu begründete Erbitterung gegen den Hof von Berlin, über die perfide Preisgabe Deutschlands.“ Mit seiner offen vorgetragenen Kritik verärgerte der Prinz König Friedrich Wilhelm II. erheblich. Persönliche Differenzen kamen hinzu, als Louis Ferdinand sich den beiden Schwiegertöchtern des Königs, der späteren Königin Luise und deren Schwester Friederike anzunähern versuchte.

Zwar übertrug ihm König Friedrich Wilhelm II. im Februar 1795 ein in Magdeburg stationiertes Infanterieregiment, doch Louis Ferdinand empfand dies – nicht zu Unrecht – als Abschiebung in die Provinz. Zunehmend verbittert, flüchtete er sich in Alkohol und Liebesaffären. Erst als er im Jahr 1800 die aus einer Magdeburger Beamtenfamilie stammende Henriette Fromme kennenlernte, kehrte etwas Ruhe in sein Leben ein. Aus dieser Partnerschaft gingen zwei Kinder hervor: Anton Albert Heinrich Ludwig, der wie sein Vater Louis oder Loulou gerufen wurde, und Blanche, der Louis Ferdinand den Kosenamen „Cocotte“ gab. Sie erhielten später von König Friedrich Wilhelm III. den Namen „von Wildenbruch“ zuerkannt.

Während seiner Aufenthalte in Berlin verkehrte Louis Ferdinand jetzt in den geistreichen Salons der Zeit, allen voran in jenem von Rahel Levin. Es waren Momente des Glücks, die der Prinz dort erlebte. Niemand sprach ihn auf seine Schulden an, die mittlerweile in unermessliche Höhen gestiegen waren. Niemand störte sich daran, wenn er offen sagte, was er dachte. Seine musikalischen Fähigkeiten wurden bewundert, an diesen Abenden bekam er jene Zuneigung, die er so oft vermisste. Dem Einfluss seines Freundes, des Komponisten Johann Ludwig Dussek, ist es zuzuschreiben, dass der Prinz nun auch selbst ernsthaft zu komponieren begann, zuvor war er vor allem als Klaviervirtuose bewundert worden. 1803 erschien sein Erstlingswerk, ein Quintett für Klavier, zwei Violinen, Viola und Violoncello.

Turbulenzen gab es aber schon bald wieder in seinem Privatleben: Er verliebte sich in Pauline Wiesel, die von ihrem Mann, dem Kriegsrat Wiesel, getrennt lebte und wie Louis Ferdinand in den Berliner Salons zuhause war. Sie wurde zur großen Liebe seines Lebens, zahlreiche leidenschaftliche Briefe legen davon Zeugnis ab.

Auf politischem Gebiet drängte er weiter auf ein entschiedeneres Vorgehen gegen Frankreich. Die Neutralitätspolitik Friedrich Wilhelms III. und seiner Minister war ihm ein Greuel. Aus seiner Sicht war Napoleon nur mit militärischen Mitteln zu stoppen. Im August 1806 initiierte der Prinz daher eine Denkschrift, in der die Entlassung der Kabinettsregierung des Königs gefordert wurde – ein einmaliger Vorgang in der preußischen Geschichte. Als es im Herbst 1806 tatsächlich zum Krieg gegen Frankreich kam, hoffte Louis Ferdinand zwar, man werde die Franzosen durch eine unerwartete Offensive überraschen können, doch zugleich schrieb er voller Pessimismus an die Königin Luise: „Ich werde mein Blut für den König und für mein Vaterland vergießen, ohne jedoch einen Augenblick zu hoffen, es zu retten.“

Prinz Louis Ferdinand führte in dem beginnenden Feldzug die Avantgarde der Armee Hohenlohe. Am 10. Oktober 1806 griff er trotz ungünstiger Ausgangslage an. Doch der Angriff brach unter hohen Verlusten zusammen. Der Aufforderung eines französischen Husaren, sich zu ergeben, widersetzte er sich – und wurde augenscheinlich von diesem getötet.

Größe zeigte der von Louis Ferdinand so gehasste Napoleon. Als er vom Tod des Prinzen erfuhr, teilte er in einem offiziellen Bulletin mit: „Als der Prinz Louis von Preussen, als ein tapferer und rechtschaffener Soldat, die Unordnung seiner Leute gewahr wurde, ließ er sich in ein persönliches Gefecht mit einem Quartiermeister des 10. Husarenregiments ein... Wenn er auch in der letzten Zeit seines Lebens nicht der beste Bürger war, so ist doch sein Ende glorreich und verdient, beklagt zu werden. Er ist gestorben, wie jeder gute Soldat wünschen sollte, zu sterben.“

In der auf Saalfeld folgenden Schlacht von Jena und Auerstedt erlitt die preußische Armee eine verheerende Niederlage – das Land lag am Boden, war demoralisiert und Napoleon ausgeliefert. Vor allem vielen jüngeren Offizieren galt Louis Ferdinand in dieser Zeit als Vorkämpfer der Befreiung, als stürmischer Held in einer Welt des Mittelmaßes. Der unglückliche Mensch Louis Ferdinand trat demgegenüber in den Hintergrund. Über ihn schrieb seine Geliebte Pauline Wiesel 1811 in einem Brief an Rahel Levin: „Was ist der Mensch? Wie wenig, wie unbedeutend in der Welt, und wie vieler Empfindung fähig... Warum stirbt man nicht mit der Liebe – Louis ist wirklich mit der größten Liebe im Herzen gestorben... Glücklich wäre er nie geworden, nie. Es fehlte ihm an Ruhe. Keiner Ruhe war er fähig...“

Uwe A. Oster
 
 
 
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Jean Laurent Mosnier, Prinz Louis Ferdinand von Preussen, 1799