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Today Family History
 
 

August FERDINAND Prinz von Preussen

 
 
* 23.5.1730 in Berlin
† 2.5.1813 in Berlin
Begräbnisstätte: Dom zu Berlin

Vermählt am 27.9.1755 mit Luise, Tochter des Markgrafen Friedrich Wilhelm von Brandenburg-Schwedt

7 Kinder





Prinz (August) Ferdinand von Preussen wurde am 25. Mai 1730 als jüngstes Kind des „Soldatenkönigs“ Friedrich Wilhelm I. und seiner Gemahlin, der Königin Sophie Dorothea, in Berlin geboren. Der Altersunterschied zu den älteren Geschwistern war enorm: Die spätere Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth war 21 Jahre älter, der Kronprinz und spätere König Friedrich der Große 18 Jahre. So wird verständlich, dass sich Ferdinand mehr zu seinen jüngeren Brüdern August Wilhelm und Heinrich hingezogen fühlte.

Vor allem, als Ferdinands ältester Bruder Friedrich 1740 den Thron bestieg, änderte sich das Verhältnis grundsätzlich – der Bruder war nun der absolute Monarch, dem es sich unterzuordnen galt. Friedrich hat dies seinen Brüdern recht deutlich klar gemacht. Die „Prinzen von Geblüt“ müssten energisch in ihre Schranken gewiesen und von den Staatsgeschäften ferngehalten werden. Anders als August Wilhelm, der Thronfolger des kinderlosen Königs, stand Ferdinand nie im Rampenlicht. Und anders als Prinz Heinrich fand sich Ferdinand zumindest äußerlich mit der Unterordnung unter den königlichen Bruder ab. Zwar sind auch von ihm einige abfällige Äußerungen über Friedrich bekannt („Schurke“, „Tyrann“), doch nie hat Ferdinand so offen Kritik gegen diesen geäußert wie Heinrich.

Seit 1758 lebte Ferdinand weitgehend das Leben eines Privatiers. Ob er den aktiven Dienst damals tatsächlich nur wegen seines „Brustleidens“ quittiert hatte, oder – wie seine Tochter Luise meinte – weil er darüber hinaus mit dem Vorgehen des Königs nicht einverstanden gewesen sei, mag dahingestellt bleiben. Fakt ist: Als Friedrich der Große im Juli 1757 seinen nächstälteren, zum Thronfolger ausersehenen Bruder August Wilhelm als militärischen Versager abstempelte und öffentlich bloßstellte, hat dies nicht nur den Prinzen Heinrich tief verletzt und gegen Friedrich aufgebracht, sondern auch Ferdinand. Stets stand er Heinrichs Einschätzungen der politischen und militärischen Lage näher als jener des Königs. Und bis zu Heinrichs Tod blieb Ferdinand diesem besonders eng verbunden.

Doch nur weil er kein Genie war wie Friedrich der Große und keine so brillante Persönlichkeit wie Prinz Heinrich, sollte man nicht in den Fehler verfallen, Ferdinand als gänzlich unfähige, unter der Fuchtel seiner Frau stehende Witzfigur abzutun, wie dies bisweilen geschehen ist. Ferdinand war bieder, ein wenig hausbacken, ohne großen Drang nach Ruhm. „Er besitzt viel Talent, ist leutselig und bieder“, so urteilte der Kammerherr der Königin Elisabeth Christine, Graf Lehndorff, über Ferdinand. Und ein Satz Ferdinands, aus einem Brief an Lehndorff, mag noch heute Anlass zum Nachdenken sein: „Die beste Politik der Fürsten ist die, sich beliebt zu machen. Wenn dieser Grundsatz zu jeder Zeit befolgt (worden) wäre, bin ich sicher, dass dann weniger Blut vergossen (worden) wäre.“

Doch trotz dieses fast pazifistisch anmutenden Satzes waren auch die militärischen Qualitäten Ferdinands nicht schlecht. In der Schlacht von Prag am 6. Mai 1757, so Friedrich der Große zu seinem Vorleser de Catt, hätten seine Brüder Heinrich und Ferdinand „wahre Wunder vollbracht“. Auch in mehreren Briefen hat Friedrich seinen Bruder ausdrücklich für seine militärischen Leistungen und auch für seine Tapferkeit gelobt.

Am 27. September 1755 heiratete Ferdinand die Markgräfin Anna Elisabeth Luise von Brandenburg-Schwedt. Deren Mutter Sophie Dorothea Marie war die Schwester Ferdinands – und der Bräutigam somit gleichzeitig der Onkel seiner Frau... Friedrich der Große hatte gegen die Verbindung nichts einzuwenden, im Gegenteil: Er erwartete, dass daraus „eine ganze Völkerschaft hervorgeht“, wie er seiner Schwester Wilhelmine nach Bayreuth schrieb. Und da es an männlichen Nachkommen im Haus Hohenzollern zu dieser Zeit bedenklich mangelte, wäre eine solche „Völkerschaft“ ganz im Sinne Friedrichs gewesen. Doch es sollte sechs Jahre dauern, ehe dem Paar das erste Kind, eine Tochter, geboren wurde. Insgesamt wurden es schließlich sieben, von denen jedoch drei bereits im Kindesalter starben. Bleiben vier: die 1770 geborene Luise, der 1771 folgende Heinrich, 1772 Louis Ferdinand und schließlich 1779 das Nesthäkchen August.

Im November 1762 erwarb Ferdinand das damals noch weit ausserhalb Berlins liegende Schloss Friedrichsfelde, das für über zwei Jahrzehnte der Mittelpunkt des Familienlebens werden sollte. Das Schloss wurde um 1690 wahrscheinlich nach Plänen von Johann Arnold Nering erbaut, neben Andreas Schlüter der bedeutendste Baumeister des Barock in Brandenburg. Es war ursprünglich von einem ausgedehnten Park umgeben, der aber nicht mehr unbedingt als solcher zu erkennen ist, befindet sich hier doch seit 1955 der (Ost-)Berliner Tierpark. Das Schloss ist heute Teil der Stiftung Stadtmuseum Berlin und kann besichtigt werden.

In Friedrichsfelde lebte die Familie meist von Mai bis Mitte Dezember. Den Winter verbrachten die Ferdinands dann im Palais des Johanniterordens am Berliner Wilhelmsplatz. Prinz Ferdinand war seit 1762 Herrenmeister des Ordens; daher stand ihm das sehr reizvolle Barockschlösschen zur Verfügung, das später ein sehr wechselhaftes Schicksal hatte: Nach dem Tod Ferdinands wurde das Palais zunächst weiter von Mitgliedern des preussischen Königshauses bewohnt. Nach dem Ende der Monarchie bezog 1919 die Pressestelle der Reichsregierung den Bau, im März 1933 richtete Joseph Goebbels dort sein „Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda“ ein... 1945 brannte es nach einem Bombenangriff völlig aus.

Nach dem Verkauf von Friedrichsfelde erwarb Ferdinand ein ausgedehntes Grundstück am Rand des Tiergartens. Am 30. April 1785 legten die Prinzen Heinrich, Louis Ferdinand und August dort den Grundstein für den Bau des Schlosses Bellevue, so genannt wegen der schönen Aussicht auf die Spree. Das Schloss ist heute der offizielle Amtssitz des deutschen Bundespräsidenten.

Sehr problematisch war das Verhältnis Ferdinands zu seinem Sohn Louis Ferdinand. Ferdinand selbst hatte vom „Soldatenkönig“ den Hang zur Sparsamkeit, man kann auch sagen seinen Geiz geerbt. Und wie dieser liebte er es auch, seine Soldaten (später die Wache vor seinen Schlössern) stundenlang exerzieren zu lassen. Mit dem temperamentvollen Sohn, der im Laufe seines kurzen Lebens einen gewaltigen Schuldenberg angehäuft hat, konnte Ferdinand nur wenig anfangen. Er blieb ihm fremd, was wiederum Louis Ferdinand zeitlebens zu schaffen gemacht hat.

Seine letzten Lebensjahre verbrachte der Prinz sehr zurückgezogen. Er starb im hohen Alter von 83 Jahren in Berlin – nachdem er noch von den ersten preussischen Siegen in den Befreiungskriegen gegen Napoleon hatte erfahren dürfen.

Uwe A. Oster
 
 
 
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Prinz August Ferdinand von Preussen, Pastell eines unbekannten Meisters, um 1795