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Fürst Johann Moritz von Nassau-Siegen

 
 
* 1604 in Dillenburg
† 1679 in Bergendael bei Kleve
Begräbnisstätte: Fürstengruft in Siegen



Johann Moritz von Nassau-Siegen entstammte dem weitverzweigten Nassauer Fürstengeschlecht, aus dem auch das Haus Oranien hervorging.

Als Sechzehnjähriger trat er 1620 in den Kriegsdienst der Vereinigten Niederlande ein. Im Auftrag der Westindischen Compagnie (WIC) übernahm Johann Moritz von 1636 bis 1644 das Amt des Generalgouverneurs in Holländisch-Brasilien, mit der Aufgabe, die Kolonie zu festigen, zu verteidigen und den Handel zu fördern. In unmittelbarer Nachbarschaft der Stadt Recife gründete er eine fürstliche Residenz, die seinen Namen trug, Mauritsstad. Seine umfangreiche, in Brasilien zusammengetragene naturhistorische und ethnographische Sammlung veränderte durch ihre Verbreitung an den europäischen Fürstenhöfen das Bild der Neuen Welt. Nach seiner Rückkehr trat er wieder in den Militärdienst der niederländischen Staaten ein. Seine Freundschaft mit dem brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm, den er 1635 kennengelernt hatte, festigte sich, als dieser 1646 Louise Henriette, die älteste Tochter des niederländischen Statthalters Friedrich Heinrich von Oranien heiratete. 1647 ernannte ihn der Kurfürst zu seinem Statthalter in Kleve und Mark, ab 1658 auch von Minden. Als niederländischer Kommandant der rechtsrheinischen Festungen und als brandenburgischer Statthalter hatte Johann Moritz somit eine Doppelfunktion inne, die ihn zu einem Garanten der Stabilität der westlichen Territorien Brandenburgs machte. Seine Erfahrungen, sein Verhandlungsgeschick und die guten Kontakte prädestinierten ihn für hochrangige diplomatische Missionen im Dienste Brandenburgs. 1652 erhob ihn Kaiser Ferdinand II. in den Reichsfürstenstand. Im gleichen Jahr wurde Johann Moritz auf Antrag des Großen Kurfürsten zum Meister des Johanniterordens der Ballei Brandenburg ernannt. Auch dieses Amt bekleidete er mit großem Erfolg. Es gelang ihm, das durch den Dreißigjährigen Krieg verwüstete Ordensgebiet wirtschaftlich und kulturell zu entwickeln. Dazu gehörte auch die Neubau des Johanniterschlosses in → Sonnenburg/Neumark.

Der Bau- und Gartenkunst, mehr noch einer großräumigen Landschaftsgestaltung galt seine besondere Leidenschaft. Als Johann Moritz 1679 starb, hatte der Fürst, dessen Motto bereits in jungen Jahren „Qua patet orbis“ (Soweit der Erdkreis reicht) lautete, dank seiner geografisch weit gestreuten Ämter von Brasilien bis in die Neumark zahlreiche Residenzen und Landschaften gestaltet.

Von weitreichender kunst- und kulturhistorischer Bedeutung ist sein Beitrag zur Verbreitung der palladianisch-klassizistischen Architektur nördlich der Alpen. Während seines Aufenthaltes am statthalterlichen Hof im Haag ließ sich Johann Moritz von Jacob van Campen (1595-1657) ein repräsentatives Stadtpalais, das Mauritshuis, errichten. Mit diesem Bau entstand erstmalig in den Niederlanden ein in Grund- und Aufriss rein klassizistischer Bau auf Grundlage der italienischen Architekturtheorie. Durch Johann Moritz wurde der neue holländische Klassizismus auch nach Brandenburg exportiert. Von Anfang an widmete er sich der Modernisierung und Erweiterung der statthalterlichen Residenz Kleve. Auf großartige Weise bezog er ihre hügelige und waldreiche Umgebung in ein System von Alleen, Kanälen und Sichtachsen ein, die blühende Gärten und kleine Schlösser miteinander verbanden. Ohne Zweifel waren die Klever Anlagen Vorbild für die vom Großen Kurfürsten geplante Verschönerung der Insel Potsdam. Johann Moritz beriet den Großen Kurfürsten in allen Fragen der Architektur- und Gartengestaltung, vermittelte Baumeister, Festungsingenieure, Maler, Bildhauer und Handwerker an den Berliner Hof. Neben der Kurfürstin Louise Henriette war Johann Moritz von Nassau-Siegen der wichtigste Vermittler niederländischer Kunst in Brandenburg.

Claudia Sommer
 
 
 
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Architekt und Gartenbaumeister Fürst Johann Moritz von Nassau-Siegen