Das Mausoleum an der Friedenskirche


Sarkophag Friedrichs III.
Friedrich II. uind Kaiserin Victoria fanden hier ihre letzte Ruhestätte.

Architekt: Julius Carl Raschdorff (1823-1914)
Innenausbau: Ernst Ewald (1836-1904)
Sarkophage: Reinhold Begas (1831-1911)
Grundsteinlegung: 18. Oktober 1888
Fertigstellung: 18. Oktober 1890

Als Kronprinz Friedrich Wilhelm, bereits von seiner schweren Krankheit gezeichnet, zusammen mit seiner Gattin Victoria zur Erholung in den Tiroler Alpen weilte, besuchten beide die Bergkappelle des Dorfes Innichen. Friedrich Wilhelm war so angetan von dieser Kopie der Heilig Grab Kapelle auf dem Jerusalemer Kalvarienberg, die sich ein Innicher Gastwirt in Erinnerung an eine Pilgerreise hatte nachbauen lassen, dass er seiner Frau gegenüber den Wünsch äußerte, in einer ähnlichen Kappelle bestattet zu werden.

Am 15. Juni 1888 erlag Friedrich Wilhelm, seit  nur 99 Tagen Kaiser Friedrich III., seinem Kehlkopfkrebsleiden. Zunächst wurde er an der Seite seiner frühverstorbenen Söhne in der Sigismund-Kapelle, der ehemaligen Sakristei der Friedenskirche zu Potsdam beigesetzt.

Schon zwei Monate nach seinem Tod legte Julius Carl Raschdorff  erste Pläne für ein Mausoleum im Bereich des Atriums der Friedenskirche vor, einem Ort, den bereits der Erbauer der Kirche, König Friedrich Wilhelm IV. für ein solches vorgesehen hatte. Das Kaiserpaar war mit Raschdorff seit Jahren bekannt. Er wurde als Architekt der anglikanischen St. George’s Church ausgewählt, die sich Victoria, gebürtige Engländerin und damals noch Kronprinzessin, im Park des Schlosses Monbijou hatte errichten lassen. Von Raschdorff stammen u.a. auch die Pläne zum Neubau des Berliner Domes.

Die Bergkappelle in Innichen diente als Vorbild, doch wäre diese als Begräbnisstätte eines deutschen Kaisers zu schlicht gewesen. So erinnert nur die äussere Form des Mausoleums, erbaut in schlesischem Sandstein, an das Original. Der Innenausbau von Ernst Ewald, ausgeführt als gestufte Rotunde und ausgestattet mit kostbarem Marmor und Mosaiken aus der italienischen Werkstatt Salviati, zeigt Anklänge an die Pfalzkapelle Kaiser Karls d. Grossen in Aachen und Elemente, die an die Architektur römisch-deutscher Kaiser erinnern sollen.

Den Auftrag zur Gestaltung des Sarkophages erhielt Reinhold Begas, der durch sein Schillerdenkmal vor dem Berliner Schauspielhaus bereits zu einem der bekanntesten Vertreter des Neobarocks geworden war. Später schuf er u.a. den Neptunbrunnen (heute vor dem Berliner Rathaus) und das Denkmal für Kaiser Wilhelm I. am Berliner Stadtschloss. Begas fertigte eine erste Version, die 1892 aufgestellt wurde. Diese wurde im Jahr 1904 durch eine Kopie ersetzt, die aus penthelischem Marmor geschaffen wurde, einem Gesteinsblock, den der griechische Kronprinz, Schwiegersohn des Kaisers, zur Verfügung stellte.

Deutlich unterscheidet sich der Sarkophag Friedrichs III. von dem seiner Gemahlin Victoria, die 1901 starb, obwohl auch dieser aus der Hand Begas’ stammt. Friedrich III. ist wie lebend, schlafend dargestellt – eine Anlehnung an Rauchs Sarkophag der Königin Luise ist spürbar. Victoria liegt starr, das Gesicht mit dem Ausdruck von Schmerz und Entsagung zur Decke gewandt. Der Blick des Eintretenden wird auf den hinter ihr liegenden Sarkophag des Kaisers gelenkt.

Ebenfalls von Begas stammen die Sarkophage der beiden frühverstorbenen Kinder des Paares, Prinz Sigismund (1864-1866) und Prinz Waldemar (1868-1879). Man geht davon aus, dass der Entwurf zu den Büsten, die über den Sarkophagen angebracht sind, auf Entwürfe der Mutter Victoria zurückgehen. Vor Fertigstellung des Mausoleums waren beide Kinder in der erwähnten „Sigismundkappelle“ der Friedenskirche bestattet.

Am 18. August 1991 wurde der Sarg König Friedrich Wilhelms I., des sog. „Soldatenkönigs“, in das Mausoleum an der Friedenskirche überführt. Er hatte – zusammen mit dem seines Sohnes Friedrichs des Grossen – eine lange Odyssee hinter sich. Zunächst waren beide Könige in der Garnisonkirche zu Potsdam bestattet, in den Kriegsjahren brachte man sie in einem Bunker in der Nähe von Potsdam-Wildpark in Sicherheit. Danach folgten Jahre in der Elisabethkirche zu Marburg, von wo sie im Jahr 1952 auf die Burg Hohenzollern gebracht wurden. Die Überführung der Särge nach Potsdam war die Einlösung eines Versprechens des damaligen Chefs des Hauses Hohenzollern, Prinz Louis Ferdinand, dass die Särge nach der Wiedervereinigung Deutschlands wieder in die Heimat der Könige, Potsdam, zurückkehren sollten.

Michaela Blankart