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Berliner Morgenpost, 28. Januar 2004

 
 

Die Stiftung soll nicht mehr preußisch sein

Mehr Besucher, mehr Museen und die größte Singleparty der Stadt: Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz zieht Bilanz

Zum Abschluss seiner Jahrespressekonferenz voller Erfolgsmeldungen und Ankündigungen von Museumseröffnungen musste der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Klaus-Dieter Lehmann, doch noch einmal tüchtig schimpfen. Über Russland und den seit 60 Jahren vermissten, nach 1945 geraubten Eberswalder Goldschatz, der von Spiegel-TV in einem Geheimdepot in Moskau gefilmt werden durfte. Schließlich habe es Absprachen mit Irina Antonowa, der als überaus streng, rigide und meist unzugänglich bekannten Direktorin des Puschkin Museums, gegeben, denen zufolge zunächst die Forscher geheime Schätze sehen dürften, dann erst die Öffentlichkeit. "Uns geht es um die wissenschaftliche Aufarbeitung", so Lehmann, "nicht so sehr um die Rückgabe". Darum habe sich die Politik zu kümmern. Gerade der Eberswalder Goldschatz könne in Russland lediglich beschrieben, nicht aber wissenschaftlich bearbeitet werden. Die Erwerbungsbücher nämlich befänden sich in Berlin.

Warum die Absprachen unter Wissenschaftlern dieses Mal gebrochen wurden und ein Fernsehteam das Gold filmen durfte, weiß Lehmann nicht. Gerüchten zufolge habe Irina Antonowa nur Weisungen höherer Vorgesetzter befolgt. Lehmann geht davon aus, dass sie nun - wie bisher praktiziert - die Vor- und Frühgeschichtler aus Berlin nach Moskau einlädt, den Schatz zu begutachten.

Das wäre dann eine Frohbotschaft für die nächste Jahrespressekonferenz, die sich perfekt in die Erfolgsserie, die in diesem Jahr erwartet wird, fügen würde. Denn eines ist schon im Januar dieses Jahres klar: Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz wird immer größer und schöner. Das Kunstgewerbemuseum im Köpenicker Schloss wird im Mai wiedereröffnet. Im dann geräumten Kunstgewerbemuseum am Kulturforum ist ein Mode- und Designmuseum geplant. Die Helmut Newton-Foundation eröffnet im Juni, das Museum für Vor- und Frühgeschichte wird ebenfalls im Juni wiedereröffnet. Im September folgt die Flick Collection im Hamburger Bahnhof. Friedrich Christian Flick wird, wie geplant, den kompletten Umbau der Rieck-Halle am Hamburger Bahnhof bezahlen. Den Verbindungsbau zwischen der Halle und dem Hamburger Bahnhof zahlt die Stiftung. Im Oktober eröffnet mit dem Münzkabinett der erste Teil des Bodemuseums. Die Staatsbibliothek, die 14 Prozent mehr Ausleihen und 18 Prozent mehr Lesesaalbenutzer im vergangenen Jahr zählen konnte, wird bis 2010 einen Bücherspeicher in Friedrichshagen bekommen. Das Gelände, das der Bund der Stiftung übertragen wird, soll später auch das Depot der Museen beherbergen.

Schon jetzt sind die 17 Museen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz beliebt wie nie. Im vergangenen Jahr stiegen die Besucherzahlen in den Museen um zehn Prozent, auf 3,54 Millionen. Nur die Kinder und Jugendlichen interessieren sich nicht so recht für die Häuser. Lediglich 3,5 Prozent der Besucher waren Kinder zwischen sechs und 18 Jahren. Deshalb haben sie ab 1. April freien Eintritt in allen Museen, während die Eintrittspreise für alle Besucher über 16 Jahre steigen. Der Eintritt auf der Museumsinsel kostet dann acht, in den Dahlemer Museen vier Euro. Der eintrittsfreie erste Sonntag im Monat wird abgeschafft, der Eintritt in den letzten vier Stunden des langen Donnerstags ist dagegen frei.

Während es nun auch noch Ernährungsunterricht in der Schule geben soll, was nur zu Lasten anderer Unterrichtsfächer gehen kann, nehmen die Staatlichen Museen ihre Bildungsaufgabe nun richtig ernst und werden nicht nur spezielle Führungen für Kinder anbieten, sondern auch Kinder-Audioguides entwickeln und einen neuen Kinder-Museumskatalog über die beiden Nationalgalerien herausgeben. Außerdem wird es "Junge Nächte in den Staatlichen Museen" geben, in denen junge Kunsthistoriker immer donnerstags Führungen veranstalten, zu denen Besucher unter 30 Jahren freien Eintritt haben. Aus diesem Grund hofft Generaldirektor Peter Klaus Schuster auf "die größte Singleparty der Stadt".

Da sich in den Museen so viel ändert, soll auch bei der Stiftung nicht alles beim Alten bleiben. Präsident Klaus-Dieter Lehmann, der im Dezember vom Stiftungsrat bis 2008 (also drei Jahre über das Pensionierungsalter hinaus) in seinem Amt bestätigt wurde, will die Stiftung umbenennen. Sein Vorschlag für einen neuen Namen: "Stiftung Nationaler Kulturbesitz". Die Diskussion um die Umbenennung will er in der nächsten Zeit beginnen, denn der Name "Stiftung Preußischer Kulturbesitz" sei nach der Auflösung Preußens 1947 lediglich eine staatsrechtliche Formulierung gewesen. Heute stelle sich die Stiftung als nationale Einrichtung für Kunst und Kultur dar, so Lehmann, die vom Bund und allen 16 Ländern finanziert wird. Dafür wolle er die Verlängerung seiner Präsidentschaft nutzen. Die Stiftung, die aus den Sammlungen und Archiven des preußischen Staates hervorgegangen ist, zählt mit 17 Museen, der Staatsbibliothek, dem geheimen Staatsarchiv und Forschungseinrichtungen zu den weltweit größten Kultureinrichtungen.

Uta Baier


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