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Friedrichs Montezuma. Macht und Sinne in der preußischen Hofoper

 
 

Die Ausstellung ist um die 1755 von Carl Heinrich Graun komponierte und im Königlichen Opernhaus Unter den Linden uraufgeführte "Tragödie für Musik" Montezuma zentriert, für die Friedrich II. höchstpersönlich das Libretto entworfen hatte.
Am 6. Januar 1755 gab es im Königlichen Opernhaus Unter den Linden eine ganz besondere Premiere: Präsentiert wurde mit der Oper Montezuma ein Werk, für das Friedrich II. selber das Textbuch entworfen hatte. Hofkapellmeister Carl Heinrich Graun hatte die Handlung um die Eroberung Mexikos vertont. Das Stück führte vor, wie die spanischen Eroberer den Aztekenkaiser Montezuma durch List überwinden und ihn schließlich sogar gefangen nehmen. Obwohl Montezumas heldenhafte Verlobte einen Rettungsplan entworfen hat, scheitern alle Bemühungen um einen friedlichen Ausgang: Das Stück endet mit Montezumas Untergang und einem grausamen Gemetzel, das die Spanier unter den Azteken anrichten. Der königliche Textdichter brachte auf diese Weise seine Abscheu vor religiöser Intoleranz und Verfolgung zum Ausdruck und schlug damit ein Thema an, das sich wie ein roter Faden durch den Diskurs der Aufklärung zieht.

Nach allem, was wir aus zeitgenössischen Berichten darüber wissen, scheint Montezuma dem Publikum gefallen zu haben. Das war kein Wunder, denn es gab dort nicht nur exzellente Sängerinnen und Sänger, sondern auch ein prächtiges Bühnenbild und spektakuläre Effekte zu sehen. Die königliche Hofkapelle, ein Klangkörper von hoher Qualität, der den Vergleich mit anderen Musikzentren Europas nicht scheuen musste, trug das Ihre zu diesem großartigen Ereignis bei.

Die Ausstellung zeigt die textlichen und musikalischen Quellen zu Montezuma, sie informiert über die Entstehung des Werkes und über seine gedanklichen Grundlagen. Eine tragende Rolle spielten dabei mindestens zwei Personen: Friedrichs älteste Schwester, die Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth, und der venezianische Graf Algarotti, den Friedrich II. an seinen Hof geholt hatte. Aus ihrer Korrespondenz wird deutlich, was Friedrichs zentrale Anliegen waren und wie das Stück nach und nach seine endgültige musikalisch-dramatische Gestalt annahm.

Die Ausstellung beschränkt sich aber nicht auf diese Art von Quellenforschung, sondern versucht möglichst viele Komponenten exemplarisch zu zeigen: Bühnenbildentwürfe von Giuseppe Galli Bibiena, Nachbauten von barocken Theatermaschinen, historische Instrumente aus den Beständen des Musikinstrumenten-Museums. Zugleich begibt sie sich auf eine spannende Spurensuche: Wie wurden die Aufführungen realisiert? Was war das Besondere an der Gesangskunst der international berühmten Kastraten und Primadonnen, die an den preußischen Hof engagiert wurden? Auf welche Weise konnte das alte Mexiko auf der Bühne erscheinen, auf einer Bühne, die mit Kerzenlicht illuminiert war, für die es keine elektronisch gesteuerte Bühnentechnik, keine Videoprojektionen gab, und die dennoch so ausgestattet war, dass dem Publikum Hören und Sehen verging? Was ließ Friedrich II. sich diesen Effekt kosten? Denn darauf kam es ihm auch an: die Zuschauer über die Wunderdinge auf dem Theater in Erstaunen zu versetzen, damit sie ihren Fürsten um so mehr verehrten, ihm um so mehr zutrauten. Machtfülle sollte durch sinnliche Eindrücke vermittelt werden, und zugleich gab der König mit dem Stück seinen Kommentar zu einer Frage ab, die über Jahrhunderte seinesgleichen beschäftigte: Was ist ein guter Herrscher?

Um diese Frage auszugestalten, setzte er den rücksichtslosen und verschlagenen spanischen Eroberer Cortés in einen scharfen Kontrast zu Montezuma, der Züge eines aufgeklärten Fürsten trägt. Was aber wusste man um die Mitte des 18. Jahrhunderts über die Conquista? Die von Ruth Müller-Lindenberg unter Mitarbeit von Vicente Bernaschina und Claudia Terne kuratierte Ausstellung geht auch dieser Frage nach. Sie zeigt Originaldokumente und Objekte aus der Zeit des historischen Moctezuma II., versucht aber auch die Linien nachzuzeichnen, die die Eroberung Mexikos mit dem Aufklärungsdiskurs verbinden. So wird Friedrichs Version von Montezumas Geschichte erlebbar, zugleich aber auch die faszinierende Welt des höfischen Theaters.


Veranstalter:
Staatliches Institut für Musikforschung mit Musikinstrumenten-Museum
Ibero-Amerikanisches Instititut
Geheimes Staatsarchiv

Berlin, Musikinstrumentenmuseum
01.04.2012 - 24.06.2012

www.smb.museum


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