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Spaziergang durch Preussen

 
 
Friedrich der Grosse, Bismarck, Pickelhaube: Zum 300. Geburtstag Preussens im Jahr 2001 entwarf Prof. Dr. Hans Ottomeyer, Generaldirektor des Deutschen Historischen Museums in Berlin, einen ganz persönlichen Führer durch die Geschichte der einstigen Großmacht.


Anfang


Am 18. Januar 1701, vor 300 Jahren, krönte sich Friedrich, Markgraf und Kurfürst des Reiches, im Deutschordensschloss von Königsberg selbst zum König in Preussen. Das geschah in Überhöhung seines Titels als Herzog des souveränen Preussens, dessen Territorium außerhalb des Verbandes des Reiches lag. Erst Friedrich II. nannte sich König von Preussen. Die Verhandlungen mit Kaiser Leopold I., die Krönung in Königsberg zu dulden und schließlich zu gestatten, zogen sich über Jahre hin. Dies geschah vor dem Hintergrund eines Streites der Habsburger mit Frankreich über die Erbfolge in Spanien. Dazu brauchte Wien die Hilfe Berlins.


Friedrich der Grosse (1712-1786)


„Denn sie müssen nur wissen, dass der geringste Bauer, ja was noch mehr ist der Bettler, ebenso wohl ein Mensch ist, wie seine Majestät sind, und dem alle Justiz widerfahren werden… und wo sie nicht mit der Justiz ohne alles Ansehen der Person und des Standes gerade durchgehen, sondern die natürliche Billigkeit verletzen. So sollen sie es mit Sr. Köngl. Majestät zu tun kriegen. Denn ein Justiz-Collegium, das Ungerechtigkeit ausübt, ist gefährlicher und schlimmer als eine Diebesbande, vor der kann man sich schützen; aber vor Schelmen, die den Mantel der Justiz gebrauchen, um ihre üblen Passiones auszuführen, vor denen kann sich kein Mensch hüten. Die sind ärger wie die größten Spitzbuben, die in der Welt sind, und meritieren eine doppelte Bestrafung.“

1779 Aufhebung eines Revisionsurteils des Kammergerichtes durch den König in der Sache des Müllers Arnold.


Territorien


Preussen wird als Land verstanden, bestand aber die längste Zeit, das heißt von 1701 bis 1866, aus einer Vielzahl von Territorien, die von der Schweiz bis Russland, von Neuchâtel bis Königsberg reichten. Besitzungen, die an die Niederlande, an Frankreich und an Galizien grenzten, gehörten ebenso dazu wie Ostpreussen, Posen, Brandenburg, Pommern, Schlesien, Teile Sachsens, Westfalens und des Rheinlandes als weit verteilter Streubesitz. Der höchste Berg lag im Harz, der tiefste Punkt am Ostseestrand. Wenn die Flüsse Ostpreussens noch gefroren waren, blühten die Bäume an der Mosel. Die besten preussischen Weine wuchsen am Rhein und an der Ahr. Getreide, Pferde, Kohle, Salz oder Bernstein waren im Überfluss vorhanden. Metallische Produkte brachten Fabriken in Barmen, Elberfeld (beide heute Ortsteile von Wuppertal), Breslau und Liegnitz hervor. 9 Millionen Taler war 1840 die exportierte Leinwand wert. Solinger und Suhler Stahlwaren gehörten zu den ältesten Markenartikeln. Berlin selbst war für Schwarzpulver und Porzellan gut.


Militarismus


Lange war Preussen ein Staat, in dem nicht die Armee dem Staat, sondern der Staat der Armee gehörte. Die Könige trugen meist Uniform, die sie nur auszogen, um eine andere anzuziehen. Das Kriegsministerium und die Geheime Kriegskanzlei hatten auch in Friedenszeiten das Sagen im Staat. Jeder Untertan war zum Kriegsdienst verpflichtet und unterstand auf Ihre der Wehrpflicht im Heer, später in der Landwehr oder im Landsturm. Der Wehrdienst dauerte zwei bis drei Jahre, für Abiturienten nur eins, dafür durften sich diese „Freiwilligen“ das Seitengewehr selber kaufen. Das System verbreitete sich wie ein Lauffeuer um die ganze Welt. Soldatendrill, Parademarsch, Befehle waren so spezifisch preussisch wie Kadavergehorsam oder rigide Dienstvorschriften. Das Übergewicht des Heeres im Staat Preussen war Grundlage für die Durchsetzung einer aggressiven Außenpolitik.


Preussen-Syndrom


Das Preussen-Syndrom manifestiert sich in der grüblerischen, sinn-verzehrenden Frage, ob Preussen nun schlecht – gar böse – oder gut gewesen sei. Ganz eindeutig lässt sich dies bisher nicht beantworten. Preussen war ein deutscher Staat, der so rasch aufstieg, wie er abrupt unterging. „Musste Preussen sein?“ wird eine der großen unbeantworteten Fragen des Jahres 2001 bleiben, denn unrichtige Fragen erfahren keine klaren Antworten. Der Jubel und der Jammer von damals werden der Erkenntnis von heute weichen, erhoffte sich Jacob Burckhardt.


Kartoffel


Zu den beharrlich verbreiteten Legenden Preussens gehört die Einführung der Kartoffel in Deutschland durch Friedrich den Grossen. Förderung mag richtiger sein. Bereits im 16. und 17. Jahrhundert wurde die aus Peru stammende Nutzpflanze in den Gärten angebaut und auf die Tafel gebracht. Die Kultur der Knolle von Papas peruanorum als deutsche Nationalspeise beginnt nicht in Preussen. Süddeutsche Kochbücher aus Mainz 1581 oder Salzburg 1719 notieren differenzierte Rezepte von Kartoffelgerichten: „37. Erdtepffel, hack sie klein / und rößt sie in Speck / nim ein wenig Milch darunter und laß damit sieden / so wirt es gut und wolgeschmack“ (Rumpolt 1581).


Toleranz


Lutheraner, Reformierte, Hugenotten, Katholiken und Juden bildeten die Staatsbevölkerung, welche die Idee einer einheitlichen Staatsreligion von vornherein unmöglich machte. Die Duldung verschiedener Religionen in Preussen barg ins Positive gewendet reiche Möglichkeiten. Den Auseinandersetzungen mit einer dominanten Staatskirche war die Spitze genommen, der Austausch von Territorien anderer Religionen wurde erleichtert. Bürgerrecht und Zulassung zum Beruf oder Handwerk für „Ausländer“ konnten ermöglicht werden. Toleranz war Grundlage für eine liberale Wirtschaftsweise, für Pressefreiheit und die Integration von Zuwanderern aus religiösen und wirtschaftlichen Gründen.
 

Spaziergang durch Preussen - Fortsetzung
 
 
 
 
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Prof. Dr. Hans Ottomeyer, Foto: Deutsches Historisches Museum