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Die Grabungen am Grottenberg von Paretz

 
 
Daniela Sigl M. A.
Die Autorin Daniela Sigl M. A. ist Archäologin und  als Wissenschaftliche Volontärin bei der Stiftung Preussische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg tätig.

Geschichtlicher Überblick

Der Grottenberg ist Teil des Parks Paretz. Er entstand in den Jahren 1797 und 1798. Für die Gartengestaltung war der Hügel mit den darin und darauf liegenden Bauten in der nordöstlichen Ecke des Parks von herausragender Bedeutung. Mit großer Wahrscheinlichkeit war David Gilly (1748-1708) maßgeblich am Entwurf des Grottenbergs beteiligt. Gilly hatte gegen Ende des 18. Jahrhunderts im Auftrag Friedrich Wilhelms III. (1770-1840; seit 1797 König von Preussen) und dessen Gattin Luise (1776-1810) das Dorf von Paretz künstlerisch überformt und umgestaltet. 1796/97 erhielt er die Aufgabe, dort ein Gutshaus als Sommersitz zu errichten. Nach der Thronbesteigung Friedrich Wilhelms III. im Jahr 1798 wurde er zum Vizedirektor des Oberhofbauamtes ernannt.

Die Anlage

Die Anlage des Grottenbergs setzte sich ursprünglich aus vier Bestandteilen zusammen: Dem eigens für die Bauten aufgeschütteten Hügel, dem Grottenberg, der darin gelegenen mit einer Rundtonne gewölbten Grotte mit der plastisch ausgearbeiteten Kalksteinfassade, dem darauf stehenden, achteckigen ’Japanischen Pavillon’ und dem sogenannten ’Tempel für Teure Verstorbene’ (Versunkener Tempel) am südlichen Rand des Grottenbergs samt Zugangstreppe zur Hügelkuppe.

Die aufgeführten baulichen Bestandteile waren als solche bis in die Zeit um 1945 vollständig, wenn auch leicht beschädigt, erhalten. Allen bisherigen Erkenntnissen zufolge, wurde als erstes der aus Holz errichtete ’Japanische Pavillon’ abgetragen. Die bis dahin noch erhaltenen Bauteile der Anlage wurden um 1960 durch Bauschutt- und Erdaufschüttungen abgedeckt. Überlieferungen von Augenzeugen dieser Aktion berichten von einer gewissenhaften Verfüllung beider Bauten.

Bis zum Abschluss der archäologischen Grabungen im Dezember 2013 erinnerte nur noch der von Gras bewachsene Hügel an dieses wichtige Kleinod im Park Paretz.

Erste Arbeitsschritte


Durch Sichtung von Archivalien, die Befragung von Zeitzeugen, die Auswertung von Fotografien der Anlage nach 1900 und nicht zuletzt die Grabungsbefunde konnte ein umfassendes Bild der ursprünglichen Gestalt der Anlage erstellt werden. Ein wichtiges frühes Zeugnis liefert das Paretzer Skizzenbuch (um 1811). Hier finden sich die mit frühesten und einzig kolorierten Abbildungen der Anlagen am Grottenberg.

Die Grabung im Herbst 2013 brachte wichtige Erkenntnisse über den Zustand der unter der Erde liegenden Anlagen und die Art und Weise der Verfüllung zu Tage. Darüber hinaus wurden mit der Grabung Materialität, Zustand und Lage innerhalb der Wegeführung des Schlossgartens erforscht, da bis dato unbekannt war, auf welcher Höhe das ursprüngliche Wegeniveau gelegen hatte.

Ein großes Problem bestand darin, dass nicht bekannt war, welche Höhe der künstlich aufgeschüttete Hügel in seiner ursprünglichen Form gehabt hatte. Zwar war es wahrscheinlich, dass er durch die Jahrzehnte der Bewetterung seine Höhe, Ausdehnung und Form verändert hatte, doch konnte keinerlei Aussage darüber getroffen werden, ob überhaupt die Möglichkeit bestand, dass die beiden Gebäude (Grotte und Tempel) noch in ihrer gesamten Höhe in dem Hügel verborgen lagen.

Die Maßnahme wurde durch die Stiftung Preussische Schlösser und Garten Berlin-Brandenburg (SPSG) fachlich als Untere Denkmalschutzbehörde betreut. Der Verein Historisches Paretz e.V. (VHP) war für die Finanzierung und Organisation verantwortlich. Die eigentlichen Erdarbeiten wurden vom Bauverein Winzerberg e.V. durchgeführt. Die archäologische Dokumentation übernahm die SPSG, wahrend die fachliche Begleitung dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischem Landesmuseum (BLDAM) oblag. Die Grabungsarbeiten sollten im Wesentlichen im Bereich des Versunkenen Tempels und der Grotte durchgeführt werden.

Erste Anhaltspunkte für die Wahl der Grabungsfelder lieferten die Ergebnisse der geophysikalischen Untersuchung der Universität Potsdam unter der Leitung von Prof. Dr. Jens Tronicke vom Institut für Erd- und Umweltwissenschaften. Weitere Hinweise fanden sich in der heutigen Kubatur des Hügels und einigen bereits freiliegenden Mauerteilen. Im Zuge der geophysikalischen Untersuchung zeigte sich anhand der Anwendung unterschiedlicher Methoden deutlich der annähernd quadratische Grundriss der Grotte im Nordosten des Hügels und eine Struktur im Bereich der Treppe neben dem Versunkenen Tempel. Reste des Tempels konnten bei dieser Untersuchung nicht klar nachgewiesen werden. Ebenfalls unbekannt war, bis in welche Höhe sich die Grotte erhalten hat.

Weitere Hinweise lieferte der Hügel selbst. Durch die Jahrzehnte der Bewetterung zeichneten sich an einigen Stellen des Hügels Kanten und Grate ab. An einigen Stellen waren sogar Teile von Baumaterialien zu sehen. Der Wurzelwuchs von wild aufgewachsenen Bäumen hatte diverse, sichtlich bearbeitete, steinerne Bauteile des Tempels oder der zugehörigen Einfassung an die Erdoberfläche gefördert. Zwar waren diese wagen Spuren schon seit längerem bekannt, nicht jedoch ihre konkrete Bedeutung. Es war nicht klar, ob diese im Verband lagen und Reste der ursprünglichen Gebäude darstellten oder lediglich Teile von Verstürzungen waren.


Die Grotte mit dem Japanischen Pavillon mit Blick nach Westen (1906); Archiv Verein Historisches Paretz e. V., Archiv
Die Grabungsarbeiten an der Grotte

Die eigentlichen Grabungsarbeiten begannen mit dem Abtrag der Grasnarbe im abgesteckten Feld. An einigen Bereichen lagen die Reste des Grottenmauerwerks unmittelbar unterhalb des Bewuchses. In anderen Bereichen, musste dagegen fast ein Meter Erd- und Humusmaterial abgetragen werden, um auf das gleiche Niveau zu gelangen. Nachdem der gesamte Grundriss der Grotte (ca. 8 x 8 Meter) freigelegt war, zeigten sich massive Mauern (ca. 1,5 Meter stark), Kalkstein und Ziegelmauerwerk. Aufgrund des zu erwartenden Erddrucks des Hügels war ein solch starkes Mauerwerk eine bauliche Notwendigkeit. Zudem bildeten die starken Mauern aus Kalkstein eine wirkungsvolle Feuchtigkeitssperre gegenber dem Erdmaterial des Hügels zum Grottenraum. Die Verfüllung des Innenraums bestand aus Erdreich und in den tieferen Bereichen aus Ziegeln, Ziegelbruch und Mörtelresten. Das Material war bei der Verfüllung geflissentlich verdichtet worden, um ein Nachsacken des Erdreichs zu verhindern.

Das Mauerwerk


Der beträchtlichere Teil der 1,50 Meter starken Mauern des Grottenraums wird aus Kalksteinen gebildet. Das innere Mauerwerk besteht aus nacktem, rotem Ziegelmauerwerk. Die Ziegel sind von unterschiedlicher Qualität und folgen annähernd dem alten deutschen Reichsformat (25 x 12  x 6,5 cm). Die einfacheren Hintermauerungsziegel stammen vermutlich von ortsansässigen Ziegeleien, während die qualitativ hochwertigeren roten Ziegel wahrscheinlich aus Ton des Elbeschlick-Tonvorkommens im sogenannten Elbe-Havel-Dreieck gefertigt wurden. Im Mauerwerk fanden sich zahlreiche Aussparungen, die etwa der Größe von Bindern entsprachen. In einigen der Aussparungen, in den unteren Bereichen, wurden die stark vergangenen Reste von Hölzern mit teilweise Nägeln oder Eisendübeln darin gefunden. Diese Kanthölzer dienten zur Befestigung einer Verkleidung. Dass der Grotteninnenraum ursprünglich eine hölzerne Wandverkleidung besessen hatte, bestätigte sich nicht nur durch den Befund selbst, sondern auch bei einem Studium der bauzeitlichen Rechnungs-und Bauunterlagen. In den unteren Bereichen der Verfüllung, vor allem im Bereich des Schutts, wurden verstreut einige Muscheln gefunden. Es handelt sich um Europäische Austern (Ostrea edulis). Die bauzeitlichen Rechnungsunterlagen sprechen von Flussmuscheln. Die Europäische Auster lebt bevorzugt in der Gezeitenzone und kann auch im Süßwasser von Flüssen überleben. Zur Zeit der Erbauung der Grotte war die Europäische Auster eine begehrte Delikatesse. Alle gefundenen Muscheln weisen gebohrte Löcher oder aber sogar noch Reste von Nägeln in diesen auf. Sie gehören damit zur ursprünglichen Dekoration des Raums. Weitere Reste der Dekoration konnten nicht gefunden werden, wahrscheinlich weil diese aus stark vergänglichen Materialien (z.B. Flechten, Holz) bestand.

Einige der rechteckigen Kanthölzer hatten sich in dem feuchten Klima ausreichend gut erhalten, sodass eine dendrochronologische Untersuchung möglich war. Hierfür wurden fünf Proben in das Naturwissenschaftliche Referat des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) in Berlin verbracht und von Dr. Uwe Heussner untersucht. Eines der Kanthölzer (quercus sp.) wies genug Jahrringe für eine Datierung auf. Es wurde festgestellt, dass das Stück um 1840 verbaut wurde. Die Datierung des Kantholzes liefert den Beweis, dass die Gebäude noch eine Generation nach der Errichtung gepflegt oder zumindest kleinere Maßnahmen der baulichen Instandhaltung durchgeführt wurden.

Der Fußboden


Beim Fußboden handelt es sich um einen einfachen gestampften Lehmboden. Zwischen den beiden Fensterpfeilern befindet sich die Schwelle aus Naturstein nach wie vor am bauzeitlichen Standort, d.h. ihre Lage wurde nicht verändert. In den Ecken des Schwellensteins haben sich noch die eisernen Halterungen der Türangeln gefunden. Bei der heute verlorenen Tür handelte es sich um eine zweiflügelige Anschlagtür, diese war als schmiedeeiserne Gittertür ausgeführt.

Die Fassade


Im östlichen Bereich vor der Grotte wurde die noch erhaltene Fassade freigelegt. Dort war aus großen Kalksteinbrocken eine stark plastische Grottierung hergestellt worden, die sich in großen Teilen noch in situ erhalten hat. Durch Vergleiche mit historischen Aufnahmen konnte nun erstmals geklärt werden, bis in welche Höhe sich der Baukörper der Grotte erhalten hatte. Vier markante Steine ließen sich im Aufbau der Stirnseite identifizieren.

Beim Abbruch war folglich die obere Hälfte des Baus komplett abgetragen worden. Damit fehlen in etwa die oberen 2,50 Meter des Gebäudes. Vor der Fassade waren von jeher bunte Granitfindlinge bis in eine Höhe von ca. 1 Meter arrangiert, die das Gebäude scheinbar natürlich einrahmen sollten. Zeitgleich bildeten die Ausläufer dieser Rahmung vermutlich die sanfte Einfassung des anschließenden Wegenetzes, wie das Paretzer Skizzenbuch und Fotografien vermuten lassen. Anschlüsse an das Wegenetz wurden bislang nicht freigelegt. Spätere Grabungen könnten Aufschluss über die Anbindung der Grotte in das Wegenetz des Parks liefern. Nur unmittelbar östlich der Schwelle konnte das ursprüngliche Wegeniveau freigelegt werden. Es handelt sich um einen fest gestapften Erdboden.

Das Gewölbe


Das Gewölbe im Inneren war beim Abbruch des Gebäudes zerstört worden. Allerdings haben sich die Gewölbeansätze sowohl in der südwestlichen als auch der nordwestlichen Ecke erhalten. Vier angeschlagene Ziegel bildeten dort die Kämpferzonen. Es handelte sich der Abbildung im Paretzer Skizzenbuch zufolge um eine Rundtonne. Die Schildwand war anderthalb Ziegel stark, die Tonne selbst zwei Ziegel. Geht man von einer Rundtonne aus, kann aufgrund der Breite des Raumes von 5 Metern errechnet werden, dass der heute verlorene Gewölbescheitel 2,50 Meter über den Kämpfern lag. Eine abschließende Prüfung der Befunde muss zeigen, ob eine derartige Ausführung überhaupt möglich war oder die bauzeitlichen Unterlagen des Skizzenbuchs eine idealisierte, nicht umgesetzte Form des Tonnengewölbes zeigen. Ob das Gewölbe ebenso wie die Wände mit Holz verkleidet war, lässt sich nicht mehr sagen. Die Zeichnungen im Paretzer Skizzenbuch zeigen in jedem Fall, dass auch das Gewölbe eine Form von Dekoration trug.

 

Abbildung 1: Daniela Sigl M. A.

Abbildung 2: Die Grotte mit dem Japanischen Pavillon mit Blick nach Westen (1906)
Verein Historisches Paretz e. V., Archiv.
 

Die Grabungen am Grottenberg von Paretz - Fortsetzung
 
 
 
 
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