Preussen.de  
 
   
Heute Familie Geschichte
 
 

Schloss Rheinsberg

 
  Schloss Rheinsberg, eingebettet in das reizvolle Ruppiner Land, umgeben von Seen und ausgedehnten Wäldern, ist als ehemalige Residenz des Kronprinzen Friedrich (II.) und seines Bruders, des Prinzen Heinrich, weit über die Grenzen Brandenburgs bekannt.

Nach entbehrungsreicher Zeit begannen hier für den preussischen Thronfolger jene vier glücklichen Jahre, in denen er sich endlich persönlichen Neigungen und Studien widmen konnte. 1734 erwarb König Friedrich Wilhelm I. die alte Rheinsberger Burganlage für seinen Sohn, der im nahen Ruppin ein Regiment befehligte. Für den Um- und Ausbau stellte der Vater den kurmärkischen Baudirektor Johann Gottfried Kemmeter (gest. 1748) zur Verfügung. Unter Einbeziehung älterer Gebäudeteile sah der Gesamtentwurf die Erweiterung zu einer Dreiflügelanlage vor, die sowohl französischen als auch einheimischen Traditionen verpflichtet ist. Mit der Orientierung des an sich städtischen Cour d‘honneur (Ehrenhof) auf den Naturraum des Sees hielt in Rheinsberg zudem ein für den Norden charakteristisches, aus Schweden kommendes Element Einzug. Begonnen wurde mit dem Umbau des südlichen Klingenbergflügels und der Errichtung des Corps de logis anstelle des alten Torhauses. Die Vollendung des Schlosses durch die Errichtung des Nordflügels mit dem zweiten Turm und der Kolonnade übernahm ab 1737 Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff (1699-1753). Er gehörte zum engsten Freundeskreis des Thronfolgers und war kurz zuvor von einer Studienreise durch Italien zurückgekehrt. Auf die Gesamtkonzeption der Schlossanlage konnte er zu diesem Zeitpunkt keinen Einfluss mehr nehmen. Wesentlich aber waren seine Verbesserungen in der Gestaltung der Fassaden und v. a. die Entwürfe für die Dekoration der Innenräume. Angeregt durch die geistvolle Atmosphäre am kronprinzlichen Hof fanden die Künstler um Knobelsdorff, Antoine Pesne (1683-1757) und Friedrich Christian Glume (1714-1752) in Rheinsberg zu einem neuen künstlerischen Ausdruck, der wenige Jahre später in Charlottenburg und Sanssouci als friderizianisches Rokoko seine Höhepunkte fand.

Nach seiner endgültigen Entscheidung, Potsdam zur Sommerresidenz auszubauen, schenkte Friedrich II. im Juni 1744 das Rheinsberger Anwesen seinem Bruder, dem Prinzen Heinrich. Allerdings war ihm erst nach seiner Verheiratung mit Wilhelmine von Hessen-Kassel 1752 gestattet, hier eine eigene Hofhaltung einzurichten. In den nun folgenden fünf Jahrzehnten war Rheinsberg bevorzugter Aufenthaltsort Heinrichs. Das Schlossgebäude blieb im Äußeren weitestgehend in der von Knobelsdorff vollendeten Form erhalten, wurde jedoch 1784/1785 durch zwei Pavillonanbauten erweitert. Um so durchgreifender waren die Umgestaltungen in den Innenräumen, wo z. T. Grundrisse und Ausstattungen völlig neu geschaffen wurden. Es blieben nur fünf Räume mit Dekorationen aus der Kronprinzenzeit erhalten. Die von Prinz Heinrich v. a. nach 1763 veranlassten Veränderungen und Erweiterungen prägen das heute Erscheinungsbild der Schloss- und Parkanlage.

1766 lieferte der junge Breslauer Architekt Carl Gotthard Langhans (1732-1808) Entwürfe zur Umgestaltung der Wohnung des Prinzen Ferdinand sowie zur Neugestaltung des Treppenhauses und des Muschelsaales mit bereits deutlichen Elementen des Zopfstils. Einen letzten Höhepunkt der Innenraumkunst erlebte Rheinsberg um 1785 mit der frühklassizistischen Ausstattung der Paraderäume des Prinzen im Obergeschoss (Schlafkammer, Bibliothek, Lange Kammer) und seiner wesentlich privateren Sommerwohnung im Erdgeschoss.

Neben der Erweiterung und Ausschmückung des Parks, der Schaffung eines großen, die Landschaft erschließenden Alleensystems war auch die Ausgestaltung der Stadt, v. a. ihrer drei öffentlichen Plätze, Bestandteil des umfangreichen Gestaltungskonzepts für die Residenz des Prinzen Heinrich.

Nach dem Tode Heinrichs (1802) erbte sein Bruder, Prinz Ferdinand, Rheinsberg. In Rahmen der dringend erforderlichen Erhaltungsmaßnahmen erhielten die beiden Schlosstürme 1803 die heute für sie so charakteristischen Kegeldächer. Von 1813 bis 1843 war Ferdinands Sohn, Prinz August, Besitzer von Rheinsberg. Da kein männlicher Erbe hinterblieb, fiel die Herrschaft als „Fideikommiss-Amt" an das preussische Königshaus zurück und stand bis 1945 unter der Verwaltung der Hofkammer. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts lenkten Literaten und Künstler, wie Theodor Fontane, Adolf Menzel und Kurt Tucholsky, immer mehr die Aufmerksamkeit des beginnenden Fremdenverkehrs auf den Ort. Nach 1950 wurde im Schloss und seinen Nebengebäuden ein Sanatorium eingerichtet. Seit 1991 gehört die Liegenschaft der Stiftung Preussische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Das Schloss ist als Museum zu besichtigen.

Claudia Sommer
 

ÜBERSICHT
Rheinsberg
Paretz
Jagdschloss Stern
Schwedt
Oranienburg
Königs Wusterhausen
Caputh
 
 
 
 
© 2003 Haus Hohenzollern
 
English
Presse
Newsletter
Kontakt
Impressum
Suche
Shop
Wilhelm Barth, Schloss Rheinsberg, um 1841/42