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Schloss und Landschaftsgarten Pfaueninsel

 
  Die etwa 75 ha große, zwischen Wannsee und Kladow gelegene Havelinsel im Südwesten Berlins zählt mit ihren weitläufigen Rasenflächen, dem Bestand an nichteuropäischen Bäumen und Sträuchern und einer ungewöhnlich reichen Vogelwelt zu den schönsten Naturschutzgebieten Berlins.

Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts ließen die Hohenzollernherrscher phantasiereiche Bauwerke auf der Insel errichten, die heute Teil des einzigartigen Berlin-Potsdamer Weltkulturerbes sind.

Zur Zeit des Großen Kurfürsten war sie im Besitz des Chemikers Johann Kunkel von Löwenstern, der vor allem durch die Herstellung von Rubinglas berühmt wurde. 1793 erwarb König Friedrich Wilhelm II. die damals Kaninchenwerder genannte Insel vom Potsdamer Waisenhaus. Sie bot sich von seinem 1787 - 1791 im Neuen Garten errichteten Marmorpalais aus für Gondelfahrten an. Die von ihm auf der Insel ausgesetzten Pfauen gaben dem "rätselvollen Eiland, einer Oase inmitten der Mark" ihren heutigen Namen.

Der König ließ sich 1794 - 1799 von dem Hofzimmermeister Johann Gottlieb Brendel nach Vorbildern englischer Stiche ein kleines ländliches Lustschloss in Ruinenformen mit zwei Türmen errichten, die ab 1807 eine eiserne Brücke verband. Das Haus, ein Fachwerkbau mit Eichenbohlen verkleidet, sollte mit seinem "gesandelten" Ölfarbenanstrich und aufgemalten Fugen den Eindruck einer steinernen Quaderung hervorrufen. Auch die erlesene, original erhaltene Innenausstattung wurde von der lebhaften Anteilnahme des Bauherrn und insbesondere der Gräfin Lichtenau geprägt. Als langjährige Favoritin Friedrich Wilhelms II. hatte die ehemalige Dessauer Waldhornistentochter Wilhelmine Encke sein Vertrauen gewonnen und beaufsichtigte nun mit sicherem künstlerischem Geschmack die königlichen Bauvorhaben. Die Räume im Erd- und Obergeschoss wurden mit eleganten Mahagonimöbeln versehen; die farbenfrohen Papiertapeten stammten aus der Berliner Manufaktur von John Christian. Stuckarbeiten, Wand- und Deckenmalereien sowie Fußböden aus Edelhölzern bestimmen den Charakter der Zimmer und sind zugleich ein Beispiel für die hohe handwerkliche Kunstfertigkeit dieser Epoche im Berliner Raum.

Anfang des 19. Jahrhunderts schufen sich Friedrich Wilhelm III. und seine Gemahlin Luise mit ihren Kindern hier einen bürgerlich anmutenden Sommersitz. 1822 gestaltete Peter Joseph Lenné die naturbelassene Insel zu einem prachtvollen englischen Landschaftsgarten nach dem Vorbild des Pariser Jardin de Plantes aus. Die in dieser Zeit angelegte Menagerie bildete später den Grundstock des Berliner Zoologischen Gartens.

Neben dem Schloss, dem 1803/1804 von Friedrich Ludwig Carl Krüger begonnenen und 1824 - 1826 von Karl Friedrich Schinkel unter Verwendung einer Danziger gotischen Patrizierhausfassade umgebauten Kavalierhauses in der Nähe einer luftigen Voliere, fallen besonders das 1795 errichtete Kastellanshaus, das 1829/1830 nach Entwürfen Schinkels erbaute Schweizerhaus und der 1833 von Albert Dietrich Schadow errichtete Fregattenschuppen auf.

Im nordöstlichen Bereich der Insel war schon 1799 ein aus mehreren Gebäuden bestehendes landwirtschaftliches Anwesen mit einer Meierei als Hauptbau entstanden. Ausgeführt wurde dieses Bauwerk, das sich als derbes Bauernhaus inmitten der künstlichen Ruine eines Klosters präsentiert, ebenfalls nach Entwürfen des Potsdamer Zimmermeisters Brendel. Der im Obergeschoss gelegene mit gotisierenden Dekorationsmalereien und Stuckornamenten reich geschmückte Festsaal ist mit seiner sparsamen Möblierung aus rosshaarbezogenen Mahagonisitzmöbeln und einem Schlangenfußtisch sowie einer Platte aus "orientalischem" Achat weitgehend original erhalten.

In Sichtweite der Meierei wurde 1829 ein Gedächtnistempel für Königin Luise unter Verwendung des ursprünglichen Sandstein-Portikus von ihrem Charlottenburger Mausoleum errichtet.

Rudolf  G. Scharmann
 

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Lustschloss in Ruinenform auf der Pfaueninsel, erbaut 1794-1799 von Hofzimmermeister Johann Gottlieb Brendel