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Tsingtau (Qingdao)

 
 
Blick auf die felsigen Buchten der Stadt. Links die Gouverneursvilla, rechts die moderne Stadt. Foto: Thomas Natkowski
Die „Grüne Insel“ war einst das preussische Tor zum Reich der Mitte. In der Bucht von Kiautschou sicherte sich das deutsche Kaiserreich im Jahre 1897 nach zähen Verhandlungen seinen Zugang nach China. Heute ist das einstige Fischerdorf Tsingtau eine moderne und prosperierende Hafenstadt. Doch die Spuren der Geschichte sind noch ersichtlich.

Während die britische Krone seit Mitte des 19. Jahrhunderts bis tief in das chinesische Hinterland Handelskonzessionen eröffnet und damit ihre koloniale Vormachtstellung im fernen Asien festigen kann, verhandelt der deutsche Gesandte Edmund Freiherr von Heyking seit seiner Ankunft im Jahre 1896 über eine Flottenstation an der ostchinesischen Küste. Dabei galt es neben den chinesischen vor allem die konkurrierenden russischen und englischen Ansprüche zu beachten. Die Ermordung zweier Missionare im Süden der Provinz Schantung (Shandong) nimmt Kaiser Wilhelm II. zum Anlass, die Besetzung der Bucht Kiautschou im Osten der Provinz zu befehlen. Als die Russen Einspruch anmelden, wird der Befehl zurückgenommen, doch ist die Besetzung schon vollzogen. 1898 wird die Bucht für 99 Jahre offiziell deutsches Pachtgebiet. 

Der preussische Kolonialmacht gelingt in den folgenden Jahren der Aufbau einer Musterstadt. Aufgrund einer regulierten Parzellierung werden Grundstücksspekulationen verhindert und eine erfolgreiche Ansiedelung von Ausländern wie auch Chinesen ermöglichte. Die Stadt wurde Flottenstützpunkt und schnell ein bedeutender Handelshafen. Es werden Brauereien, Bildungs- und Freizeiteinrichtungen, Krankenversorgung eingerichtet und im Jahre 1904 die Schantung-Bahn eröffnet. Sie verbindet fortan die Hafenstadt mit der Provinzhauptstadt Jinan. 


Rathaus und früherer Sitz des Gouverneurs an der ehemaligen Wilhelmstrasse. Foto: Thomas Natkowski
Zu Zeit der Gründung im Jahre 1898 besucht Prinz Heinrich als erster europäischer Prinz China, verbrachte danach einige Zeit in Kiautschou und insgesamt zwei Jahre in Ostasien. Er vertrat dabei seinen Bruder, Kaiser Wilhelm II, und nahm zum Beispiel an der Weihung des Shanghaier „Iltis“- Denkmals zum Gedenken des im Sturm an der chinesischen Küste gesunkenen Kriegsschiffes teil. Erfolgreich waren seine Treffen mit Kaiser Guangxu und seiner Tante, der berühmten Kaiserin-Witwe Cixi, die ihn explizit zu sehen wünschte. Sie bildeten gewissermaßen einen versöhnlichen Abschluss der schwierigen Verhandlungen nach der Besetzung der Bucht Kiautschous.

Mit Ausbruch des ersten Weltkrieges besetzen japanische Truppen die Stadt und beenden faktisch, was der Versailler Vertrag rechtlich nachvollzieht: den deutschen Hoheitsanspruch über Tsingtau. Auch in anderen chinesischen Städten, wie z.B. in Shanghai, wird deutsches Eigentum an die Siegermächte transferiert.

Doch trotz der kurzen deutschen Geschichte und den eindeutig imperialen Interessen des Deutschen Reiches zu jener Zeit, darf man dem Engagement in Tsingtau heute auch als in eher positives Kapitel deutscher Kolonialgeschichte angesehen werden. Neben der chinesischen Wertschätzung deutscher Ingenieurskunst und Industrieprodukte, hat sich bis heute ein Vertrauen in deutsche Gesetzgebung und Verwaltung erhalten. Dies ist vielleicht auch ein Grund für die nennenswerten Bemühungen der Stadt um den Erhalt der deutschen Architektur jener Zeit im europäischen Viertel Tsingtaus. Mehr noch: im Jahre 1989 wurde das ehemalige Gouvernementgebäude, ein im wilhelminischen Stil gehaltenes, späteres Rathaus der Stadt, von den Kommunisten um sein Ebenbild ergänzt. Und das Bier der Marke „Tsingdao“ ist heute eine der bekanntesten und beliebtesten Marken Chinas.



Thomas Natkowski
 

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