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Das „Achilleion“ auf Korfu

 
 
Das Achilleion um 1900
Erbaut: 1888 – 1892 im Auftrag der Kaiserin Elisabeth von Österreich; von 1907 – 1918 im Besitz Kaiser Wilhelms II.

Schon in jungen Jahren begann Elisabeth von Österreich längere Aufenthalt auf der griechischen Insel Korfu zu nehmen, da sie das Klima als ihrer Gesundheit zuträglich ansah. Bald entwickelte sie eine große Leidenschaft für die griechische Mythologie. Mit Begeisterung las sie die Werke Homers, lernte Alt- und Neugriechisch. Die Rastlosigkeit, mit der Elisabeth vor allem in späteren Jahren quer durch Europa reiste, möglichst weit entfernt vom Hof in Wien, ist bekannt. Als Elisabeth im Jahr 1888 daran ging, sich auf Korfu ein Schloss ganz nach ihrem Geschmack bauen zu lassen, schöpfte ihr Gemahl Kaiser Franz Joseph Hoffnung, dass sie dort zur Ruhe käme – ganz besonders nach dem tragischen Selbstmord ihres einzigen Sohnes Kronprinz Rudolf im Januar 1889. So war er auch bereit, die immense Summe von 9 Millionen Goldfrancs zur Verfügung zu stellen, die der Bau und die Ausstattung des Schlosses kosteten. Elisabeth nannte es „Achilleion“, als Referenz an ihren Lieblingshelden Achilles. 

Erste Pläne erstellte Alexander von Warsberg, ein großer Griechenlandkenner und häufiger Begleiter Elisabeths auf ihren Reisen. Als er 1889 starb, wurde August von Buglicht zu seinem Nachfolger berufen, der den Architekten Rafaele Carito aus Neapel mit der Ausführung und Planung des Schlosses beauftragte. Für die Innenausstattung wurden italienische Künstler wie Postiglione und Galloppi, aber auch der Makart Schüler Franz Matsch gewonnen. Das 1892 im klassizistisch-pompejanischen Stil fertiggestellte Schloss, das eigentlich eher einer großen Villa gleicht, entspricht dem Historismus des 19. Jahrhunderts – und dem ganz persönlichen Geschmack Elisabeths, die schon kurze Zeit später die Freude daran verlor und immer seltener dort Aufenthalt nahm. 

Nach der Ermordung der Kaiserin im Jahr 1898 erbte deren Tochter Gisela, verheiratet mit dem bayerischen Prinzen Leopold, den Besitz auf Korfu. Diese zeigte wenig Interesse, und verkaufte das „Achilleion“ im Jahr 1907, nach zweijährigen Verhandlungen und unter großem finanziellen Verlust, an Kaiser Wilhelm II..


Archäologische Ausgrabungen auf Korfu im Beisein Kaiser Wilhelms II.
Wilhelm II. war von Kind an ein großer Verehrer der schönen österreichischen Kaiserin. Aber ausschlaggebend für den Erwerb des „Achilleions“ waren wohl eher die herrliche Lage und das Klima, ganz besonders auch seine Leidenschaft für die Archäologie, der er auf der Insel Korfu nachgehen konnte. So wurde dort in seinem Beisein ein wertvolles Gorgonenrelief ausgegraben, über das der Kaiser selbst Aufsätze verfasste. Zudem hatte er verwandtschaftliche Beziehungen zu Griechenland: Seine Schwester Sophie war die Gattin des griechischen Thronfolgers Konstantin.

Gleich nach dem Ankauf gab Kaiser Wilhelm II. grundlegende Renovierungsarbeiten in Auftrag. Das Mobiliar lieferte die Firma Prechtel aus Berlin kostenlos, wohl in der Hoffnung, durch diese Großzügigkeit in den Adelsstand erhoben zu werden. Wilhelm II. und seine Familie verbrachten regelmäßig den Frühling auf der Insel. Die Erinnerung an die Erbauerin wurde durch das Aufstellen einer großen Statue der Kaiserin Elisabeth im Park aufrechterhalten. Diese ersetzte eine Sitzstatue des von der Kaiserin leidenschaftlich verehrten Dichters Heinrich Heine, der von Wilhelm II. weniger favorisiert wurde.

Nach dem Ersten Weltkrieg durchlief das „Achilleion“ eine wechselhafte Geschichte. Beschlagnahmt als „Feindvermögen“, diente es zunächst als Hospital für die französische Armee. Während der Diktatur der Jahre 1925/26 wurde das Schloss geplündert und das Inventar größtenteils zerstört. Im Zweiten Weltkrieges wurde es wiederum zum Militärhospital. Seit 1962 beherbergt das „Achilleion“ ein Kasino, wovon einige Räume auch als Museum in Erinnerung an die Erbauerin und den späteren Eigentümer Wilhelm II. der Öffentlichkeit zugänglich sind.

Michaela Blankart
 

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