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Cadinen

 
 
Cadinen um 1900
Das am Frischen Haff bei Elbing gelegene Cadinen (heute Kadyny/Polen) wurde erstmals im Jahre 1255 als Besitzung des Deutschen Ordens erwähnt. Im 15. Jahrhundert verpfändete ihn dieser an den Landesritter Hans von Baysen, der wenig später als Anführer des Landadels und Gegner des Ordens vom polnischen König zum preußischen Statthalter ernannt wurde. Im 17. Jahrhundert gelangte das Gut an die Grafen von Schlieben, die den Kern des heute noch erhaltenen Gutshauses errichteten. Unter dem preußischen General Wilhelm Friedrich Karl Graf von Schwerin, dessen Wappen nach wie vor den Giebel ziert, wurde das Anwesen Ende des 18. Jahrhunderts erweitert. Nach raschen Besitzerwechseln erwarb der Elbinger Kaufmann Daniel Birkner 1814 das Gut, von dessen Nachfolger es schließlich 1898 Kaiser Wilhelm II. erwarb. 

 Es dürften zunächst vor allem die wildreichen Wälder der Umgebung gewesen sein, die den passionierten Jäger für Cadinen einnahmen. Im Juni 1899 inspizierte er erstmals seine neue Erwerbung, um bereits im Oktober des Jahres in Begleitung seiner Gemahlin Auguste Victoria zurückzukehren. Diese begeisterte sich ebenfalls für den Ort und seine landschaftlich reizvolle Lage, so dass hier bald ein bevorzugter Sommeraufenthalt der kaiserlichen Familie entstand. Damit begann für Cadinen auch in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht eine Blütezeit. Das fortan als „Schloss“ bezeichnete Gutshaus wurde erweitert und der Kaiser begann sich zugleich für die Tonvorkommen der Region sowie die damit verbundene Töpfertradition zu interessieren. Im Jahre 1902 beauftragte er die Königliche Porzellan Manufaktur (KPM) in Berlin mit der Untersuchung des Cadiner Tons auf dessen Eignung zur Herstellung von Kunst- und Feinkeramik. Zwei Jahre später wurde offiziell eine Majolika-Werkstatt gegründet, deren Produktion sich zunächst auf  Nachbildungen griechisch-etruskischer Gegenstände sowie die Nachahmung italienischer Majoliken der Renaissancezeit konzentrierte.


Büste Kaiser Wilhelms II.
Bald schon waren namhafte Künstler für die Werkstatt tätig, deren Erzeugnisse auch in Berliner Sonderausstellungen präsentiert wurden. Daneben spielte die Baukeramik eine wichtige Rolle; so wurden beispielsweise mehrere Berliner Untergrundbahnhöfe, aber auch Innenräume, wie der „Cadiner Saal“ der Weingroßhandlung Kempinski oder das „Fürstenzimmer“ im Hotel Kaiserhof mit Cadiner Fliesen ausgestattet. Nach dem Ende der Monarchie verblieb die Manufaktur in Hohenzollern-Besitz, sah sich aber nun gänzlich veränderten Strukturen und Geschmacksvorstellungen ausgesetzt.  Es war vor allem der bereits 1909 als Lehrling nach Cadinen gelangte Wilhelm Dietrich, dem Wilhelm II. vom niederländischen Exil aus 1926 offiziell die gesamte künstlerische und kaufmännische Leitung übertrug und der fortan die Geschicke des Betriebs bestimmen sollte. Er entwickelte den so genannten „Cadiner Typ“, der das charakteristische Rotbraun mit einem leuchtenden Kobaltblau und Gold vereinte. 

 Der letzte private Bewirtschafter von Cadinen war der Kaiserenkel Prinz Louis Ferdinand von Preußen (1907-1994), der hier 1940 mit seiner Gemahlin und den beiden ältesten Söhnen einzog, im Januar 1945 jedoch in einem Pferdeschlitten über das gefrorene Haff die letzte Möglichkeit zur Flucht vor den nahenden sowjetischen Truppen ergriff. Das Cadiner Gutshaus ist heute Teil eines Hotelbetriebs, zu einer Wiederaufnahme der Keramikproduktion kam es bislang nicht, wenngleich sich das Haus Hohenzollern die Rechte an deren Markenzeichen gesichert hat.


Ulrich Feldhahn

 
 

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