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Vermögensauseinandersetzung

 
  Am 13. November 1918, vier Tage nach dem Sturz der Monarchie, wurde das Vermögen des Hauses Hohenzollern durch die neue Regierung beschlagnahmt. Der bisherige umfangreiche Besitz wurde unter Zwangsverwaltung des preussischen Finanzministeriums gestellt. Ein Vergleich sollte das schwierige Problem der künftigen Besitzverhältnisse regeln. Die schwierigen Verhandlungen zwischen dem vormaligen Königshaus und dem preussischen Staat dauerten acht Jahre. 

Bis 1925 wurden zwei Vergleichsvorschläge unterbreitet, die beide keine Zustimmung des preussischen Landtages fanden. Ein dritter war bereits am 12. Oktober 1925 vom preussischen Finanzminister Dr. Hermann Aschoff und von dem Generalbevollmächtigten des vormaligen Königshauses, Geheimrat Friedrich von Berg unterzeichnet worden. Doch wollte der Landtag vor einer Ratifizierung erst den Ausgang des Volksentscheids über das „Gesetz zur Enteignung der Fürstenvermögen“ abwarten. Die Abstimmung vom 20. Juni 1926 brachte zwar statt der zur Annahme des Gesetzes notwendige Stimmenzahl von 20 Millionen nur 14,4 Millionen, doch war im Anschluss daran das Königshaus zu weiteren Zugeständnissen bereit, so dass am 6. Oktober 1926 der Abänderungsvertrag zwischen dem Generalbevollmächtigten des vormaligen Königshauses und der preussischen Staatsregierung abgeschlossen werden konnte. 

Mit dem Vertrag wurde der Staat Eigentümer von 75 Schlössern mit Nebengrundstücken und Gärten. Dem Königshaus verblieben 39 Gebäude und Grundstücke, darunter in Berlin das Palais Kaiser Wilhelms I. und das Niederländische Palais, in Süddeutschland die Burg Hohenzollern, Burg Sooneck, Burg Stolzenfels und Burg Rheinstein, außerdem in Potsdam die Villen Ingenheim, Liegnitz und Alexander. Dem Kronprinzen Wilhelm und seiner Gemahlin Cecilie, sowie den Kindern und Enkelkindern wurde das Potsdamer Schloss Cecilienhof als Wohnsitz auf Lebenszeit belassen.

Das frühere Hofkammergut der Hohenzollern wurde geteilt. 50 000 ha Land verblieben dem vormaligen Königshaus, die andere Hälfte fiel an den preussischen Staat. Die Barentschädigung der Hohenzollern wurde mit 15 Millionen Reichsmark festgesetzt.

Die Kroninsignien (Zepter, Reichsapfel, Reichssiegel, Reichsfahne und Reichshelm), die das Königshaus bereits früher den Staatlichen Schlössern und Gärten leihweise überlassen hatte, gingen in den Besitz des Staates über, während die Kronjuwelen dem Königshaus verblieben. 

Für das Hausarchiv der Hohenzollern wurde eine gemeinsame Verwaltung vereinbart. Die Bestände des Hohenzollernmuseums Schloss Monbijou verblieben im Besitz des Königshauses. Ihre Verwaltung übernahm der Staat, der diese Aufgabe 1927 der Schlösserverwaltung übertrug.

In den Wirren des Zweiten Weltkrieges konnte nur ein Bruchteil des im Vertrag über die Vermögensauseinandersetzung dem Haus Hohenzollern zugesprochenen Besitzes gerettet werden. Die Mehrzahl der Gebäude und Grundstücke, die dem Königshaus verblieben waren, wie die prächtigen Palais Unter den Linden mit ihrer kostbaren Ausstattung, waren zerstört. Der Grundbesitz des vormaligen Königshauses lag überwiegend im Osten Deutschlands und galt nach dem Ende des Krieges als enteignet. So hatte allein das Thronlehen Oels in Schlesien mit 15 Rittergütern und Forsten einen Umfang von ca. 10 000 ha.

 Heute befindet sich nur noch die Burg Hohenzollern im Privatbesitz des Hauses Hohenzollern. Der Landbesitz ist völlig verloren.

Jörg Kirschstein


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