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Königlich Preussische Porzellan-Manufaktur

 
  Als im Herbst 1763 König Friedrich II. von Preussen vom Berliner Kaufmann Johann Ernst Gotzkowsky dessen zwei Jahre zuvor gegründete Porzellanmanufaktur erwarb, erfüllte er sich einen seit seinem Regierungsantritt stark gehegten Wunsch: den Besitz eines eigenen, preußischen Unternehmens zur Herstellung dieses hoch repräsentativen Materials. Dank der Vorarbeit der Gotzkowsky-Manufaktur, deren technisches Vermögen und künstlerisches Potential zu großen Teilen den im Siebenjährigen Krieg in Meissen abgeworbenen Fachkräften zu verdanken war, blieben der nunmehr Königlichen Porzellan-Manufaktur (KPM) alle Anfangsbeschwerden in der Herstellung eines so komplexen Kunstprodukts erspart.

Die ersten Bestellungen des Königs, der sich einmal als sein eigener bester Kunde bezeichnete, beinhalteten weitgehend Ergänzungen zu den in Meissen als Kriegstrophäe erworbenen Tafelservicen. Doch bereits 1765 machte eine Servicebestellung für das Neue Palais in Potsdam den Auftrakt zu einer langen Reihe von insgesamt nicht weniger als 21 großen Hofservicen  für die königlichen Schlösser, die nach und nach die Meissener Tafelgeschirre ersetzten - eine Zahl, die kein anderer Hof in Europa erreichte. Vasen, Figuren, Uhrgehäuse, Toilettservice, Kronleuchter und Spiegelrahmen zur Ausstattung der neuen Appartements folgten. Friedrich II. schöpfte bald auch geschickt die wirksamen Möglichkeiten aus, die Porzellan als sehr geschätztes, diplomatisches Geschenk entfalten konnte. Ganze Tafelservice, aber auch repräsentative Einzelwerke ließ er aus verschiedensten Anlässen für fremde Höfe anfertigen.

Die große Aufmerksamkeit, die Friedrich II. seiner Porzellanmanufaktur zukommen ließ, teilten nicht alle seiner Nachfolger in gleichem Maße, obwohl sie ohne Ausnahme das Unternehmen als Quelle für Geschenke, zur Ausstattung der Hofhaltung und zu Repräsentationszwecken nutzten. Friedrich Wilhelm II. etablierte eine Kommission, die fortan zwischen der Direktion und dem König als Verwaltungsorgan wirkte. In seiner Regierungszeit begann die KPM regelmäßig an den Akademie-Ausstellungen teilzunehmen. Nicht nur die betriebseigenen Meister, sondern auch für Einzelaufträge zugezogene Künstler nahmen nun Einfluss auf Formgestaltung und Dekoration der Porzellane. Seit Friedrich Wilhelm II. erhielten zudem die preussischen Prinzessinnen als Aussteuergeschenk ein umfangreiches, dem zukünftigen Lebensbereich angemessenes Tafelservice der KPM zur Hochzeit - eine Maßnahme mit nicht unerheblicher Werbewirkung.

Unter Friedrich Wilhelm III. erreichte die KPM eine weitere künstlerische Blüte, die besonders technischen Erfindungen im Bereich der Malerei zu verdanken waren. Trotz den Rückschlägen in der Zeit der französischen Besetzung, während der die Manufaktur unter französische Administration gesetzt wurde, entwickelte sich die KPM im zweiten und dritten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts zu einer besonders in der Vedutenmalerei führenden Porzellanmanufaktur in Europa. Vasen und Dessertservice mit Potsdamer und Berliner Ansichten brachten die Pracht der preussischen Kulturlandschaft voll Stolz an fremde Höfe oder erinnerten die Prinzessinnen an ihre Heimat. Schinkel, Hesse und Stüler - um nur drei herausragende Berliner Künstler zu nennen - lieferten Entwürfe zu neuen Vasenmodellen, Porzellantischen und Tafelaufsätzen für die Ausstattung der königlichen Appartements und für den freien Verkauf.

Von Friedrich Wilhelm IV. bis hin zu Wilhelm II. entwickelte sich die Manufaktur ähnlich wie andere herausragende Porzellanmanufakturen: der Kampf gegen die preiswerte Konkurrenz aus Böhmen, Thüringen und Schlesien, der Wettstreit der Stile an den großen Industrieausstellungen, die rasend schnelle technische Entwicklung und veränderte Anforderungen der materiellen Kultur zeichneten auch die Berliner Porzellanmanufaktur. Die öffentliche Diskussion um die künstlerische und technische Qualität ihrer Produkte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zeigt, dass sie längst nicht mehr die vom Königshaus direkt beeinflusste, privilegierte Unternehmung war, sondern sich ganz allgemeinen Anforderungen als wirtschaftliche Unternehmung von großer Breitenwirkung stellen musste.

Mit dem Umzug aus dem Stadtzentrum an den Tiergarten 1871/73 und den damit verbundenen aufsehenerregenden Modernisierungen - wie etwa dem ersten gasgefeuerten Ringkammerofen - wurde die KPM gegen Ende des Jahrhunderts erneut zu einem Vorzeigebetrieb der preussischen Wirtschaft. Wie weit sie sich künstlerisch vom höfischen Geschmack gelöst hatte, zeigen ihre revolutionären Glasurporzellane und die figürlichen Schöpfungen im Geist des Jugendstils, die der KPM in Fachkreisen große Anerkennung brachten. Die damit verbundenen modernen, technischen Entwicklungen, wie etwa die wolkige Blumen-Weichmalerei, eine erweiterte Unterglasurfarbenpalette oder raffinierte Reliefvergoldungen, setzte die Manufaktur geschickt auch bei den Neurokoko-Schöpfungen für das Kaiserhaus ein. Zahlreiche Entwürfe im historischen Archiv der KPM  zeugen heute noch davon, wie sich damit die Porzellanmanufaktur bezüglich der Arbeiten für das preussische Königshaus seit ihrer Gründung vom ausführenden Zulieferer für höchste höfische Ansprüche zum Geschmacks-mitprägenden kunstgewerblichen Institut verändert hatte.

Nach der Verstaatlichung 1918 und der Bezeichnung "Staatliche Porzellan-Manufaktur" nennt sich das Unternehmen seit den späten 1980er Jahren - anknüpfend an ihre eigene Geschichte - erneut "Königliche Porzellan Manufaktur KPM Berlin".

Dr. Samuel Wittwer


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