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Deutscher Zollverein

 
  Als nach 1814 die von Napoleon gegen England errichtete Kontinentalsperre aufgehoben wurde, strömten in gosser Zahl englische Waren, insbesondere Textilien, nach Deutschland. Die neuen Staaten versuchten, sich dem entstehenden Wettbewerbsdruck durch die Erhebung von Importzöllen zu entziehen. Die Konsequenzen dieser Politik waren noch nachteiliger als die der Kontinentalsperre. Denn statt im wesentlichen einer wurden nunmehr viele Zollmauern errichtet. Der deutsche Wirtschaftsraum war nach dem Wiener Kongress in 38 Zollsysteme aufgegliedert, was den Binnenhandel wesentlich beeinträchtigte.

Der Wirtschaftswissenschaftler Friedrich List erkannte die nachteilige Wirkung der Zollzersplitterung. Er verfasste 1819 eine Bittschrift an den Bundestag in Frankfurt, alle deutschen Staaten in einem einheitlichen Zollgebiet zu vereinigen. Doch vergeblich. Er wurde als Demagoge verdächtigt und zu Festungshaft auf dem württembergischen Asperg verurteilt. Später wanderte er nach Amerika aus.

Doch seine Idee ging nicht unter. Sie wurde von Preussen aufgegriffen, das infolge seiner eigenen Gebietszersplitterungen durch die verschiedenen Zollsysteme besonders benachteiligt war. Der Finanzminister Friedrich von Motz begründete1828 mit Hessen-Darmstadt in einem ersten Schritt den Preussisch-Hessischen Zollverein. Ihm schlossen sich nach und nach die anderen deutschen Staaten – mit Ausnahme Österreichs – an. Es kam zum Deutschen Zollverein. Weil die Zollerträge nach der Bevölkerungszahl und nicht nach dem Außenhandelsvolumen auf die Bundesstaaten verteilt wurden, hatten auch die wirtschaftlich schwächeren Staaten einen Anreiz beizutreten. Als letzter Staat trat Hamburg im Jahr 1888 dem Deutschen Zollverein bei. Es wollte sich einen Freihafen sichern, was ihm schließlich auch gewährt wurde.

Der Deutsche Zollverein erwies sich als außerordentlich effiziente Organisation. Sie erleichterte den Handelsverkehr, förderte die Einheit von Maß, Gewicht und Währung und kam dabei ohne wesentliche Bürokratie aus. Der Zollverein trug wesentlich zur Einigung Deutschlands bei. Seine Existenz endete zum Ende des ersten Weltkriegs, als mit der Weimarer Reichsverfassung alle Zollangelegenheiten, die bis dahin Ländersache waren, beim Reich vereinigt wurden.

Prof. Dr. Charles B. Blankart


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