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Calvinismus

 
  1613 trat in Kurbrandenburg Johann Sigismund zum Calvinismus über. Der Versuch, auch die Untertanen dorthin zu bekehren scheiterte allerdings. Die Stände widersetzten sich dieser Absicht des Kurfürsten und erlangten durch einen Revers von 1615 den dauernden Bestand des lutherischen Bekenntnisses garantiert. So kam es, dass das Herrscherhaus calvinistisch und die Bevölkerung lutherisch blieben.

Neben Wittenberg und Zürich schuf sich im 16. Jahrhundert ein drittes Zentrum der Reformation in Europa, Genf. Geschuldet war dies dem Wirken eines einzelnen erstaunlichen Mannes, Johann Calvin (1509-1564). In seiner Person verband sich in ganz eigentümlicher Weise, das reformatorische Streben nach einer Erneuerung der christlichen Kirche mit dem Freiheitsdrang der Stadt Genf, die sich 1531 von Savoyen löste und den Anschluss an die Eidgenossenschaft vollzog.

Es entstand ein sehr rational geprägter und nüchterner Protestantismus, der sich schon dadurch in ganz deutlichem Gegensatz zum Katholizismus befand, welcher wiederum in der Gegenreformation die Entscheidung suchte. Calvin und Loyola bestimmten das Feld.

Drei Dinge sind am Calvinismus auffällig. Er lehrt streng die doppelte Prädestination, nach der alle Menschen von Ewigkeit her zum Heil oder zur Verdammnis bestimmt sind, damit sich im Guten wie im Bösen ausschließlich die Selbstverherrlichung Gottes verwirkliche. Er vermittelt im Abendmahlsstreit zwischen Luther und Zwingli, indem er zwar auch die leibliche Gegenwart Christi im Sakrament leugnet. Das Abendmahl selbst aber nicht auf eine sinnbildliche Handlung beschränkt, sondern in ihm eine Gnadengabe Gottes sieht, in der, der im Himmel befindliche Leib Christi, in geistlicher Weise gespendet wird. Nach außen am sichtbarsten ist aber noch immer die radikale Reform des Kultus. Die Messe ist gänzlich abgeschafft. Der Gottesdienst kennt nur noch Predigt, Gebet und Gesang. Die Feiertage werden mit Ausnahme der drei hohen Feste und der Sonntage beseitigt. Alle Altäre, Bilder, Orgeln, selbst Kreuze und Kerzen werden aus den Kirchen verbannt.

Der Calvinismus fand große Verbreitung in der Schweiz, in Frankreich, am Niederrhein und in der Pfalz, in England und den Niederlanden. Seine entscheidende Bekenntnisschrift ist der Heidelberger Katechismus von 1663.

 Thomas Roloff


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