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Wilhelm II. Fortsetzung

 
 
Prinz Wilhelm 1862
Hinzpeter begleitete Wilhelm und seinen nächstälteren Bruder Heinrich im Jahr 1874 nach Kassel, wo beide das Gymnasium besuchen sollten. Die Schulbildung auf einer öffentlichen Schule fortzusetzen, galt für Prinzen als revolutionär. Dennoch kann man nicht von einem „normalen“ Gymnasiasten-Leben sprechen: Wilhelm und Heinrich lebten isoliert mit ihren Betreuern, nahmen nur an ausgewählten Schulstunden teil und durch intensive Vorbereitung in Einzelunterrichten wurde ein schlechtes Abschneiden bei Prüfungen vermieden. Trotzdem erlebte Wilhelm in diesem Jahren eine Art „Normalität“ und die Möglichkeit zur Freundschaft mit Schulkameraden, die ein Leben lang halten sollte.

Nach dem Abitur im Jahr 1877 studierte Wilhelm Rechts- und Staatswissenschaften an der Universität Bonn – einer Tradition seiner Familie folgend. Soweit es ihm genehmigt wurde, nahm er am studentischen Leben teil und wurde Mitglied der Studentenverbindung der Bonner Borussen. Die militärische Ausbildung lief parallel zur schulischen, und wurde von Wilhelm mit Begeisterung angenommen.

Man beschloss Wilhelm jung zu verheiraten. Schon mit 22 Jahren vermählte er sich mit der gleichaltrigen Auguste Victoria zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, aus liberalem Elternhaus und die Tochter von Freunden seiner Eltern. Diese hofften, nunmehr durch Wilhelms junge Frau Einfluss auf dessen politische Ideen zu gewinnen. Doch war Auguste Victoria Wilhelm bedingungslos ergeben, stand allem was er sagte und tat, kritiklos bewundernd gegenüber. Wahrscheinlich war es genau diese Haltung, die der von seinen Eltern ewig kritisierte Wilhelm schätze und brauchte. Aus der glücklichen Ehe gingen sechs Söhne und eine Tochter hervor.

Als Wilhelm I. am 9.3.1888 starb, war sein Sohn Kronprinz Friedrich Wilhelm bereits von schwerer Krankheit gezeichnet – er starb nach nur 99 Tagen Regierungszeit an Kehlkopfkrebs. Friedrich III., wie er sich nach der Thronbesteigung nannte, war es nicht möglich, seine liberalen Ideen zu verwirklichen.

Das Interesse der Politik hatte sich von Anfang an auf dessen Sohn und Nachfolger Wilhelm konzentriert.


Kaiser Wilhelm II. 1939
Die Regierungszeit Wilhelms II. zu beurteilen fällt schwer und ist bis heute Thema von Diskussionen und unterschiedlichen Wertungen in Historikerkreisen. Aufgrund innenpolitischer Differenzen trennte er sich bereits 1890 von Bismarck. Zu den positiven Resultaten seiner Regierung gehören die Aufhebung des Sozialistengesetzes, die deutliche Verbesserung der Sozialpolitik und die Verabschiedung des bis heute gültigen Bürgerlichen Gesetzbuches. Unbestritten ist seine Rolle als Förderer des technischen Fortschrittes und der Wissenschaft. Das heutige Max-Planck-Institut hat seine Ursprünge in der „Kaiser Wilhelm Gesellschaft“. Grösstes Interesse zeigte er an neuen Erfindungen wie Automobile und ersten Flugzeugen. Er sah sich selbst als Kunstkenner und glaubte darin der Tradition seiner künstlerisch hochbegabten Mutter zu folgen. In diesem Punkt stand er Neuerungen allerdings weit weniger aufgeschlossen gegenüber – denke man an seine Kommentare zu neuen Wegen in der Malerei wie dem Impressionismus oder gar Expressionismus.

Die innenpolitischen Erfolge standen im Gegensatz zur Aussenpolitik. Sein Ziel „Deutschland einen Platz an der Sonne zu erobern“ und seine darauf ausgerichtete Politik, verprellten Russland und Grossbritannien, die sich daraufhin mit Frankreich verbündeten. Besonders zu England sah er sich in ständiger Konkurrenz – trotz oder gerade aufgrund seiner englischen Mutter. Die deutsche Flottenaufrüstung belastete das Verhältnis.

Die Bündnistreue mit Österreich führte Deutschland 1914, nach der Ermordung des österreichischen Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand, in den Ersten Weltkrieg. Paul von Hindenburg wurde die oberste Heeresleitung übergeben. Die Rolle und Verantwortung Wilhelms II. wird von Historikern kontrovers diskutiert.

Nach dem verlorenen Krieg und mit Ausbruch der Novemberrevolution, wurde Kaiser Wilhelm II. am 9. November 1918 zur Abdankung gezwungen. Die Urkunde unterzeichnete er am 28.11.1918 im niederländischen Exil, wo er kurze Zeit später mit dem Ankauf von Haus Doorn einen neuen Familiensitz für sich und seine Familie schuf. Bereits durch Krankheit geschwächt, folgte Kaiserin Auguste Victoria ihrem Mann in die Niederlande, wo sie am  11. April 1921 verstarb. Seinen Kindern war die Möglichkeit erhalten geblieben, in Deutschland zu leben. In seiner Einsamkeit beschloss er, eine zweite Ehe einzugehen. Am 5. November 1922 heiratete er die ebenfalls verwitwete Hermine, geborene Prinzessin Reuss ä. L.. Die Monotonie seines Lebens im Doorner Exil wurde durch zahlreiche Besuche aus Deutschland unterbrochen. Bekannt ist seine Leidenschaft für das Fällen von Bäumen, die eigentümlich erscheint, aber dem in seinem Bewegungsradius sehr eingeschränkten Kaiser auch zum Erhalt seiner körperlichen Fitness diente. Von politischer Betätigung hielt er sich fern. Mit grosser Sorge beobachtete er den aufkommenden Nationalsozialismus in Deutschland und sparte nicht an offener Kritik.

Am 4. Juni 1941 starb Kaiser Wilhelm II. in Haus Doorn, in dessen Park er seinem Wunsch gemäss auch beigesetzt ist.

Michaela Blankart

 
 
 
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