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„Der 99-Tage-Kaiser“

 
  Trotz seiner heftigen Abneigung gegen den Krieg, wurde Friedrich Wilhelm zum erfolgreichen Militär. Seine ersten Erfahrungen machte er im deutsch-dänischen Krieg von 1864. Gegen Österreich (1866) war er Oberkommandierender der II. Armee und erzielte mit dem Sieg in der Schlacht bei Königgrätz grosse Popularität. Im Anschluss daran setzte er durch – in seltener Einigkeit  mit Bismarck - , dass Österreich in den Friedensverhandlungen von Nikolsburg geschont wurde. Im Krieg gegen Frankreich (1870/71) kommandierte er die III. Armee, in der preussische und süddeutsche Kontingente zusammengefasst waren, und wurde nach gewonnener Schlacht als „Held von Wörth“ verehrt. Mit der Reichsgründung von 1871 wurde sein Vater Wilhelm I. zum Deutschen Kaiser ausgerufen, ein Titel, den er nur nach langen Auseinandersetzungen mit dem Sohn anzunehmen bereit war, bevorzugte er doch „Deutscher Herzog“ oder „König der Deutschen“.

Kaiser Wilhelm I. wurde 91 Jahre alt, die Kronprinzenzeit für seinen Sohn Friedrich Wilhelm somit sehr lang. In den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts hatte er so gut wie keine Machtbefugnisse. Zusammen mit seiner Frau wurde er zum anerkannten Sammler und Förderer der Künste, vor allem des Kunstgewerbes. Die Errichtung des Kunstgewerbemuseums in Berlin geht auf die Initiative des Kronprinzenpaares zurück. In ihren Salons trafen sich bedeutende Vertreter von Wissenschaft und Kunst. Man reiste viel – häufige Besuche führten zu Victorias Familie nach England, aber auch Italien war ein beliebtes Reiseziel. Die Winter verbrachte man im Kronprinzenpalais zu Berlin, doch als eigentliches Heim der Familie wurde das Neue Palais zu Potsdam betrachtet. Durch die großzügige Mitgift Victorias konnte es umgestaltet und modernisiert werden, und diente als Sommerresidenz. Von dort aus besuchte man das Krongut in Bornstedt, wo es Victoria gelungen war, eine Musterlandwirtschaft nach englischem Modell zu etablieren. Das ganze Dorf war in die Planungen der Kronprinzessin einbezogen. Bald gab es eine Schule und ein Tagesheim zur Betreuung der Kinder von Landarbeitern. Die Kirche zu Bornstedt wurde ausgebaut und umgestaltet.

So herzlich das Verhältnis der Eltern zu den jüngeren Kindern war, so problematisch war es zu dem ältesten Sohn Wilhelm, dem späteren Kaiser Wilhelm II. In Opposition zu seinen Eltern schloss sich dieser immer mehr dem Kreis um seinen Großvater Wilhelm I. an, und verstand es, diesen gegen seine Eltern auszuspielen.

Anfang des Jahres 1887 zeigten sich bei Friedrich Wilhelm erste Anzeichen einer Krankheit, die zunächst als hartnäckige Halsschmerzen, verbunden mit Heiserkeit, angesehen wurden. Ärzte wurden zu Rate gezogen, und als die Beschwerden schlimmer wurden, zog man einen englischen Experten, Dr. Morell MacKenzie hinzu. Daraus resultierte im Verlauf der Krankheit eine Rivalität zwischen den deutschen und englischen behandelnden Ärzten, die nahezu zur Staatsaffäre wurde. MacKenzie hielt eine Operation für unnötig, die viele Risiken mit sich brachte. Verständlicherweise klammerte sich das Kronprinzenpaar an diese optimistische Auslegung. Deutsche Ärzte, wie Professor von Bergmann - gestützt vom ältesten Sohn des Kronprinzenpaares - hielten den Eingriff für die einzige Chance, Friedrich Wilhelms Leben zu retten. Erst gegen Ende des Jahres 1887 wurde die Diagnose Kehlkopfkrebs auch von den englischen Ärzten erkannt. Besonders der Kronprinzessin wurde vorgeworfen, durch ihre Favorisierung der Engländer lebensrettende Maßnahmen verhindert zu haben.

Als Kaiser Wilhelm I. am 9. März 1888 starb, war sein Sohn, der ihm als Friedrich III. auf den Thron folgte, bereits schwer von seiner Krankheit gezeichnet. Von politischer Seite setzte man schon auf dessen Nachfolger Prinz Wilhelm. Nur unter großen Mühen konnte Friedrich III. von seinem Kuraufenthalt in San Remo nach Berlin zurückkehren um die Regierungsgeschäfte zu übernehmen. Schon seit Monaten hatte er die Stimme verloren und konnte nur über Notizzettel kommunizieren.

Das neue Kaiserpaar nahm Residenz in Schloss Charlottenburg, wo es im April noch den Besuch der Schwiegermutter Queen Victoria empfing. Anfang Juni wurde der Wohnsitz in das Neue Palais zu Potsdam verlegt, das er mit Regierungsantritt in „Friedrichskron“ umbenannt hatte. Am 15. Juni 1888, nach nur 99 Tagen der Regierung, starb Friedrich III. dort unter großen Qualen. Seine letzten „Worte“, geschrieben auf einen seiner „Sprechzettel“ waren: „Victoria, ich und die Kinder...“

Sein ältester Sohn, nun Kaiser Wilhelm II., ließ sofort nach Eintritt des Todes das Neue Palais von Truppen umstellen. Er befürchtete, dass geheime Staatspapiere nach England gebracht werden könnten. Bereits drei Tage später, am 18. Juni 1888, wurde Kaiser Friedrich III. in der Sakristei der Friedenskirche zu Potsdam beigesetzt. Am 18. Oktober 1890 wurde seine sterbliche Hülle in das neu fertiggestellte Mausoleum im Atrium der Friedenskirche überführt.

Michaela Blankart
 
 
 
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Kaiser Friedrich III. 1888