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Friedrich III., der „99-Tage-Kaiser“

 
 
* 18.10.1831 im Neuen Palais zu Potsdam
† 15.6.1888 im Neuen Palais („Friedrichskron“) zu Potsdam
Begräbnisstätte: Mausoleum an der Friedenskirche zu Potsdam

Regierungszeit: 9.3.1888 - 15.6.1888 (99 Tage)

Vermählt am 25.1.1858 in London mit der Princess Royal Victoria von Grossbritannien und Irland

8 Kinder

Das Elternhaus, in das Friedrich Wilhelm am 18. Oktober 1831 geboren wurde, war nicht harmonisch. Als sein Vater, Prinz Wilhelm, Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach geheiratet hatte, fand er in ihr eine überaus gebildete, hochintelligente, aber eigensinnige Frau, deren liberale Ansichten im Gegensatz zu den seinen standen. Im Jahr 1838 wurde als einziges weiteres Kind Luise geboren, die später Grossherzog Friedrich I. von Baden heiratete.

Sorgfältig plante Augusta die Schulbildung ihres Sohnes. Im Jahr 1844 wurde seine Erziehung von Ernst Curtius, einem Altertumsforscher und Professor an der Berliner Universität übernommen. Friedrich Wilhelm wurde als „weich, hingebend und anschmiegend, aber auch zu heftigen Aufwallungen neigend“ beschrieben. Die militärische Ausbildung war das Ressort seines Vaters. Von 1838 bis 1849 war Karl Georg Friedrich Johann von Unruh als Militärgouverneur des jungen Prinzen abgestellt – der Beginn einer militärischen Karriere im Kindesalter war selbstverständlich. Sein Interesse an allem Militärischen wurde auch durch die enge Freundschaft mit seinem vier Jahre älteren Vetter Friedrich Karl gestärkt, der in Schloss Glienicke lebte - in Nachbarschaft zu Schloss Babelsberg, wo die Familie des Prinzen Wilhelm die Sommer verbrachte.

Die Märzrevolution des Jahres 1848 hinterließ einen tiefen Eindruck bei dem Sechzehnjährigen. Bei der Aufbahrung der Märzgefallenen sah er erstmals Tote, was einen tiefen Eindruck hinterließ: „Entsetzt, fast besinnungslos starrte ich zurück und sank in einen Sessel; die ganze Gewalt und das Furchtbare jenes Moments fühlte ich mehr als es auszusprechen ist“. Das harte Vorgehen seines Vaters Wilhelm gegen die Aufständischen hatte ihm den Beinamen „Kartätschenprinz“ eingebracht – und ihn für Monate ins Exil nach England gezwungen.

Von 1849 bis 1852 besuchte Friedrich Wilhelm an der Königlichen Rhein-Universität zu Bonn rechts- und staatswissenschaftliche sowie historische Vorlesungen. Ein Teil der Ausbildung, die für einen Prinzen damals ohne Examen zu enden hatte, wurde in Repetitorien und Gesprächskreisen mit den Professoren in seiner Wohnung absolviert. In diese Zeit fiel auch sein Kontakt mit Ernst Moritz Arndt, der wegen seiner „demagogischen Umtriebe“ lange Zeit von der Lehre ausgeschlossen war. Nach dem Studium wurde seine militärische Ausbildung in Potsdam fortgesetzt.

Auch ausgedehnte Reisen gehörten zum Bildungsprogramm eines jungen Prinzen – eine davon führte ihn im Jahr 1851 zur Eröffnung der Weltausstellung nach London. Man sagt, dass er bereits zu dieser Zeit eine Zuneigung zu der damals 10jährigen Princess Royal, der ältesten Tochter der Queen Victoria fasste. Die Bekanntschaft wurde bei seinem nächsten Besuch im Jahr 1855 vertieft und kurz vor seiner Abreise war Friedrich Wilhelm mit der jungen Victoria „inoffiziell“ verlobt - sehr begrüsst von den Eltern, die zur Zeit des Exils von Prinz Wilhelm enge Freundschaft geschlossen hatten. Die Hochzeit wurde am 25. Januar 1858 in London gefeiert.

Die Ehe wurde ausgesprochen glücklich. Das Paar hatte acht Kinder, wovon zwei im Kindesalter starben. Die anfängliche Begeisterung der Bevölkerung über die „englische Heirat“ ließ mit den Jahren nach. Victoria war außergewöhnlich intelligent, stand unter dem Einfluss ihres liberalen Vaters Prinz Albert, und hatte zu allem eine dezidierte Meinung, die sie auch offen vertrat. Bald hieß es bei Hof, dass Friedrich Wilhelm zur Marionette seiner Frau geworden sei.

Am 2. Januar 1861 starb König Friedrich Wilhelm IV. – seine Ehe mit der bayerischen Prinzessin Elisabeth war kinderlos geblieben. Die Krönung seines Bruders Wilhelms I. wurde am 18.10.1861 in Königsberg begangen, Friedrich Wilhelm war nunmehr Thronfolger. Das Kronprinzenpaar wurde zur Hoffnung der Liberalen und zwangsläufig zu Gegenspielern Bismarcks. Das hinderte Friedrich Wilhelm nicht daran, die Sozialistengesetze zu unterschreiben und der Auflösung des Reichstags zuzustimmen, als ihm sein Vater Wilhelm I. 1878 infolge eines Attentats vorübergehend die Regierungsgeschäfte überlassen hatte.
 
 
 
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Heinrich von Angeli: Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen, um 1873