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Rudolf Graf von Stillfried-Alcántara

 
 
Geschichts- und Ahnenforscher, Oberzeremonienmeister 

* Hirschberg 14. August 1804
+ Silbitz 9. August 1882

 

Rudolf v. Stillfried gehörte zu den bemerkenswertesten Persönlichkeiten am preussischen Hof des 19. Jahrhunderts. Als Sohn eines schlesischen Rittergutsbesitzers zeigte er neben seiner in Breslau, Liegnitz und Koblenz absolvierten schulischen Ausbildung sowie einem Studium der Mathematik und Rechtswissenschaften schon früh ein ausgeprägtes Interesse für Geschichte und Kunst. Nach der Erwerbung eines Ritterguts in Leipe bei Jauer machte er 1830 die Bekanntschaft mit Angehörigen der preussischen Königsfamilie, die sich im benachbarten Hirschberger Tal verschiedene Sommersitze einrichteten. Mit dem Kronprinzen und nachmaligen König Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861) besprach er bald darauf die bis dahin nur lückenhaft erforschte frühe Geschichte des Hauses Hohenzollern und erhielt den Auftrag, die hierzu erhaltenen Quellen und Zeugnisse zu sichten und auszuwerten. 

In diesem Zusammenhang besuchte der inzwischen zum Kammerherrn ernannte Stillfried 1835 erstmals die seinerzeit verfallene Stammburg der Dynastie am Rand der Schwäbischen Alb, deren Wiederaufbau er fortan unermüdlich vorantrieb und maßgeblich mitgestaltete. In seiner Rolle als Berater und Vermittler wurde er bei der in Folge der revolutionären Ereignisse von 1848/49 eingeleiteten Übernahme Hohenzollerns durch Preussen auch politisch aktiv, indem er den zunächst ablehnenden Monarchen von der Notwendigkeit eines solchen Schrittes überzeugen konnte, um eine etwaige Annektierung seiner Stammlande durch Württemberg zu verhindern. Parallel dazu erschien eine nahezu unüberschaubare Vielzahl an Publikationen des 1840 zum Zeremonienmeister, später auch Leiter des brandenburgisch-preussischen Hausarchivs sowie der königlichen Hausbibliothek ernannten Stillfried, deren teilweise luxuriöse Ausstattung Aufsehen erregte, während ihr konsequent um eine idealisierende Verherrlichung des Herrscherhauses bemühter Inhalt nicht unumstritten blieb.   

Auch bei den Mitgliedern der süddeutschen Familienzweige genoss Stillfried Ansehen und Vertrauen; so begleitete er 1858 die mit dem portugiesischen König Pedro V. (1837-1861) vermählte Prinzessin Stephanie von Hohenzollern-Sigmaringen (1837-1859) nach Lissabon und wurde hierfür zum Granden von Portugal und Grafen von Alcántara ernannt. Für seine Verdienste bei der Organisation der 1861 in Königsberg abgehaltenen Krönung König Wilhelms I. (1797-1888) wurde er zugleich in den preussischen Grafenstand erhoben. Nach einem schaffensreichen Leben verstarb der mit Ämtern und Würden förmlich überhäufte Stillfried auf dem von seiner dritten Gemahlin Carola Gräfin von Mettich (1815-1865) ererbten Schloss Silbitz bei Nimptsch und wurde in der dort von ihm errichteten neugotischen Kapelle beigesetzt. 

 
Ulrich Feldhahn
 
 
 
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Porträt Stillfrieds in der Bibliothek der Burg Hohenzollern