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König Friedrich Wilhelm IV. von Preussen

 
 
* 15.10.1795 in Berlin
† 2.1.1861 in Schloss Sanssouci
Begräbnisstätte: Gruft in der Friedenskirche zu Potsdam; sein Herz ruht im Mausoleum im Park des Schlosses Charlottenburg

Regierungsantritt: 7.6.1840; am 7.10.1858 übergibt er aus Krankheitsgründen die Regentschaft an seinen Bruder Wilhelm (I.)

Vermählt am 29.11.1823 mit Elisabeth von Bayern

Ohne Nachkommen

Gut behütet wuchs er zunächst mit seinen Geschwistern in einem bürgerlich geprägten Elternhaus auf. Doch die Ereignisse in Europa warfen ihre Schatten auch auf die Jugend des Kronprinzen. Der Zusammenbruch der französischen Monarchie und die Flucht der königlichen Familie 1806 nach Ostpreußen hinterließen bei Friedrich Wilhelm eine anhaltende Furcht vor ähnlichen Zuständen in Preussen. Mit der Erziehung des Kronprinzen und seines Bruders Wilhelm wurde anfangs Friedrich Delbrück beauftragt. Genau wie Königin Luise legte er Wert auf eine gefühlsbetonte und den Neigungen der Kinder gerecht werdende Erziehung. Doch schon 1810 wurde er entlassen, da man ihm vorwarf, den oft aufbrausenden und cholerischen Kronprinzen nicht streng genug erzogen und seine Phantasie nicht genug gestutzt zu haben. An die Stelle Delbrücks trat Johann Peter Friedrich Ancillon.

Früh zeigte sich die Vorliebe und das Talent Friedrich Wilhelms für Architektur und Kunst und seine Begeisterung für die Literatur der Romantik. Nicht ohne Beunruhigung wurde die Leidenschaft für das Musische von seiner Umgebung wahrgenommen. Bereits in jungen Jahren griff Friedrich Wilhelm intensiv in die Kulturpolitik Preussens ein. Das ihm von seinem Vater geschenkte Potsdamer Gut Charlottenhof und seine Umgebung wurden mit Hilfe von Schinkel und Lenné in ein italienisch anmutendes Ensemble verwandelt. Fern von Berlin schuf sich der Kronprinz seinen Traum von Arkadien,  in das er sich in unruhigen Zeiten immer wieder zurückzog. Sein größtes und für Preussen bedeutendstes Bauvorhaben, war die Vollendung des Kölner Doms. Hier zeigte sich neben der Begeisterung für die gotische Architektur auch das starke Interesse Friedrich Wilhelms für die Religion. Der Enthusiasmus für die Vollendung wurde von weiten Kreisen der Bevölkerung geteilt, da man in dem Kölner Dom vor allem ein Symbol für die Einheit Deutschland sah.

Einer der stärksten Kritiker Friedrich Wilhelms war sein eigener Vater, der den Interessen und Ideen seines Sohnes sehr verhalten gegenüber stand. Die Schwärmerei seines Sohnes für das Mittelalter, die soweit ging, dass er sich eine mittelalterliche Ständeordnung zurückwünschte, waren Friedrich Wilhelm III. fremd. So verwundert es auch nicht, dass der Kronprinz in der Regierungszeit seines Vaters kaum politisches Mitspracherecht hatte. In einer Zeit, in der die Auswirkung der französischen Revolution die Monarchien Europas ins Wanken brachte und auch Friedrich Wilhelm III. sich gezwungen sah, dem Volk in naher Zukunft eine Verfassung zu versprechen, wollte Friedrich Wilhelm das mittelalterliche Ständewesen erneuern und sich ohne Mitspracherecht des Volkes als König von Gottes Gnaden sehen. Eine Verfassung, wie sie vom Volk verlangt und von seinem Vater versprochen worden war, verachtete er zutiefst. In der von 1820 bis 1823 existierenden Kronprinzenkommission setzte sich Friedrich Wilhelm für die historischen Rechte von provinziellen Institutionen ein und sprach sich gegen die Reformvorschläge Hardenbergs aus.

Der Liebesheirat Friedrich Wilhelms und Elisabeth von Bayern, einer Tochter König Max Josephs I. von Bayern, stand zunächst der katholische Glaube der Braut im Weg. Nach einer langen Verlobungszeit und dem Versprechen der Prinzessin, nach der Heirat bald zum evangelischen Glauben zu konvertieren, fand die Hochzeit am 29. November 1823 in der Berliner Schlosskapelle statt. Die Hoffnungen, die insbesondere das liberale Bürgertum in Friedrich Wilhelm IV. gesetzt hatte, wurden durch seine sich auf ein geradezu mystisches Selbstverständnis als von Gott eingesetzter Herrscher stützende Ablehnung der in Aussicht gestellten Verfassung enttäuscht. Zugleich erließ er jedoch nach seinem Regierungsantritt 1840 eine Generalamnestie für verfolgte und verurteilte Demagogen, beendete den Konflikt mit der katholischen Kirche und gab den Polen in Posen und Westpreußen wieder ihre nationale Eigenständigkeit.

Auf dem 1847 einberufenen Landtag lehnte er erneut die von seinem Vater versprochene Verfassung ab. Obwohl der König versucht den Forderungen entgegenzukommen ist die Revolution nicht mehr zu vermeiden, da er in der einen, für das Volk wichtigsten Frage zu keiner Diskussion bereit ist. Als am 18. März 1848 die Barrikadenkämpfe ausbrechen, beginnt für Friedrich Wilhelm IV. die schwerste Zeit seines Lebens. Nach blutigen Kämpfen zog der König seine Truppen aus dem revolutionärem Berlin zurück. Der Ritt mit schwarz-rot-goldener Schärpe entlang den Linden und der Aufruf „An meine lieben Berliner” sollten sein Entgegenkommen zeigen. Für den König bedeuteten die Märztage ein großes Missverständnis, fast alles was das Volk verlangte hätte er ihnen auch ohne die Kämpfe gewährt.

Den Sommer über war Berlin in der Hand der Bürgerwehr, die an einer radikalen preussischen Verfassung arbeiteten. Doch schon im Herbst rückte Friedrich Wilhelm IV. mit der Armee in Berlin ein und ohne auf Widerstand zu stoßen, vertagte er das Parlament nach Brandenburg. Die Revolution war besiegt. Mit einer oktroyierten Verfassung konnte der König den Forderungen seines Volkes nun als großzügiger Sieger begegnen. Am 6.12.1849 wurde eine Verfassung verabschiedet, in der Presse- und Versammlungsfreiheit, eine unabhängige Justiz, ein – nach dem Dreiklassenwahlrecht – frei gewähltes Parlament dem Volk garantiert wurde. Diese Verfassung blieb bis 1918/19 in Kraft.

Die ihm im April 1849 durch die Frankfurter Nationalversammlung angebotene deutsche Kaiserkrone lehnte Friedrich Wilhelm IV ab. Die Kaiserkrone „mit ihrem Ludergeruch nach Revolution” war für ihn unannehmbar. Er sei sich zu gut, verkündete er, um „eine erfundene aus Dreck und Letten geknetete Krone anzunehmen, die ihm zum Knecht eines Prinzips, einer Nationalversammlung, ja auch von Fürsten und Königen macht. .... Sie verdient nur Ekel und Abscheu.” Allein von einer Fürstenversammlung hätte er die Kaiserkrone entgegengenommen.

Die Versuche Friedrich Wilhelms IV. einen kleindeutschen Bund zu schaffen, scheitert am Einspruch Österreichs und Russlands. Ab 1857 beeinträchtigten mehrere Schlaganfälle die Gesundheit des Königs, so dass sein Bruder Wilhelm die Regierungsgeschäfte übernahm. Friedrich Wilhelm IV. starb am 2. Januar 1861 in Sanssouci.

Friederike Valentien
 
 
 
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König Friedrich Wilhelm IV. von Preussen