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Königin Luise und ihre Schwester Friederike

 
 
Friedrich Georg Weitsch (1758-1828), Die Prinzessinnen Luise und Friederike von Preussen ehren ihren Schwiegervater Friedrich Wilhelm II.
Das regelmäßige und harmonische Leben der königlichen Familie - sie bewohnten im Winter das Berliner Kronprinzenpalais Unter den Linden, im Sommer Charlottenburg, Potsdam und Paretz - wurde 1798 durch einen “Skandal” empfindlich gestört, der vor allem die Königin sehr traf. Ihre Schwester Friederike war seit Dezember 1796 Witwe. Aus der unglücklich verlaufenen Ehe mit Prinz Louis, dem jüngeren Bruder Friedrich Wilhelms III., waren drei Kinder hervorgegangen. In den folgenden Jahren hatte die lebenslustige junge Frau mehrere Affären, darunter mit Louis Ferdinand, einem Onkel des Königs, der auch Luise den Hof gemacht hatte. Aus einer dieser Beziehungen erwartete Friederike ein Kind, bevor sie mit dem Gardeoffizier Friedrich von Solms-Braunfels ein Verhältnis einging. Friedrich Wilhelm III. befahl die Hochzeit beider mit gleichzeitiger Verbannung nach Ansbach unter Zurücklassung der überlebenden Kinder Friederikes aus erster Ehe, die zusammen mit den Königskindern in Berlin erzogen wurden. Damit verlor Luise ihre engste Vertraute aus Jugendtagen, der Kontakt blieb zwar erhalten - auch später im Königsberger Exil wird ihr Friederike zur Seite stehen - das frühere innige Verhältnis dürfte jedoch nie wieder hergestellt worden sein.

Die Zukunft der Prinzessin von Solms-Braunfels sollte allerdings noch glanzvoll werden. Auch in zweiter Ehe, aus der noch vier Kinder hervorgingen, war Friederike unglücklich. Herzog Karl von Mecklenburg-Strelitz versuchte bei dem Vater ihres Gemahls die Einwilligung zur Scheidung zu erhalten. Doch Friederike war unsicher; bei einer Scheidungsauseinandersetzung würde ihre voreheliche Schwangerschaft ein Streitpunkt sein und ihr Mann die Vaterschaft an dem kurz darauf gestorbenen oder weggegebenen Kind anzweifeln. In dieser Zeit weilte Ernst August Herzog von Cumberland, der fünfte Sohn Georgs III. von Großbritannien bei ihr und ihrem Vater, seinem Onkel, in Neustrelitz, um sie zur Scheidung zu überreden. Auch Friedrich Wilhelm III. hatte ihr längst verziehen; er wünschte, dass sie als Prinzessin seines Hauses den Herzog von Cumberland heirate, um damit gleichsam ein Vermächtnis seiner 1810 verstorbenen Gemahlin zu erfüllen, die ihm Friederikes weiteres Schicksal vor ihrem Tod noch anempfohlen hatte. Kurz nach Einwilligung zur Scheidung starb Friedrich von Solms-Braunfels am 24. April 1814. Vier Monate später verlobte sich Friederike mit dem Herzog von Cumberland; am 29. Mai 1815 fand die Hochzeit statt und das Paar lebte abwechselnd in Berlin, London, Neustrelitz und Hannover.

Der äußerst konservativ eingestellte Ernst August hatte es schwer in England. Königin Charlotte, seine Mutter, missbilligte die Verbindung, das Parlament lehnte eine Erhöhung der Apanage - üblich nach der Vermählung eines königlichen Prinzen - ab. Friederike wurde nie von ihrer Tante Charlotte empfangen, zu tief saßen Vorurteile und Enttäuschungen über ihre Affären nach dem Tod ihres ersten Gemahls.

1837 übernahm Ernst August nach der Thronbesteigung Victorias in Großbritannien die Regentschaft als König in Hannover, da in den welfischen Stammlanden nur die männliche Erbfolge galt. Friederike, die die reaktionären Ansichten ihres Gemahls teilte, wurde Königin; ihr Sohn, der blinde Kronprinz Georg (V.) sollte als letzter Herrscher Hannover bis zur preussischen Annexion 1866 regieren. 1841 starb Luises einstige Lieblingsschwester und wurde im Mausoleum des Berggartens von Herrenhausen beigesetzt.


Josef Grassi (1758-1838), Luise Königin von Preußen, 1802
In den Jahren 1797-1804, den sogenannten "stillen Jahren" in Luises Leben, entdeckte sie ihr Interesse an Literatur, unterstützt durch ihre Freundin Marie von Kleist, deren Neffen Heinrich von Kleist sie förderte. Vier weitere Kinder wurden in dieser Zeit geboren: Der schon erwähnten Charlotte folgte 1799 Friederike, die bereits 1800 starb. 1801 kam Prinz Carl zur Welt, zwei Jahre später Alexandrine, die zukünftige Großherzogin von Mecklenburg-Schwerin und 1804 Prinz Ferdinand, der nur zwei Jahre alt wurde.

Das politisch bedeutendste Ereignis dieser Zeit war ein Freundschaftstreffen des Königspaares mit Alexander I. von Russland in Memel 1802. Besonders auf die Königin hatte der Zar  einen tiefen Eindruck hinterlassen und für schwärmerische Verehrung gesorgt.

1804 endeten die “stillen Tage” Friedrich Wilhelms und seiner Gemahlin;  Preussen wurde von der politischen Realität eingeholt. Das Land sollte sich aus seiner Neutralitätspolitik einer antifranzösischen Koalition zwischen England, Russland und Österreich anschließen. Der friedliebende König zauderte, Luise engagierte sich für einen Beitritt zur Koalition. 1804 gelang es ihr, die Ernennung des Reichsfreiherren  Karl vom und zum Stein zu einer Art Wirtschafts- und Finanzminister und Hardenbergs zum Außenminister bei ihrem Gemahl durchzusetzen. Damit war der Weg für Reformen bereitet, wollte man sich tatsächlich mit dem durch die Revolution geprägten Frankreich messen, das besonders im Militärwesen dem veralteten absolutistischen System des friderizianischen Preussen weit überlegen war.

Der Einmarsch französischer Truppen in Ansbach bewegten den König schließlich zur Aufgabe seiner Neutralitätspolitik und 1805 zum Abschluss eines russisch-preussischen Bündnisses in Potsdam bei Anwesenheit Alexanders I. Nach dem Sieg Napoleons bei Austerlitz musste Preussen Gebietsverluste hinnehmen und ein Bündnis mit Frankreich eingehen, demonstrativ verlangte der Kaiser auch die Ablösung Hardenbergs.  Nach einem längeren Kuraufenthalt in Bad Pyrmont im Sommer 1806 - ihre Gesundheit hatte sich rapide verschlechtert - wurde Luise in Berlin immer mehr zum Dreh- und Angelpunkt verschiedener politischer Richtungen. Als glühende Patriotin stand sie der “Kriegspartei” um Prinz Louis Ferdinand und dem Militär besonders nah, ihre Popularität wuchs ungemein; bei der Armee schien sie beliebter als der ewig unschlüssige König zu sein. Einem preussischen Ultimatum mit der Forderung nach Rückzug Frankreichs aus Deutschland folgte am 14. Oktober 1806 die vollständige Niederlage Preussens in der Doppelschlacht bei Jena und Auerstädt. Luise, die sich im Hauptquartier befand und den Verlauf der Schlacht beobachtet hatte, floh über Erfurt, Göttingen, Braunschweig nach Berlin und von dort mit ihrem Gemahl und den Kindern nach Königsberg. Hatte sie vor dem Krieg noch auf subtile Art versucht, die Politik ihres Mannes zu beeinflussen, so war ihr spätestens jetzt bewusst, dass er ohne sie und ihren Beistand verloren war.

Am 27. Oktober zog Napoleon in Berlin ein und erging sich in propagandistischen Schmähungen gegen Luise, in der er seinen eigentlichen Gegner am preussischen Hof sah.

Die Vertreibung der königlichen Familie war jedoch noch nicht beendet. Nachdem alle preussischen Festungen außer Kolberg und Graudenz sich ergeben hatten und die französischen Rheinbundtruppen über Oder und Weichsel vorgestoßen und von der russischen Armee nicht aufgehalten werden konnten, floh Luise, an Typhus erkrankt und begleitet von Dr. Hufeland, im Januar 1807 bei Eiseskälte über die Kurische Nehrung nach Memel. Dort kümmerte sie sich nach ihrer Genesung um Hospitäler, Lazarette, verwundete Soldaten und empfing verdiente Offiziere, darunter Gebhard Leberecht von Blücher und Ferdinand von Schill.
 

Königin Luise, Teil 2
Königin Luise, Teil 3
 
 
 
 
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