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Auguste Gräfin Harrach, Fürstin Liegnitz

 
 
* 30.8.1800 in Prag
† 5.6.1873 in Bad Homburg v. d. Höhe
Begräbnisstätte: Mausoleum im Park des Schlosses Charlottenburg

Vermählt am 9.11.1824 als zweite Gemahlin in morganatischer Ehe mit König Friedrich Wilhelm III.

Ohne Nachkommen

Zwei Tage nach der Hochzeit verbreitete sich die Nachricht in Berlin: „Unser König hat sich vorgestern verheiratet. Wie ein Donnerschlag traf die Nachricht unter die Leute, und die meisten verweigerten ihr allen Glauben", so Karl August Varnhagen von Ense. Es war nicht ungewöhnlich, dass ein früh verwitweter Monarch eine zweite Ehe einging, doch handelte es sich hier bei der ersten Gemahlin um die vom Volk verehrte, ja fast in den Heiligenstand erhobene, jung verstorbene Königin Luise. Wer sollte ihren Platz einnehmen? König Friedrich Wilhelm III. selbst sorgte mit der Wahl seiner zweiten Frau dafür, dass sich diese Frage nicht stellte. „Eine Königin darf es nicht sein; eine Luise bekomme ich nicht wieder", wird der König zitiert.

Die Ehe mit der katholischen 24jährigen Gräfin Auguste Harrach war nicht standesgemäß, obwohl sie aus einem alten österreichischen Adelsgeschlecht stammte. Sie wurde mit dem Tag der Vermählung zur Fürstin von Liegnitz, Gräfin von Hohenzollern, erhoben, dennoch war die Verbindung morganatisch und Auguste rangierte im Protokoll hinter den jüngsten Prinzen und Prinzessinnen des Hauses. Die Hochzeit fand unter Geheimhaltung und im kleinsten Kreis statt. Um den Hof erst langsam an die neue Situation zu gewöhnen, verbrachte die Braut die ersten Tage der Ehe gemeinsam mit ihren Eltern in einem Hotel Unter den Linden.

Nicht nur die Bevölkerung stand dieser neuen Verbindung ablehnend gegenüber. In den ersten Jahren ihrer kinderlosen Ehe war die Fürstin Liegnitz großen Feindseligkeiten der Familie und des Hofes ausgesetzt. Besonders hervor tat sich Charlotte, Tochter des Königs und spätere Zarin von Russland. Diese Haltung sollte sich erst mit den Jahren ändern. Man begann einzusehen, dass der König nach der Verheiratung seiner jüngsten Tochter zunehmend vereinsamte und der Gesellschaft einer Frau bedurfte. Die bescheidene und zurückhaltende Art, mit der sich Auguste in ihre untergeordnete Rolle fügte, aber auch ihre Herzlichkeit und Wärme, überzeugten mehr und mehr. Aufopfernd pflegte sie ihren Gemahl bei Krankheiten, was ihr zunehmend den Respekt und die Zuneigung der Familie einbrachte. Das Leben mit dem wortkargen, dreissig Jahre älteren Mann war sicherlich nicht immer einfach. Auguste litt besonders unter der Rastlosigkeit des Königs, die häufige Umzüge zwischen den Residenzen in Berlin und Potsdam zur Folge hatte. Auch in religiösen Fragen passte sie sich an: Am 25. Mai 1826 trat sie zum protestantischen Glauben über.

Der Berliner Wohnsitz der Fürstin war das Prinzessinnenpalais Unter den Linden. König Friedrich Wilhelm III. hatte im Park von Schloss Charlottenburg den von Schinkel entworfenen „Neuen Pavillon" für sich und seine junge Frau erbauen lassen, wo sie jedoch nicht gemeinsam wohnten.

Als Friedrich Wilhelm III. am 7. Juni 1840 starb, trat Auguste wie gewöhnlich hinter den anderen Familienmitgliedern zurück. Bei den Trauerfeierlichkeiten im Dom konnte sie nicht anwesend sein, man hätte es schwierig gefunden, ihren Rang protokollarisch einzuordnen.

In den langen Jahren ihrer Witwenschaft behielt die Fürstin Liegnitz die Wohnung im Prinzessinnenpalais in Berlin. Viel Zeit verbrachte sie in der „Villa Liegnitz" am Eingang zum Park von Sanssouci, die sie nach ihren Wünschen von A. D. Schadow umbauen ließ. Winter und Frühling nahm sie Aufenthalt in ihrer „Villa Auguste" in Vevey am Genfer See. Der König hatte vorgesorgt und sie mit einer großzügigen Apanage, wie auch Personal und Equipagen ausgestattet. Am 5. Juni 1873 starb Auguste Fürstin Liegnitz in Bad Homburg v. d. Höhe, wo sie zur Kur weilte.

Michaela Blankart
 
 
 
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