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Christian Daniel Rauch, Bildhauer

 
 
Christian Daniel Rauch
* 2.1.1777 in Arolsen
† 3.12.1857 in Dresden

Mit seinem Werk, das gleichermaßen Porträtbüsten, Denkmäler und Grabmonumente umfasst, gehört Christian Daniel Rauch zu den Hauptvertretern des Berliner Klassizismus. 1797 trat er Rauch als Kammerdiener in den Dienst Friedrich Wilhelms II. ein. Nach dessen Tod setzte er seine Tätigkeit am Hof Königin Luises fort. Nebenbei besuchte Rauch an der Akademie Übungen im Aktzeichnen und kunsthistorische Vorlesungen.

Nachdem 1800 erstmals Werke von ihm auf der Akademieausstellung zu sehen waren, wurde Johann Gottfried Schadow auf ihn aufmerksam und nahm ihn in seiner Werkstatt auf. Vier Jahre später wurde das Talent des jungen Künstlers mit einem Stipendium für einen sechsjährigen Romaufenthalt gefördert. In Rom wurde Rauch von Wilhelm von Humboldt protegiert, in dessen Haus er u.a. den dänischen Bildhauer Bertel Thorvaldsen kennen lernte, dessen Stil auf ihn einen großen Einfluss ausübte.

Als Königin Luise 1810 starb, bekam Rauch durch Humboldts Vermittlung den Auftrag zur Schaffung des Sarkophags der Verstorbenen. Das Denkmal wurde in Rom ausgeführt und gelangte schließlich 1815 über abenteuerliche Umwege nach Berlin. In überlebensgroßer Gestalt ist die Königin auf einer Prunkliege gleichsam schlafend dargestellt. Der auf einem Kissen ruhende Kopf ist mit einem Diadem geschmückt, das an ihre Königswürde erinnert. In seinem Werk hebt Rauch die Erhabenheit und Schönheit der Verstorbenen hervor. Außer des Diadems erinnert jedoch nichts an das Amt, das Luise inne hatte. In dem Kunstwerk wird die politische Repräsentation zu Gunsten der menschlichen Größe der Verstorbenen zurückgestellt. Dem fast bürgerlichen Lebensstil Luises wurde mit der schlichten, aber würdevollen Arbeit Rauchs ein ehrenvolles Denkmal gesetzt.


Christian Daniel Rauch (1777-1857), Grabmonument der Königin Luise, 1811-1814, Mausoleum im Park von Schloss Charlottenburg
Nach der Ausführung dieses bedeutenden Auftrags folgten weitere, die Rauch zu einem allgemein anerkannten Künstler machten. Davon zeugen u.a. die Standbilder der Generäle Scharnhorst und Bülow, die neben der Neuen Wache Schinkels ihren Aufstellungsort fanden. Sein wohl bekanntestes Werk ist jedoch das “Unter den Linden” errichtete Reiterstandbild Friedrichs des Großen. Die ersten Pläne zu diesem Denkmal stammten bereits aus dem Jahr 1780, doch weigerte sich Friedrich der Große, schon zu Lebzeiten in Form eines Denkmals gewürdigt zu werden. Nach vielen Diskussionen und Entwürfen erhielt schließlich 1836 Rauch den Auftrag, wobei die Frage, ob der König realistisch oder idealisierend, in authentischer Kleidung oder antikisierend dargestellt werden sollte, Anlass für viele Kontroversen bot. Letztlich konnte man sich auf ein historisches Gewand und eine realistische Gestalt des großen Herrschers einigen.

Die Grundsteinlegung erfolgte am 1. Juni 1840, dem 100. Jahrestag der Thronbesteigung Friedrichs II., 1851 wurde das Denkmal enthüllt. Das Reiterstandbild zeigt den Monarchen nicht vorrangig als Militär und kommt einer bürgerlichen Auffassung des Herrschertums entgegen. Es steht somit am Beginn einer realistischen Denkmalauffassung ohne mythologische Überhöhung. Am Sockel sind zahlreiche weitere Persönlichkeiten dargestellt, die in besonderer Beziehung zur Person und Regierungszeit Friedrichs des Großen standen.

Obwohl Schadow und Rauch fast gleichaltrig waren, liegen die Werke des Lehrers und seines Schülers entwicklungsgeschichtlich weit auseinander. Die Arbeiten Schadows stehen noch in der Bildhauertradition des 18. Jahrhunderts, während mit dem Werk Rauchs das 19. Jahrhundert beginnt.

 Friederike Valentien
 
 
 
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