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Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern

 
 
* 8.11.1715 Wolfenbüttel
† 13.1.1797 Berlin
Begräbnisstätte: Dom zu Berlin

Vermählt am 12.6.1733 mit Kronprinz Friedrich von Preußen, dem späteren König Friedrich II., dem Grossen

Ohne Nachkommen

Elisabeth Christine war die älteste Tochter Herzog Ferdinand Albrechts II. von Braunschweig-Bevern und seiner Gemahlin Antoinette Amalie von Braunschweig-Wolfenbüttel. Sie wuchs mit ihren elf Geschwistern in bescheidenen aber harmonischen Verhältnissen auf und erhielt von der Mutter, mehreren Lehrern, Gouvernanten und Theologen eine gediegene, aber keinesfalls umfassend-systematische Erziehung. Ihrer Verlobung mit dem preussischen Kronprinzen Friedrich (II.) am 10. März 1732 im Berliner Schloss waren handfeste politische Überlegungen der Väter des jungen Paares vorausgegangen. Der Bevener Herzog teilte nicht nur die Vorliebe Friedrich Wilhelms I. für alles Militärische, sondern war auch über seine Gemahlin eng mit dem Habsburger Kaiser Karl VI. verwandt, wodurch die Allianz mit Wien sicher zu sein schien.

Die Ehe-Anbahnung war wider alle Natur, wider die Liebe und die Leidenschaften. “Man will mich mit Stockschlägen verliebt machen” klagte Kronprinz Friedrich bitter über die Pläne seines Vaters, der das Äußere der Braut mit den Worten “nicht hässlich, auch nicht schön” und ihre inneren Werte mit dem Ausdruck “gottesfürchtig” preussisch knapp umriss. Elisabeth Christine wirkte gehemmt, schüchtern und zurückhaltend. Sie wusste, dass sie am preussischen Hof hohe Erwartungen zu erfüllen hatte, dass aller Augen auf ihr ruhten und ihr Verhältnis zu Friedrich beobachtet würde, nachdem sein Schicksal - die Auflehnung gegen den Vater, der gescheiterte Fluchtversuch mit Katte und die Verbannung in Küstrin - an den Höfen für Gesprächsstoff gesorgt hatten. Voraussetzung für die Rückkehr des Kronprinzen nach Berlin war die Einwilligung zur Hochzeit, die am 12. Juni 1733 in Salzdahlum bei Braunschweig glanzvoll gefeiert wurde. Sie sollte die erste von drei schnell aufeinander folgenden Eheschließungen zwischen den Häusern Hohenzollern und Braunschweig-Bevern werden.

Schon am 2. Juli 1733 vermählte sich Elisabeth-Christines Bruder Karl mit Friedrichs Schwester Philippine Charlotte, deren jüngerer Bruder August Wilhelm 1742 wiederum Elisabeth Christines Schwester Luise Amalie heiratete.

Die ersten Ehejahre verbrachten  Friedrich und Elisabeth Christine in vertrautem Umgang gemeinsam in Rheinsberg. Das Auftreten der Kronprinzessin wurde sicherer, sie bewunderte ihren Mann und genoss es, in seinem Freundeskreis lebhaften Gesprächen über Kunst und Philosophie zu lauschen.  Die Rheinsberger Idylle endete 1740 mit dem Tod Friedrich Wilhelms I. und dem Regierungsantritt Friedrichs II. Der König lebte fortan getrennt von seiner Gemahlin, er bevorzugte in Potsdam Sanssouci, sie erhielt Schloss Schönhausen als Sommersitz und spätere ständige Residenz. Hier empfing sie Besuch, gab Empfänge, lud zur Tafel und zu Gesprächen, veranstaltete Konzerte und widmete sich der Malerei sowie dem Verfassen religiös-moralischer Erbauungsschriften und der Lektüre deutscher und französischer Literatur, u. a. Werke von Spalding und Gellert. Schönhausen, das in Abgrenzung zu Hohenschönhausen bald Niederschönhausen genannt wurde, entwickelte sich aber auch zum Treffpunkt geistvoller Gespräche, sogar Voltaire schaute vorbei.

Das Königspaar hingegen traf sich nur noch bei offiziellen Anlässen und gesellschaftlichen Ereignissen. Friedrich schloss Elisabeth Christine aus seinem öffentlichen und privaten Leben vollkommen aus. Er strafte sie nicht allein durch Ignoranz, sondern auch durch Demütigungen und Erniedrigungen, denen sie in ihrer Duldsamkeit, Resignation und Loyalität nicht auszuweichen wusste. Da sie nicht mehr hoffen durfte, Mutter eines Thronfolgers zu werden,  begann sie sich auf die veränderten Umstände einzustellen und ihrem Leben neue Inhalte zu geben. Nach den Verwüstungen Schönhausens im Siebenjährigen Krieg ließ sie das Schloss großzügig umbauen und prachtvoll ausstatten. Trotzdem stand ihr Hof bald im Ruf erbarmungswürdiger Langeweile. Ihr Kammerherr Graf Lehndorff erinnerte sich an Gesellschaften, auf denen sie “laut spricht, obwohl sie nichts zu sagen hat.”

Nach dem Tod Friedrichs des Grossen 1786, der sie immerhin in seinem Testament finanziell und materiell abgesichert hatte, wurde Schönhausen zum eigentlichen Mittelpunkt der königlichen Familie. Elisabeth Christine war nun die alte Königin, die die jüngeren Verwandten heranwachsen sah und auf ihren Besuch größten Wert legte. Sie wurde 81 Jahre alt und war bis zu ihrer letzten Krankheit geistig rege. Auf  kulturellem Gebiet tätig und sozial sehr engagiert - sie ermöglichte zahlreichen jungen Kossätenpaaren (Kossäten= ländliche Tagelöhner) durch finanzielle Zuwendung die Eheschließung und den Erwerb von Ackerland - starb sie am 13. Januar 1797 in Ergebenheit und Dankbarkeit für die Güte Gottes. Ihre letzte Ruhestätte fand sie im Berliner Dom, wie sie es sich gewünscht hatte.

Rudolf G. Scharmann
 
 
 
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Antoine Pesne (1699-1757), Elisabeth Christine Königin von Preußen, um 1740