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Carl Heinrich Graun - Komponist, Hofkapellmeister

 
 
*1703/04 in Wahrenbück

† 08.08.1759 in Berlin


Obwohl das genaue Geburtsdatum Grauns nicht bekannt ist, weiß man, dass er um 1703/04 als dritter Sohn eines sächsischen Beamten in Wahrenbrück zur Welt kam. Mit seinem Bruder Johann Gottlieb besuchte er zunächst die Dresdner Kreuzschule, wo er seinen ersten Unterricht in Gesang, Klavier- und Cellospiel erhielt. Im Jahre 1724 wurde er als Hofsänger nach Braunschweig berufen, wo er zugleich seine ersten Opern komponierte, die wenig später auch das Interesse des preußischen Kronprinzen weckten. Vor allem die 1733 entstandene Oper La Specchio della fedeltá beeindruckte Friedrich so sehr, dass er Graun zwei Jahre später eine Stelle als Komponist, Dirigent und Sänger seiner Rheinsberger Kapelle anbot. Im Jahr seines Regierungsantritts wurde Graun, der inzwischen auch Musiklehrer Friedrichs II. geworden war, nach Italien geschickt, um den Librettisten Bottarelli sowie acht Sänger für Berlin zu gewinnen, unter ihnen Giovanna Gasparini, die bis 1774 am preussischen Hof bleiben sollte. Nach seiner Rückkehr Mitte 1741 dirigierte Graun im Stadtschloss seine erste für Berlin komponierte Oper Rodelinda, Regina di Langobardi unter Mitwirkung der aus Italien mitgebrachten Truppe.

Am 8. Dezember 1742, einen Tag nach der Uraufführung der für die Eröffnung des Opernhauses Unter den Linden komponierten Oper Cleopatra und Caesar, schrieb der König an seine Schwester Wilhelmine: „...nie sah ich eine galantere und prächtigere Darbietung“. Danach vertonte Graun noch 27 weitere Partituren für die königliche Bühne. Seine Rolle am Berliner Hof war vergleichbar mit der seines Zeitgenossen Georg Friedrich Händel in London. Neben den Hofpoeten nahm auch der König oft an der Redaktion von Libretti teil und verfasste selbst auf Französisch die Texte für die Opern Montezuma und Silla. Des weiteren schuf Graun auch zahlreiche Kantaten, 30 Cembalokonzerte und ein Tedeum, das den preußischen Sieg bei Prag feierte. Obwohl er stark von der „Opera Seria“ genannten italienischen Oper beeinflusst war, entwickelte er seinen eigenen Stil. Während bei ihm vor allem die emotionalen großen Arien im Vordergrund standen, findet man Duette und mehrstimmige Passagen eher selten.

Er korrespondierte mit dem in Hamburg tätigen Georg Philipp Telemann (1681-1767) und stand auch zu seinem in Berlin beschäftigten Kollegen Johann Adolf Hasse (1699-1783) in einem gutem Verhältnis. Graun war zweimal verheiratet und hatte mit seiner ersten Frau eine Tochter, die gleichfalls Sängerin wurde, sowie vier Söhne aus zweiter Ehe. Nach dem Tode Grauns, dem die Berliner Hofkapelle ihren Ruf als eine der besten Europas verdankte, geriet sein Schaffen bald in Vergessenheit. Anlässlich des 250. Jahrestages ihrer Einweihung wurde in der Staatsoper Unter den Linden mit großem Erfolg erneut Grauns Cleopatra und Caesar aufgeführt. Seither erfreuen sich die Werke des einst von Friedrich dem Großen hochgeschätzten Meisters wieder einer zunehmenden Beliebtheit.

Philippe Poindront

 
 
 
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Carl Heinrich Graun, Schabkunstblatt von V. D. Preisler nach einem Gemälde von A. Möller, 1752