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Prinz Friedrich HEINRICH Ludwig von Preussen

 
 
* 18.1.1726 in Berlin
† 3.8.1802 in Rheinsberg
Begräbnisstätte: Grabpyramide im Park von Schloss Rheinsberg

Vermählt am 25.6.1752 mit Wilhelmine von Hessen-Kassel

Ohne Nachkommen

Unter den Brüdern König Friedrichs des Großen war Prinz Heinrich, der auf politischem, militärischem und musischem Gebiet gebildetste und talentierteste. Seine philosophische und humanistische Bildung stand der seines königlichen Bruders nicht nach. Obwohl sein Wirkungsfeld als rangniederes Mitglied der Königsfamilie eingeschränkt bleiben musste, zählte er zu den erfolgreichsten preussischen Feldherren und Politikern des 18. Jahrhunderts. Seine intensiven Kontakte zu ausländischen Fürstenhöfen, seine Beziehungen zu Vertretern der europäischen Aufklärung machten ihn zu einer international anerkannten Persönlichkeit im Zeitalter der Französischen Revolution.

Auch Heinrich fühlte für sich eine Berufung zur Erfüllung staatspolitischer Aufgaben, die er jedoch von Friedrich oft genug eingeschränkt oder verhindert sah. Als Feldherr war er im Siebenjährigen Krieg und im Bayerischen Erbfolgekrieg eine unverzichtbare Stütze der preussischen Armee, auch wenn er eher zu diplomatischen Verhandlungen drängte. Seine außenpolitische Haltung wurde stets von Versuchen einer Annäherung an Frankreich und der Schwächung Österreichs bestimmt. Mehrmals schickte ihn der König in politischer Mission an die Fürstenhöfe nach Stockholm und Sankt Petersburg. Dabei verstand Heinrich auch, eigene politische Interessen wahrzunehmen und bereitete auf diese Weise maßgeblich die Erste Polnische Teilung vor.

1776 erwägte Friedrich II. den Plan, seinem Bruder die politische Vormundschaft im Falle einer Regierungsübernahme durch den Thronfolger Friedrich Wilhelm (II.) zu übertragen. Doch in Wirklichkeit sah sich Heinrich immer wieder an der Ausführung souveräner Aufgaben gehindert. Die Übernahme der ihm zweimal angetragenen polnischen Königskrone scheiterte am Einspruch Friedrichs, ebenso die Möglichkeit der Herrschaft über ein selbstständiges Königreich aus den vereinigten Provinzen Moldau und Walachai, die ihm die russische Zarin Katharina in Aussicht gestellt hatte. Das Angebot einer Regentschaft oder Statthalterschaft in den Vereinigten Staaten von Amerika erübrigte sich mit der Zeit von selbst.

Fortwährende politische Enttäuschungen, die der - auch in Stolz und Eitelkeit gekränkte - Prinz von seinem Bruder und nachfolgenden Regenten erfuhr, fixierten ihn immer mehr auf seine Rheinsberger Residenz, die er bereits 1744 geschenkt bekam. Für ein halbes Jahrhundert wurde die Schloss- und Parkanlage sein Refugium. Sie entwickelte sich zum Spiegelbild seiner enormen Interessenvielfalt und detaillierten Kenntnisse künstlerischer und wissenschaftlicher Entwicklungsprozesse an europäischen Metropolen.

Rheinsberg wurde ein Ort des innovativen Gedankenaustausches. Als Auftraggeber für die Neugestaltung seines Landsitzes zählte der Prinz zu den Förderern eines neuen Formen- und Gedankengutes, das weit ins kommende Jahrhundert verwies. Die Erlesenheit seiner Sammlungen, deren Qualität auch heutiger Betrachtung standhält, weisen ihn als engagierten Kunstliebhaber aus. Der wesentlich erweiterte und zum Teil umgestaltete Garten gilt als einer der frühesten Landschaftsgärten Deutschlands voller sentimentaler und romantischer Bezüge auf die antike und mittelalterliche Vergangenheit. Die Rheinsberger Fest-, Theater- und Musikkultur erreichte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts überregionale Bedeutung.

Die Aufenthalte in Rheinsberg wurden lediglich für einige Wochen im Winter unterbrochen, die der Prinz in Berlin verbrachte. Die in seinem prächtigen Palais am Lindenforum - die heutige Humboldt-Universität - veranstalteten Feste sowie sein nicht selten extravagantes Auftreten sorgten für Aufsehen in der Hauptstadt.

Die Eindrücke und Erlebnisse der beiden Reisen nach Frankreich 1784 und 1788/1789 waren für Heinrich, der zeitlebens die französische Lebensweise und Kultur bevorzugte, prägend. Nur die Folgen der Französischen Revolution hinderten ihn daran, sich dauernd in Paris niederzulassen. Dennoch verfolgte er mit Interesse die politische Entwicklung Frankreichs und verurteilte vehement die Beteiligung preussischer Truppen am Interventionskrieg. Auch von den französischen Emigranten, die seit 1793 den Rheinsberger Hof mehr und mehr bevölkerten, ließ sich der Prinz in seiner Haltung nicht beirren.

Die Hoffnungen, durch seine reichen Erfahrungen zum politischen Ratgeber seines seit 1786 regierenden Neffen, Friedrich Wilhelm II., zu werden, erfüllten sich nicht im erwünschten Maße. Jahrzehntelang hatte sich Heinrich in staatstheoretischen Schriften mit der Rolle Preussens und der allgemeinen Befriedung Europas auseinandergesetzt. Schließlich war er für das seit 1797 regierende junge Königspaar Friedrich Wilhelm III. und Luise eine „lebende Legende" geworden.

Claudia Sommer
 

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Anton Graff (1736-1813), Prinz Heinrich von Preussen, um 1785