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Jakob Paul Freiherr von Gundling

 
 
* 19.8.1673 Franken
† 11.4.1731 Potsdam

Jacob Paul von Gundling stammte aus einer fränkischen Gelehrten- und Pastorenfamilie, avancierte zum Professor für Recht, Geschichte und Literatur an der neu gegründeten Berliner Ritterakademie und arbeitete als Historiker am Preussischen Oberheroldsamt. Nachdem der König die Ritterakademie schließen ließ, wurde er, der stellungslose Akademiker, zum Vorleser des Königs und bald zum Mitglied des Tabakskollegiums berufen. Fast zwanzig Jahre lang lebte Gundling am Hofe Friedrich Wilhelms I.

Der König erkannte die wissenschaftlichen und ökonomischen Qualitäten des unterhaltsamen und redegewandten Gelehrten und beorderte ihn in das Generaldirektorium, die zentrale Wirtschafts- und Finanzbehörde. Als beispielsweise das Bierbrauprivileg des Landadels beschnitten werden sollte und man dies auf Initiativen Gundlings zurückführte, kam es im Tabakskollegium, wo die adligen Offiziere saßen, zu tumultartigen Szenen. Der König, der hier als Oberst angesprochen wurde und sich in dieser Rolle wohl möglichst neutral verhalten wollte, duldete die Peinigungen seines Beraters. Ob man Gundling mit Bären einsperrte, die mit Knallkörpern traktiert wurden oder ihn bis zur Besinnungslosigkeit alkoholisierte, alles diente dazu, ihn anschließend umso mehr zu verspotten. Der König überhäufte den Gelehrten mit Ämtern und Ehrungen, ließ ihn aber auch vor den Neidern und Spöttern zum Narren machen. Als Gundling 1717 zum Oberzeremonienmeister ernannt wurde, einem Hofamt, das der König mit Regierungsantritt eigentlich abgeschafft hatte, musste er eine Phantasieuniform und meterlange Ziegenhaarperücke tragen. 1726 wurde er zum Kammerherrn bestallt und musste einen riesigen hölzernen Schlüssel mit sich tragen 

Im Schloss Königs Wusterhausen hängt im Raum des Tabakskollegiums das um 1725 von einem unbekannten Künstler gemalte großformatige "Spottbild auf Gundling". Gundling ist in der Phantasiekleidung als Mitglied des Tabakskollegiums mit Pfeife und gefülltem Bierglas in der Hand zu sehen. Um ihn herum tummeln sich Tiere: ein Affe, der den Hut des Gelehrten hält, entleert sich auf ein Dokument. Hasen, Synonyme für Hasenfüße und in der barocken Bildsprache auch für "Haselanten", geschwätzige Possenreißer, schreiben in aufgeschlagene Folianten über Politik und Geschichte. Einerseits benötigte der König Gundlings originelle Ideen, um ökonomische Reformen, auch auf Kosten des Adels durchzusetzen. Andererseits konnte er in seinem absolutistischen Anspruch kein unangepasstes Denken neben sich dulden. Was sich hier im kleinen Kreis des Tabakskollegiums andeutete, geriet zum Konfliktstoff einer neuen, von bürgerlich-frühaufklärerischem Gedankengut geprägten Epoche. 1718 wurde Gundling Nachfolger von Gottfried Wilhelm Leibniz als Präsident der Akademie der Wissenschaften, 1724 erhielt er den Titel eines Freiherrn. Die Doppelrolle als Gelehrter und Narr des Königs, als Intellektueller zwischen Ehrung und Ächtung blieb. Zweimal versuchte Gundling zu fliehen, zweimal kehrte er zurück.

Bemerkenswert und makaber, ungewöhnlich und tragisch wie sein Leben war auch sein Tod. Der König ließ den toten Gundling 1731 in einem Weinfass in der Gruft der Bornstedter Kirche begraben. Als die Potsdamer Geistlichkeit sich weigerte, die Leichenrede zu halten, beauftragte Friedrich Wilhelm I. den zu Lebzeiten größten Konkurrenten Gundlings, David Faßmann, der ihn nun post mortem verspottete. Ein Epitaph in der Bornstedter Kirche erinnert noch heute sehr bildhaft an die beiden untrennbar verschlungenen Pole von Weisheit und Narrheit in Gundlings Leben: eine Minerva und ein Hase halten das Wappen.

Erika L. Preisse
 
 
 
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