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König Friedrich Wilhelm I. in Preussen, der „Soldatenkönig“

 
 
* 14.8.1688 im Berliner Schloss
† 31.5.1740 Residenzschloss Potsdam
Begräbnisstätten: Bis 1945 Garnisonkirche zu Potsdam; bis 1953 Elisabethkirche zu Marburg; bis 1991 Burg Hohenzollern; seit 17.8.1991 Mausoleum an der Friedenskirche im Park zu Sanssouci

Regierungszeit: 25.2.1713 - 31.5.1740

Vermählt am 28.11.1706 mit Sophie Dorothea von Braunschweig-Lüneburg-Hannover

14 Kinder



Friedrich Wilhelm ist der einzige Sohn des ersten Königs in Preussen und seiner Gemahlin Sophie Charlotte. Er wird zunächst am Hofe seiner Großmutter, der Kurfürstin Sophie von Hannover erzogen und hat, wie damals üblich, früh militärische Kommandos inne. Mit dem Tag der Königskrönung seines Vaters erhält er den Titel eines Prinzen von Oranien. Am 28. November 1706 heiratet der Kronprinz Sophie Dorothea von Braunschweig-Lüneburg. Aus der Ehe gehen 13 Kinder hervor. Nach dem Tod seines Vaters wird er 1713 zum König gekrönt. Er nimmt am Nordischen Krieg teil und gewinnt für Brandenburg Vorpommern und Stettin. Nach seinem Tod findet er zunächst in der Potsdamer Garnisonkirche seine letzte Ruhe. Der Sarg wurde nach dem II. Weltkrieg auf die Burg Hohenzollern überführt und kehrte von dort 1991 nach Potsdam in das Mausoleum an der Friedenskirche zurück.

Kein anderer König ist so weitgehend in Klischees versunken, wie Friedrich Wilhelm I. Dabei hat er sich in seiner Regierungszeit zahlreiche und zum Teil noch heute bestehende Denkmäler geschaffen. Insbesondere die 1727 gegründete Berliner Charité, die Aufnahme von Tausenden Glaubensflüchtlingen aus Salzburg, die Reform des Justizwesens, der öffentlichen Finanzen und die Zentralisierung der Verwaltung zeugen von einem sehr strengen und disziplinierten Geist, vereint mit dem Streben nach Gerechtigkeit und Unabhängigkeit. Hier dokumentiert sich protestantische Haltung - ohne Ausschweifung, Verschwendung und Vergnügungssucht.

Unmittelbar nach seiner Regierungsübernahme ändert er radikal den Umgang mit den Staatsfinanzen. Schulden dürfen nicht mehr gemacht werden. Sparsamkeit und strikte Begrenzung der Ausgaben auf die Einnahmen sind die obersten Prinzipien. Hierüber wacht die neu geschaffene  Generalrechenkammer, die direkt dem König unterstellt ist und über zivile und militärische Budgets wacht.

Bereits 1717 beginnen die Reformen im Gerichtswesen, das zentralisiert und dem Kriminalkollegium unterstellt wird. 1723 erlebt die Zentralisierung der Verwaltungen einen gewissen Abschluss durch die Errichtung des Generaldirektoriums, das ebenfalls direkt dem König unterstand. 1737 wird durch den Minister Samuel von Cocceji das Preussische Landrecht reformiert und dadurch die Grundlage eines wirklichen Rechtstaats gelegt.

In besonderer Weise und lebenslang kümmerte sich der König um sein Heer. Unter ihm verschmolzen Staat und Armee und es bildete sich eine sehr eigene Form des Absolutismus. Friedrich Wilhelm war sich wohl bewusst, dass sich Preussen auf dem Kontinent nur behaupten würde, wenn es sich auf seine militärische Stärke verlassen konnte. Die durch Leopold von Anhalt-Dessau eingeführten Neuerungen des Gleichschritts und der eiserne Ladestock waren Teil dieser Reformen und Grundlagen für die am Ende der Herrschaft des Königs viertgrösste Armee Europas. Die „Langen Kerls“ sind letztlich nur Indiz dafür, mit welcher Leidenschaft Friedrich Wilhelm auch seinen politischen Zielen nachging. Wie unerbittlich er dabei sein konnte zeigen uns auch heute noch der „Fluchtprozess“ gegen seinen Sohn, den Kronprinzen, und die Hinrichtung von Hans Herrmann Katte.

Kronprinz Friedrich hatte 1730 unterstützt durch seinen Freund Katte versucht, nach England zu fliehen, weil er sich um eigene Hoffnungen betrogen sah, der harten Erziehung seines Vaters überdrüssig war und sicherlich auch einen Ort suchte, an dem er seine vor allem musischen Neigungen leben konnte. Der Plan scheitert mit den ebenso bekannten wie grausamen Folgen.

Bei nüchterner Betrachtung sehen wir in Friedrich Wilhelm I. einen Mann, für den es undenkbar und auch unehrenhaft gewesen wäre, als König, auf seinen Sohn anderes Recht anzuwenden als auf jeden Untertanen. Er forderte unbedingten Gehorsam und das Erfüllen von Pflichten nur deshalb, weil er selbst gehorsam war und seine Pflichten erfüllte. Er war fromm und Eitelkeit lag ihm fern.

Lothar de Maizière
 
 
 
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Antoine Pesne, Friedrich Wilhelm I., König in Preussen, 1729