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Sophie Luise von Mecklenburg-Schwerin-Grabow

 
 
* 16.5.1685 Grabow
† 29.7.1735 Schwerin 

Vermählt am 28.11.1708 mit König Friedrich I. von Preussen

Ohne Nachkommen

Nach dem Tod seiner zweiten Gemahlin Sophie Charlotte 1705, der bald auch die Tochter Friedrichs I. aus seiner ersten Ehe, die Erbprinzessin Luise Dorothea Sophie von Hessen-Kassel folgen sollte, wurde der König 1708 von der Hofpartei um den einflussreichen Premierminister Graf von Wartenberg bedrängt, wieder zu heiraten. Dynastische Gründe zur Sicherung der Thronfolge dienten als willkommener Vorwand, den inzwischen 50 Jahre alten, stets kränkelnden Monarchen von der Notwendigkeit einer dritten Eheschließung zu überzeugen, denn das Kronprinzenpaar Friedrich Wilhelm (I.) und Sophie Dorothea schien keine weitere Nachkommenschaft zu erwarten. Der Tod seines bis dato einzigen Enkelsohns, der 1708 im Alter von nur 6 Monaten gestorben war, mochte Friedrichs Entschluss befördert haben. Zwar war die Kronprinzessin bald wieder schwanger, doch niemand konnte wissen, ob sie erneut einen männlichen Erben zur Welt bringen würde.

Nach längerem Suchen wurde die passende Heiratskandidatin für den König in der als “mecklenburgische Venus” gerühmten 23jährigen Prinzessin Sophie Luise gefunden. Sie war die einzige Tochter Herzog Friedrichs I. von Mecklenburg-Schwerin-Grabow und seiner Gemahlin Christine Wilhelmine von Hessen-Homburg. Nach dem frühen Tod des Vaters am Hof ihres ältesten Bruders Friedrich Wilhelm in einfachen Verhältnissen aufgewachsen, hatte sie - abgesehen von Französisch- und Musikunterricht - keine besondere Ausbildung genossen. Ihrem zurückhaltenden und ernsten Wesen entsprach dagegen eine strenge lutherische Erziehung.

Der am 28. November 1708 im Berliner Schloss glanzvoll gefeierten Hochzeit folgte allerdings ein von Intrigen, Hass und Verleumdungen erfülltes Hofleben, dem die junge Königin weder geistig noch körperlich gewachsen war. Ihrer wichtigsten Aufgabe, der Dynastie einen Thronerben zu schenken, war sie noch nicht nachgekommen. Resignierend zog sie sich auf ihre Rolle als treusorgende Hausmutter und Krankenpflegerin ihres Gemahls zurück, den sie unter Einfluß ihrer bigotten Hofdame Fräulein von Grävenitz vom reformierten Glaubensbekenntnis zu einem engstirnigen und fanatischen Luthertum zu bekehren suchte. Zunächst ließ Friedrich sie an seinen Repräsentationsaufgaben teilhaben; sie durfte ihn überall hin begleiten und ihm abends im Tabakskollegium, das er als erster König in Preussen gegründet hatte, auch die Pfeife stopfen.

Im Laufe der Zeit jedoch verwandelte sich ihr religiöser Eifer in einen besessenen Pietismus: tiefe Depressionen und geistige Verwirrung folgten, so dass sie nicht mehr am Hofleben teilnahm. Unerträgliche Streitereien zwischen den Eheleuten über das “wahre” Glaubensbekenntnis und immer häufigere Wahnsinnsanfälle veranlassten den König, sich von seiner geisteskranken Gemahlin zu trennen. Nach seinem Tod am 25. Februar 1713 wurde sie, geistig umnachtet, zu ihrer Familie nach Grabow zurückgeschickt. Sie weilte schon nicht mehr am Sterbebett des Königs in Berlin; man hatte sie bereits nach Perwenitz im Havelland gebracht. Sie soll dem kranken Monarchen eines nachts völlig verwirrt und durch eine Schnittverletzung blutüberströmt im Schloss als “Weiße Frau”, also in Gestalt jener Todesbotin des Hauses Hohenzollern, die der Sage nach immer kurz vor dem Ableben eines Familienmitglieds aufzutauchen pflegte, erschienen sein.

Sophie Luise starb 1735 im Alter von 50 Jahren in Schwerin, kinderlos und ohne ein weiteres Mal geheiratet zu haben. Beigesetzt wurde sie in der dortigen Nikolaikirche. In Berlin erinnert heute noch die Sophienkirche in Mitte, die sie 1712 als Namensgeberin  gestiftet hatte, an die unglückliche dritte Gemahlin des ersten Preußenkönigs.

Rudolf G. Scharmann
 
 
 
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Friedrich Wilhelm Weidemann (1668-1750), Sophie Luise Königin in Preußen, um 1708