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Sophie Charlotte von Hannover

 
 
* 30.10.1668 Schloss Iburg bei Osnabrück
† 1.2.1705 Hannover
Begräbnisstätte: Dom zu Berlin

Vermählt am 8.10.1684 in Herrenhausen/Hannover mit Kurprinz Friedrich (III.), dem späteren König Friedrich I. von Preussen

2 Söhne

Sophie Charlotte war die einzige Tochter unter sieben Kindern des Herzogs Ernst August von Braunschweig-Lüneburg und seiner Gemahlin Sophie von der Pfalz.

1661 wurde ihr Vater evangelischer Bischof von Osnabrück, 1679 erbte er Hannover und erhielt 1692 von Kaiser Leopold I. die neunte Kurwürde. Mit seiner Ehefrau bereiste er Italien, beide liebten die Welt des Theaters und der Oper. Geistesgeschichtlich interessiert holte Ernst August den Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz als Historiographen an seinen Hof. Wegen des protestantischen Glaubensbekenntnisses wurde dem traditionsbewussten Welfenhaus 1701 vom englischen Parlament die Thronfolge in Großbritannien und Irland zugesprochen, auf die es durch Sophie Charlottes Mutter Sophie, eine Tochter der “Winterkönigin” Elisabeth Stuart und Enkelin Jakobs I., verwandtschaftliche Anrechte besaß. Sophie selbst konnte den englischen Thron nicht mehr besteigen - sie starb kurz vor dem Ableben der Königin Anna 1714 - doch ihr ältester Sohn Georg Ludwig begründete als erster Regent aus dem Hause Hannover die Welfenherrschaft in England.

Den glanzvollen Aufstieg ihrer Familie stets vor Augen, war Sophie Charlotte durch ihre Mutter von Kindheit an sorgfältig und umfassend erzogen worden. Zeitlebens hatte sie zu ihr ein besonders inniges Verhältnis, das vor allem durch die gemeinsame Liebe zur Philosophie und die Freude an Musik und Gartenkunst gekennzeichnet war. Während eines Frankreichaufenthalts mit ihrer Mutter lernte die Elfjährige 1679 bei ihrer Cousine, der durch ihren aufschlußreichen Briefwechsel berühmt gewordenen Herzogin von Orléans, Liselotte von der Pfalz, in Versailles den tonangebenden Hof Europas kennen. Als gefeierte Schönheit, hochgebildet, geistreich und vielseitig begabt - sie sprach fließend französisch, englisch und italienisch - schien sie für eine glänzende Stellung geradezu prädestiniert.

Eine gewünschte Verbindung mit einem französischen Prinzen  kam jedoch nicht zustande, statt dessen wurde sie aus machtpolitischen Erwägungen am 8. Oktober 1684 in Herrenhausen bei Hannover mit dem Kurprinzen Friedrich (III.) von Brandenburg  vermählt. Dieser hatte 1681 die damals erst 13jährige auf einer Reise nach Pyrmont kennengelernt und setzte nun gegen den Willen des Großen Kurfürsten, seines Vaters, die Eheschließung durch. Die Eltern Sophie Charlottes stimmten zu, da sie für die Erlangung der Kurwürde auf die Befürwortung Brandenburgs im Kurkolleg hofften.

Mit der Welfenprinzessin hielt in der traditionsarmen Ahnenreihe der Hohenzollern jetzt eine Frau Einzug, die mütterlicherseits königlichen Geblüts und väterlicherseits eine Nachfahrin Heinrichs des Löwen war. Allerdings hat sich Sophie Charlotte am brandenburgischen Hof mit seinen altmodischen Sitten nie richtig wohlgefühlt; sie nutzte jede Gelegenheit, nach Hannover zu reisen.

Als lebenshungrige, weltoffene und selbständige junge Frau gestaltete sich auch das Verhältnis zu ihrem Mann äußerst schwierig; schon bald führten sie eine Ehe auf Distanz. Beider Temperamente und Lebensgewohnheiten waren zu unterschiedlich. Sophie Charlotte entsprach sicher nicht Friedrichs Idealbild von einer treu ergebenen, frommen und zurückhaltenden Ehefrau. Sie war zu impulsiv, zu wissbegierig und verlangte nach Teilhabe am höfisch-politischen Geschehen, das  sie mit Weltgewandtheit, Geschmack und Charme zu gestalten wusste. Sie liebte die abendlichen Maskeraden, Bälle und Hoffeste, auf denen sie ihre vielfältigen musikalischen und schauspielerischen Talente effektvoll zur Geltung bringen konnte. Er dagegen zog sich früh zurück, so dass man, wie ein Hofbeamter äußerte, von den Abendveranstaltungen der Königin sogleich zum Morgenempfang des Königs gehen konnte.

Anfangs hatte sie ihren Mann noch zu den verschiedensten Anlässen begleitet: 1689 besichtigte sie mit ihm die Belagerung Bonns, 1690 wurde sie von Friedrich auf eine Reise nach Ostpreussen mitgenommen, im August 1691 nahm sie an einer Wasserjagd in Mühlenbeck teil. Später jedoch reiste und jagte der Kurfürst allein, die räumlichen Trennungen häuften sich. Ihrer hervorragendsten Aufgabe, einem Thronfolger das Leben zu schenken, hatte sie sich am 14. August 1688 entledigt - nachdem der Erstgeborene kurz nach der Geburt starb, das zweite Kind eine Totgeburt war und erst der dritte Sohn Friedrich Wilhelm (I.) überlebte. Unablässig war sie bestrebt, ihm eine sorgfältige Erziehung zu vermitteln, indem sie ihn für die ihr wichtigen Bereiche der Musik, Philosophie und Lektüre zu gewinnen hoffte. Letztendlich scheiterte sie aber an dem so anders gearteten Wesen Friedrich Wilhelms, dessen charakterliche Entwicklung ihr große Sorgen bereitete.

Bis 1700 versuchte die Kurfürstin auch immer wieder politisch Einfluss zugunsten des Welfenhauses auszuüben. Sie beteiligte sich aktiv an Hofintrigen, trug 1697 zum Sturz des Oberpräsidenten Eberhard von Danckelmann bei, der im Spiel um die Gunst des Kurfürsten ihr größter Gegner war und den Etat ihrer Hofhaltung beschnitt. Finanziell beanspruchte sie der 1695 begonnene Bau ihres Lustschlosses Lietzenburg, das spätere Charlottenburg, mit seiner aufwändigen Gartenanlage weniger, da sie selbst 10.000 Reichstaler aus eigenem Vermögen beisteuern konnte. Mit Erhöhung ihrer Revenuen stiegen aber auch die Summen für die Erweiterungsbauten und die Innenausstattung des Schlosses.

Ihr Sommersitz sollte als “erster Musenhof in Brandenburg-Preussen” in die Geschichte eingehen. Sie verstand es, hier einen Kreis namhafter Gelehrter, Philosophen, Freidenker, Theologen und Künstler zu versammeln, die den festlichen Veranstaltungen und philosophisch-religiösen Gesprächen Glanz verliehen.  Mit dem Universalgenie Leibniz, dem Lehrer ihrer Jugend, verband sie von 1698 bis zu ihrem Tod 1705 ein besonders enger Gedankenaustausch. In Lietzenburg sprachen sie oft über die Rechtfertigung Gottes angesichts des Übels in der Welt; Fragen, die Leibniz letztendlich zur Niederschrift der “Essais de Théodicée” bewegten. Mit Hilfe der Kurfürstin gelang es ihm auch, Friedrich III. 1700 zur Gründung der Berliner Akademie der Wissenschaften zu bewegen.

Ein besonderer Höhepunkt in ihrem Leben sollte allerdings die Krönung zur ersten preussischen Königin im Königsberger Schloss am 18. Januar 1701 werden, die Friedrich I. selbst bei ihr vornahm. Anschließend gingen beide  zur Salbung in die Schlosskirche, um ihr neu entstandenes Königtum auch kirchlich segnen zu lassen.

Zurückgekehrt nach Lietzenburg, wo inzwischen großartige Erweiterungen infolge der königlichen Rangerhöhung verwirklicht wurden, lebte sie wieder ganz ihren Leidenschaften. Den Winteraufenthalt im Berliner Schloss verkürzte sie wie so oft durch ihre Reisen zum Karneval nach Hannover. Dort verstarb sie auch ganz unerwartet an den Folgen einer verschleppten Erkältung am 1. Februar 1705 im Alter von nur 37 Jahren. Ihre letzte Ruhe fand sie im Berliner Dom; ein vergoldeter Prunksarkophag von Andreas Schlüter erinnert dort an die “philosophische Königin” und Namenspatronin Charlottenburgs.

Rudolf G. Scharmann
 
 
 
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Noel III. Jouvenet (1644-1717) zugeschrieben, Sophie Charlotte als Kurprinzessin von Brandenburg, um 1685