Schloss Potsdam zur Zeit des Soldatenkönigs


Für Friedrich Wilhelm I. war Potsdam ständiger Wohnsitz geworden. Bereits als Kronprinz logierte er in einem Appartement im westlichen Seitenflügel des Schlosses. Später verlegte er seine Wohnung auf angrenzende Räumlichkeiten im gleichen Flügel. Entsprechend der einfachen, fast spartanischen Lebensweise Friedrich Wilhelms I. bestand sie lediglich aus Vor-, Wohn- und Schafgemach mit schlichter Ausgestaltung und zweckmäßigem Mobiliar. An den Wänden hingen bevorzugt Porträts der Generale und Obersten seiner Regimenter. Waren die Dargestellten gestorben, ließ der König ihre Bildnisse in der sogenannten „Totenkammer“ aufhängen. Auf den Korridoren des Schlosses reihten sich die lebensgroßen Porträts der hochgewachsenen Grenadiere seiner Leibgarde, der Langen Kerls. Natürlich gab es auch im Potsdamer Stadtschloss einen speziellen Raum, in dem Friedrich Wilhelm I. sein allabendliches → Tabakskollegium abhielt. Unglaubliches wird in den historischen Beschreibungen erwähnt: Demnach sollen sich ein „ungefährlich“ gemachter blinder Bär und an Kugeln angekettete Adler im Schloss frei bewegt haben.

Am und im Potsdamer Schloss gab es während der Regierungszeit Friedrich Wilhelms I. nur wenige bauliche Veränderungen. Sein Hauptaugenmerk legte er auf den planmäßigen Ausbau der Stadt und die Errichtung von drei neuen Kirchen, deren Türme von nun an das Panorama der Residenzstadt prägten.

Ein großer Teil des Lustgartens wurde 1714 in einen sandigen Exerzierplatz umgewandelt. Nach dem Verkauf aller Orangenbäume diente das noch aus kurfürstlicher Zeit stammende Pomeranzenhaus als Marstall für die königlichen Pferde. Friedrich Wilhelm I. starb am 31. Mai 1740 im Potsdamer Stadtschloss.

Claudia Sommer