Zur Geschichte der Königlichen Hausbibliothek


Die Idee zur Gründung einer Königlichen Hausbibliothek, in der die im Lauf der Jahrzehnte entstandenen persönlichen Bibliotheken einzelner Mitglieder des preussischen Herrscherhauses nach deren Ableben zusammengefasst werden sollten, war bereits unter König Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861) entstanden. Nach dessen Tod richtete sein Bibliothekar Charles Duvinage (1804-1871) an den nachfolgenden König Wilhelm I. (1797-1888) eine Eingabe, in welcher er vorschlug, die auf verschiedene Residenzen verteilten Büchersammlungen zusammen mit der etwa 20000 Bände umfassenden Privatbibliothek Friedrich Wilhelms IV. unabhängig von staatlichen Bibliotheken im Berliner Stadtschloss zu vereinen. Nach eingehender Untersuchung des Sachverhalts genehmigte der König in einem Schreiben vom 20. September 1862, der somit als das Gründungsdatum der Hausbibliothek gelten kann, das Vorhaben sowie eine künftige Erweiterung der Einrichtung, beließ aber die u.a. in Potsdam und Charlottenburg befindlichen Bücher an ihrem bisherigen Standort.

In den Folgejahren konnte die hauptsächlich auf die Gebiete Kunst, Geschichte, Geographie und Literatur konzentrierte Hausbibliothek dennoch bedeutende Zugänge verzeichnen, darunter die umfangreichen Musikaliensammlungen Friedrichs des Großen (1712-1786) und Friedrich Wilhelms II. (1744-1797), die auf Anregung des späteren „99-Tage-Kaisers“ Friedrich III. (1831-1888) einverleibte Privatbibliothek der Königin Luise (1776-1810) sowie die nach dem Tod der Königin Elisabeth (1801-1873) vermachte Sammlung tausender Aquarelle und Grafiken. Des Weiteren gelangten auch zahlreiche Bücher des ausgesprochen bibliophilen Friedrichs des Großen, der sich in seinen Residenzen in Berlin, Charlottenburg, Potsdam und Breslau jeweils umfangreiche Bibliotheken einrichtete, in die Hausbibliothek. Die Mehrzahl dieser Werke, darunter auch vom König selbst verfasste Dichtungen und Traktate, war in Französisch geschrieben, zumal Friedrich II. die deutsche Literatur nicht sonderlich schätzte.

Der beständige Zuwachs machte auch eine räumliche Erweiterung erforderlich, so dass die Hausbibliothek mehrfach umziehen musste. Zunächst befand sie sich in den Räumen der ehemaligen Kunstkammer im dritten Stock des Lustgartenflügels, von wo sie 1872 in Räume des ersten Stockwerks an der Spreeseite verlegt wurde. Im Jahre 1906 wurden die inzwischen auf über 46000 angewachsenen Bände in den Neuen Pavillon im Charlottenburger Schlosspark gebracht, von wo sie jedoch auf Grund der dort herrschenden klimatischen Bedingungen 1923 wieder in den als „Haus der Herzogin“ bezeichneten Trakt des Stadtschlosses zurückkehrten. 

Unter den Leitern der Hausbibliothek, die auch nach den Vermögensauseinandersetzungen von 1925/26 Eigentum des Hauses Hohenzollern blieb und seit 1928 als Schlossbibliothek bezeichnet wurde, befanden sich der spätere Direktor des Hohenzollern-Museums Robert Dohme (1845-1893), der zugleich einen ersten systematischen Katalog anlegte, sowie der renommierte Kunsthistoriker Hans Huth (1892-1977), der seine Tätigkeit 1936 auf Druck der Nationalsozialisten beenden musste. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges kam die Bibliothek zunächst in Kisten verpackt in die Keller des Berliner Schlosses, wo sie aber unter der dortigen Feuchtigkeit litt, so dass man sie nach Potsdam transportierte und zum Trocknen in Schloss Sanssouci und der Orangerie ausgebreitete. Von dort wurde sie nach Kriegsende in die Sowjetunion verbracht und galt seither größtenteils als verschollen, wenngleich sich in der Zwischenzeit Hinweise auf die Existenz einzelner Teilbestände mehren.    

 

Ulrich Feldhahn