Das Archiv der Königlichen Porzellan-Manufaktur


Die in der Regierungszeit Friedrichs II. entstanden Verwaltungsakten und Bestellbücher der KPM befinden sich, soweit erhalten, heute zum größten Teil im Preussischen Haupt-Staatsarchiv in Dahlem. Die Manufaktur behielt allein Unterlagen zur Beschaffung von Rohstoffen und zu baulichen Veränderungen in einem eigenen Betriebsarchiv, das sich heute in Schloss Charlottenburg befindet. Mit der Schaffung einer Kommission unter Friedrich Wilhelm II. und veränderten Verwaltungssystemen im 19. Jahrhundert wuchs dieses Archiv um Abschriften wichtiger Vorgänge, um Personal- und Buchhaltungsakten, aber auch um sorgfältig geführte Bestellbücher an. Das Archiv verwahrt heute über 400 Bände Akten zu verschiedensten Aspekten der Manufakturgeschichte von ihrer Gründung bis ins frühe 20. Jahrhundert.

Parallel dazu wurden die Entwurfszeichnungen zu Gefäßformen und Dekorationen königlicher Bestellungen, aber auch zur Inspiration und als direkte Vorlage gesammelte Druckgrafiken (und später Fotografien) zusammen mit Studien verschiedener Manufakturangehöriger zu einer Vorlagensammlung vereinigt. Fotografien von Werken der KPM und technische Zeichnungen zu Gebäuden und Maschinen ergänzten das bildliche Archiv. Die ältesten überlieferten Bestände sind die Druckgrafiken der Manufaktur Gotzkowskys. Aus friderizianischer Zeit sind nebst druckgrafischer Blätter nur einige wenige Originalgrafiken erhalten. Die Reste der ursprünglichen Vorlagensammlung der KPM zählt heute noch über 50'000 Druckgrafiken, Entwurfszeichnungen und Studien, dazu über 6000 Fotografien verschiedenster Motive und über 300 Ölgemälde, worunter die im Auftrag der KPM von Carl Daniel Freydanck in der Mitte des 19. Jahrhunderts geschaffenen Ansichten der königlichen und wichtigsten öffentlichen Gebäude in Potsdam, Berlin, Schlesien und am Rhein einen besonderen Schatz darstellen.

Ergänzt werden Akten- und Vorlagensammlung durch eine Bibliothek mit über 2500 Werken. Nicht nur die zu erwartenden Vorlagemappen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, sondern auch rare Bücher des 17. und 18. Jahrhunderts und selbst einige Buchdrucke des frühen 16. Jahrhunderts finden sich in dem erhaltenen, beachtlichen Rest der einstigen Manufakturbibliothek. Zu großen Teilen dienten die Bücher der künstlerischen Inspiration, die kunstgewerblichen Zeitschriften der Information und die gesammelten Aufsätze der Dokumentation der eigenen Arbeit.

Das Archiv wurde zusammen mit der keramischen Modellsammlung vor dem Zweiten Weltkrieg ausgelagert. Während die kostbare Modellsammlung bis heute verschollen ist, gelangten die Kisten mit dem Manufakturarchiv nach dem Krieg nach Ostberlin und wurden im Märkischen Museum gelagert. Ein vielbeachteter Austausch gegen Schinkels Schlossbrücke-Figuren brachte das Archiv 1981 nach Westberlin und als Eigentum des Landes Berlin als Dauerleihgabe zur wissenschaftlichen und konservatorischen Betreuung in den Turm des Schlosses Charlottenburg. Nach vielen Jahren der mühsamen Neuordnung und besonders restauratorischen Bearbeitung der teilweise sehr in Mitleidenschaft gezogenen Bestände wird das Archiv heute von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg betreut. Nachdem es in der Vergangenheit bereits einige Ausstellungen mit Archivbeständen gab konzentriert sich die Arbeit zur Zeit auf die dringend notwendige Aufarbeitung und Inventarisierung der Vorlagensammlung, eine archivgemäße Erschließung der Akten und die Katalogisierung der Bibliothek. Erst durch diese Sicherungsmaßnahmen ist es möglich, das Archiv unter besonderen Voraussetzungen zugänglich zu machen, wie das für besondere Forschungsvorhaben teilweise schon möglich ist. Als Quelle zur Geschichte der KPM, aber auch zur brandenburg-preussischen Kunst-, Kultur-, Technik- und Sozialgeschichte, für die Denkmalpflege und zur Erforschung vieler Facetten des preußischen Hoflebens bietet das älteste erhaltene Berliner Manufakturarchiv einen unschätzbaren Bestand.

Dr. Samuel Wittwer