Besuch des Zaren


Der Bau der Kirche ging nicht sehr zügig voran, zumal die Entwürfe erst spät aus Petersburg eintrafen. Man schien jedoch große Sorgfalt auf sie verwendet zu haben, denn der Entwurf taucht bei einem weiteren Bau Stasovs in Kiew und die Innenausstattung in der Kirche des Preobraschinsky-Regiments, ebenfalls von Stasov, in Petersburg auf.

Als nun der Besuch des Zaren-Paares für 1829 vorbereitet wurde, fehlten noch zahlreiche wichtige Ausstattungsstücke. Eiligst bestellte man Ikonen in Petersburg, die jedoch, da alle Hofmaler beschäftigt waren, von deren Schülern auf grober Leinwand gemalt wurden. Noch frisch – und häufig eher italienischen als orthodoxen Vorbildern folgend - wurden sie in die Ikonostase eingelassen. Als man bemerkte, daß sie nicht reichen, mußte sogar der Berliner Maler Friedrich Wilhelm Herdt Apostel; Heilige und eine Muttergottes ergänzen.

Verständlicherweise war die Einweihung nur eine provisorische. Der erste richtige Gottesdienst wurde einige Wochen später im Beisein des Kronprinzen gefeiert, der auch während seiner späteren Krankheit immer wieder gerne die Teestube im Popenhaus nutzte.

Schinkel, der lediglich die oberste Bauleitung bei dem Projekt hatte, hat keinen weiteren Einfluß auf die Planungen genommen. Vielmehr schien er von der kubischen Form des Kirchleins inspiriert und übertrug sie auf den Bau der Nikolaikirche in Potsdam. Als er 1829 – in Folge des Besuchs des Zaren – gebeten wurde, eine ebenfalls dem Heiligen Alexander Newski geweihte Parkkapelle in Peterhof zu entwerfen – greift er erneut auf die Ideen zurück und schafft eine gleichgroße gotische Variante der Potsdamer Kapelle.



Heute zeugen noch zahlreiche Schilder am Hausgiebel von den ursprünglichen Bewohnern der Kolonie. Teilweise sind sie in kyrillischen, teilweise in lateinischen Buchstaben geschrieben. Das einstige russische Leben ist jedoch nicht mehr präsent, denn durch eine königlich Verfügung mußten die Hofstellen nach Aussterben der Familie wieder zurückgegeben werden. Sie wurden dann an irgendwelche Pächter oder Mieter weitergegeben. Ein aktenkundiger Fall berichtet im 19. Jahrhundert von einer Kündigung, da der Bewohner anstatt mit einer Frau lieber mit einem Mann den Hausstand weiterführen wollte.